Zehn vor acht, die Turnhalle in Gündelwangen ist rappelvoll, es wird ein heißer Abend, insgesamt an zwei Zunftabenden der Räuber im Jubiläumsjahr. 66 Jahre alt werden die närrischen Gesellen. Das aufgelegte Festprogramm war vom Feinsten.

Hilfe beim BH-Anziehen

Hinter der Bühne herrscht rege Betriebsamkeit. Die Maskenbildnerin (Claudia Scharf) legt dem Knappen Fridolin (Bernd Jehle) noch etwas Rouge auf, Wüterich Kunibert (Bruno Zehnder) wächst innerhalb von Sekunden ein doch beachtlicher Bart. In der anderen Ecke des belebten Backstage-Bereichs hat eine vollbärtige Sumpflochhexe Probleme beim Anziehen des BHs, der junge Narr ist ganz und gar nicht daran gewöhnt und weiß nicht, wie man in dieses für ihn ungewohnte Kleidungsstück hineinkommt. Von Lampenfieber keine Spur, sie haben alle lange und oft geprobt, sie wissen, was sie können und haben Spaß daran. Der Mikrofonsender verschwindet am Rücken von Co-Moderatorin Julia, von ihrem Bühnen-Ehemann Linus keine Spur – er ist überall und nirgends.

20.11 Uhr – ganz zu Anfang, also als es ernst zu werden begann, da hatte Martina Schaller, die Zunftmeisterin der Räuber noch „einen Frosch im Hals“ – keinen Wellendinger allerdings, wie gemunkelt worden war, die saßen nämlich mit den vielen anderen Narren von Lienheim über Bonndorf, Schluchsee bis Reiselfingen eng gedrängt auf den Bänken in der bestens besetzten Turnhalle der Gündelwanger Schule. Von da an klappte alles wie am Schnürchen.

Das Beste aus 66 Jahren

Das Beste aus der Schatzkiste der Zunftabende der Räuber begeisterte die Besucher restlos, an beiden Abenden waren die Bänke voll besetzt. Ein Höhepunkt war sicher das Theaterstück vom „Wüterich“ – 1954 zum ersten Mal aufgeführt mit viel Dramatik, Herzschmerz, Säbelrasseln und viel Komik beim Kampf von Bernd Jehle und einem grandiosen Bruno Zehnder um Jungfrau Petra Isele. Nach einem Blick in die Geschichte der Räuber verkündete Gundilo höchstpersönlich seinen Gruß an die Narren. Ein verjüngter Herbert Hofmeier bewies sein Sangestalent.

Oh weh – „Ein Stich mitten ins Herz“ und der Wüterich Bruno Zehnder geht getroffen zu Boden.
Oh weh – „Ein Stich mitten ins Herz“ und der Wüterich Bruno Zehnder geht getroffen zu Boden. | Bild: Wolfgang Scheu

Ganz neue Talente konnte man entdecken, der kleine Indianer (Nicolas Hofmeier aus Glashütte) im pinkfarbenen Outfit, der fröhlich und energiegeladen das Geschehen auf der Bühne beim großartigen Cowboy- und Indianertanz der Räuberkinder und ihrer Freunde aufhellte, begleitete auch das eingespielte Moderatorenteam Julia Schaller-Riesle und Linus Sedlak im Verlauf des Abends.

Mit Feder: Ein kleiner Räuber mit großem Showtalent: Nicolas Hofmeier aus Glashütte bei seinem Auftritt. Bild: Wolfgang Scheu
Mit Feder: Ein kleiner Räuber mit großem Showtalent: Nicolas Hofmeier aus Glashütte bei seinem Auftritt. | Bild: Wolfgang Scheu

Die Ranzengarde, zwei Schotten, Wum und Wendelin vom Narrenrat, ein Hexentanz der Sumpflochhexen und natürlich die „Drei Wiiber“ Cosima, Zensi und Hermine begeisterten ebenso wie das Schäfleballett der Räuberfrauen. Das lebhafte Telefonat von Selina Sigwart am Amtstelefon von Natalie Neipp mit dem Landrat wird noch lange in Erinnerung und vor allem in den Ohren bleiben.

Cosima (Claudia Scharf), Zensi (Erika Schübel) und Hermine (Mechthild Nägele) durften beim „Bescht of Zunftobed“ nicht fehlen.
Cosima (Claudia Scharf), Zensi (Erika Schübel) und Hermine (Mechthild Nägele) durften beim „Bescht of Zunftobed“ nicht fehlen. | Bild: Wolfgang Scheu

Besser geht’s nicht, das meinte auch das Publikum. Anschließend wurde zu den Klängen von Friedhelm Kaltenbrunn und seiner charmanten Begleiterin getanzt. Was war dies doch für ein gelungener Jubiläumsabend.