In der katholischen Kirchengemeinde Bonndorf-Wutach ist nach der Feststellung finanzieller Unstimmigkeiten durch den Rechnungshof der Erzdiözese Freiburg einiges in Bewegung geraten. Die Staatsanwaltschaft Waldshut hat in dieser Angelegenheit inzwischen ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Sachdienliche Ermittlungsmaßnahmen seien ergriffen worden, teilt Pressesprecher Florian Schumann mit. Zu den Einzelheiten werde während des laufenden Ermittlungsverfahrens keine Stellungnahme abgegeben, informiert der Waldshuter Pressesprecher weiter. Pfarrer Fabian Schneider steht derweil vor der Aufgabe, den entstandenen Vertrauensverlust in der Gemeinde wieder aufzubauen.

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Dieser zeigt sich nicht zuletzt in einer erhöhten Zahl von Kirchenaustritten. Vereinzelt werde auch geäußert, dass manch einer für die Kirche nichts mehr spenden wolle, schildert der Geistliche jüngste Erfahrungen. Tatsächlich erhielten die Sternsinger in diesem Jahr knapp 1000 Euro weniger Spenden als im Vorjahr. Einerseits deutet das auf eine gewisse Spendenzurückhaltung hin.

Pfarrer will bei Spenden Transparenz

Andererseits erfolgen nach wie vor viele hohe Einzelspenden. Fabian Schneider legt dabei größten Wert auf Transparenz. Die Einnahmen sämtlicher Kollekten werden daher künftig im Pfarrblatt veröffentlicht. Außerdem werden alle Einzelspenden ab 20 Euro mit einer Quittung belegt.

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Eine spürbare Verunsicherung in der Gemeinde führt Fabian Schneider darauf zurück, dass sich die Aufklärung finanzieller Unstimmigkeiten in der Seelsorgeeinheit bereits über einen sehr langen Zeitraum dahin schleppt. Zu viele verschiedene Leute aus verschiedenen Abteilungen des Ordinariats seien wahrscheinlich damit befasst gewesen. Interne Kommunikationspannen, unklare Verantwortungsbereiche oder auch Machtkämpfe hätten offenbar eine zügige Aufklärung behindert.

Lange mit Problem alleine gelassen

Abgesehen davon sei der Stiftungsrat vor Ort in dieser Sache überfordert gewesen. Nach Vorlage des Prüfberichts habe man das Gremium viel zu lange mit dem Problem allein gelassen, lautet sein Fazit. Nachdem bekannt wurde, dass Anzeige erstattet worden war, habe er den Eindruck gewonnen, dass die über einen langen Zeitraum stark belasteten Mitglieder von Pfarrgemeinderat und Stiftungsrat diese beinahe wie eine Befreiung empfunden hätten.

Weitere Anzeige gegen Mitarbeiter

Für den allgemein zunehmenden Frust vieler Katholiken hierzulande findet Fabian Schneider klare Worte. „Viele Pfarrer meinen, sie seien unantastbar, könnten tun und lassen was sie wollten und in Selbstherrlichkeit ihre Macht missbrauchen.“ Um Letzteres geht es offenbar auch in einer weiteren Anzeige gegen einen Mitarbeiter der Kirche, die nach Veröffentlichung der Finanzaffäre bei einer externen Kanzlei erfolgte. Es handle sich um einen Vorfall aus den 80ern in der Pfarrgemeinde Bonndorf, die derzeit geprüft werde. Der Vorwurf richte sich nicht gegen einen Pfarrer.

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Um welche Art von Missbrauch, ob es sich um verbale, tätliche oder sexuelle Übergriffe handle, sei ihm nicht bekannt, sagt Fabian Schneider. Der Vorwurf werde untersucht. Auch hierzu bezieht er eine klare Position: „Jeder, dem Unrecht widerfahren ist, sollte sich melden. Die Kirche darf nichts mehr vertuschen, muss sich in jedem einzelnen Fall entschuldigen und zugeben, was nicht in Ordnung war.“

Klare Strukturen in Verwaltung schaffen

Fabian Schneider ist aber auch mit ganz profanen Alltagsthemen konfrontiert. Fürs Erste werden klare Strukturen in der Verwaltung geschaffen. Eine externe Expertin unterstützt die kirchlichen Mitarbeiter vor Ort dabei, Arbeitsprozesse und -bedingungen zu optimieren. Sichtbarstes Zeichen veränderter Organisationsformen ist das neu gestaltete Pfarrbüro. Im vorherigen Büro hatten sich Akten und Dokumente auf einem einzigen Schreibtisch getürmt. Auf engstem Raum, der eigentlich für einen Arbeitsplatz ausgelegt war, arbeiteten zeitweilig zwei Sekretärinnen und ein Pfarrer gleichzeitig. Im vergangenen Jahr wurde das Büro in den deutlich größeren, bisherigen Besprechungsraum verlegt. Eine Theke trennt nun die beiden Arbeitsplätze der Sekretärinnen von Besuchern. Hohe Schrankwände bieten außerdem Stauraum für Dokumente oder Büromaterial.

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Auch personell gab es Veränderungen. Pfarrsekretärin Eva Dietsche beendete auf eigenen Wunsch ihr Dienstverhältnis nach mehr als sechs Jahren. Die angespannte Situation im Zusammenhang mit den finanziellen Unstimmigkeiten habe sie über einen langen Zeitraum hinweg enorm belastet und sei für sie so nicht mehr tragbar gewesen. Nun wolle sie einen beruflichen Neuanfang machen, erklärt Schneider. Und betont ausdrücklich, dass er immer gerne und sehr gut mit ihr zusammengearbeitet habe.

Katrin Happle neue Pfarrsekretärin

Neben Ingrid Keller, die seit 29 Jahren Pfarrsekretärin ist, wurde inzwischen die ebenfalls aus Ewattingen stammende Katrin Happle als zweite Sekretärin eingestellt. Beide arbeiten wöchentlich jeweils 20 Stunden. Demnächst werden sie für weitere zwölf Wochenstunden von einer dritten Teilzeitkraft unterstützt. „Die personelle Aufstockung ist notwendig. Man glaubt gar nicht, wie viel in so einem Pfarrbüro los ist“, erläutert Fabian Schneider.

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Durch den Umzug des Büros sowie die jüngsten Ereignisse entstand erheblicher Zusatzaufwand. Auch Fabian Schneider muss allmählich mit seinen Kräften haushalten. Da Pfarrer Eckart Kopp seit Ende Dezember und bis auf weiteres krankgeschrieben ist, lastet eine Vielzahl von Aufgaben allein auf ihm. Bei den Gottesdiensten unterstützt ihn Pensionär Horst Herz aus Waldshut. Auch der Stühlinger Kollege Michael Klotz bot Hilfe an, übernimmt gelegentlich Gottesdienste sowie Trauungen. Einige gewohnte Gottesdienste fallen vorübergehend aus.

Suche nach Gemeindereferenten

Entlastung erhofft sich Fabian Schneider durch die Einstellung eines Gemeindereferentens. Die Stelle sei vom Ordinariat bereits ausgeschrieben worden. Da viele solcher Stellen in der Erzdiözese unbesetzt seien, sei es allerdings fraglich, ob sich für Bonndorf jemand finden wird. Um die Überlastung in Grenzen zu halten, gab Fabian Schneider vor einer Woche den Religionsunterricht der Erstkommunikanten an der Bonndorfer und Wutacher Grundschule auf. Das bedauert er. „Ich unterrichte sehr gerne und habe gerne direkten Kontakt zu den Kindern“, so Schneider. In den nächsten Tagen bezieht Fabian Schneider die seit knapp einem Jahr leerstehende Wohnung im Pfarrhaus. „Ich bin sehr gerne hier und fühle mich in der Region zu Hause. Viele Menschen sind mir bereits in kurzer Zeit ans Herz gewachsen.“

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Blick nach vorn

Mit Zuversicht geht Pfarrer Fabian Schneider die umfangreichen Aufgaben an. Die erfreulich hohe Teilnahme beim jüngst stattgefundenen Mitarbeiteressen freut und ermutigt ihn gleichermaßen. Das zeige ihm, dass „sehr viele Menschen nach wie vor zur Kirche und ihrer Gemeinde vor Ort stehen. Das ist ein sehr positives Signal und ein Zeichen von Solidarität. Gemeinsam wollen wir jetzt das Beste daraus machen“, sagt der Pfarrer. „Die Firmvorbereitung steht an, dazu gibt es bereits viele super Ideen.“ Diese greife er gerne auf. Er sieht darüber hinaus in mehreren Bereichen viel Wünschenswertes, das es zu tun gibt, sei das Kinder-, Jugend-, Familien- oder Seniorenarbeit.