Dem Bad Säckinger Stadtwald droht möglicherweise erneut eine massive Borkenkäferplage. Stadtförster Gabriel Hieke rechnet jedenfalls mit nichts Gutem: „In diesem Jahr haben wir noch kein frisches Käferholz. Doch eine hohen Ausgangsbestand des Borkenkäfers aus den vergangenen Jahren und die anhaltend trockene und milde Witterung lassen einen starken Anstieg der Population erwarten.“ Was das für den Wald bedeutet, kann Hieke heute noch nicht sagen: „Der Käfer fängt gerade erst an zu fliegen.“ Im Jahr 2019 wurden allein wegen des Käferbefalls rund 2400 Festmeter Holz geschlagen. Das sind etwa 30 Prozent mehr als 2018 und zehnmal mehr als 2017.

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Gestresst haben den Wald die Stürme in 2017, 2018, 2019 und Anfang 2020. Auch die Trockenheit schwächt die Abwehrkräfte der Bäume gegen den Borkenkäfer erheblich. Ab 12 bis 16,5 Grad fühlt sich der Buchdrucker, wie die häufigste Borkenkäferart genannt wird, wohl im Wald. Der Buchdrucker befällt vor allem geschwächte Fichten. Die Käfer bohren sich in die Rinden ein, paaren sich und begründen damit eine neue Generation. Eine gesunde Fichte kann anfliegende Borkenkäfer durch Harzfluss abwehren. Sind aber die Käferdichten extrem hoch, werden auch nur vorübergehend geschwächte Bäume besiedelt. Der intensive Fraß der Larven und Jungkäfer unter der Rinde unterbricht den Saftstrom in der Rinde und die befallenen Bäume sterben mit der Zeit ab. Um die Ausbreitung des Schädlings zu verhindern, müssen die befallenen Bäume möglichst schnell identifiziert und dem Wald entnommen werden.

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„Wir gehen regelmäßig über die Fläche und schauen nach, gerade in den exponierten Bereichen wie am Bergsee, im Wildgehege und im Bereich des Klettergartens“, so Hieke. Zudem wird das durch Orkan „Sabine“ angefallen Sturmholz derzeit aus dem Wald gebracht, um dem Käfer damit nicht noch eine zusätzliche Brutmöglichkeit zu bieten. Rund 1000 Festmeter werden es am Ende sein, schätz Hieke. Die nächsten 14 Tage habe man wohl noch zu tun mit dem Aufräumen. Gelagert werden die Stämme in Wallbach, weit weg vom Wald und außerhalb der Käfer-Flugdistanz. Der Abtransport sei ein „Riesenaufwand„, so Hieke. Der Kampf gegen den Käfer lässt allerdings auch durch frühes Erkennen und selektive Holzentnahme nicht wirklich gewinnen. Hieke: „Ab einem gewissen Punkt ist der Wettlauf verloren. Das kann man dann personell und zeitlich nicht mehr schaffen.“

Der – europaweit – hohe Anfall an Schad- und Sturmholz in den vergangene Jahren hat auch Auswirkungen auf die Preise: die sind im Keller. Hinzu kommt aktuell, dass der asiatische Markt wegen der Corona-Krise komplett ausfällt. Beim Schadholz gibt es Minderlöse von 60 bis 70 Prozent. Zusätzlich fielen höher Kosten durch Aufforstung und Pflege des Waldes an, so Hieke. Das schlägt sich dann auch in der Stadtkasse nieder. Die Einnahmen mussten immer weiter nach unten korrigiert werden.

Derzeit ist der Forst dabei, Sturmholz aus dem Wald zu entfernen. Da im Freien die Mindestabständen gut eingehalten werden können, sind die Arbeiten durch die Corona-Krise nicht erschwert. Das Holz wird in Wallbach weit weg vom Wald – und damit vom Borkenkäfer – zwischengelagert.
Derzeit ist der Forst dabei, Sturmholz aus dem Wald zu entfernen. Da im Freien die Mindestabständen gut eingehalten werden können, sind die Arbeiten durch die Corona-Krise nicht erschwert. Das Holz wird in Wallbach weit weg vom Wald – und damit vom Borkenkäfer – zwischengelagert. | Bild: Frank Linke

Dass der Bad Säckinger Stadtwald beim Käferholz bislang vergleichsweise glimpflich davongekommen ist, führt Hieke auf den relativ moderaten Fichtenanteil in Höhe von rund 20 Prozent zurück. Dabei solle es auch in Zukunft etwa bleiben. Angestrebt wird eine Durchmischung in der Fläche, keine Fichten mehr im Reihenbestand. Wo die Reise bei den Baumarten grundsätzlich hingehen soll, lässt sich wegen des langen Planungszeitraums über 100 bis 120 Jahre nur schwer sagen.

Sicher sei, so Hieke: „Wir brauchen ein breites Spektrum möglichst trockentoleranter Baumarten, um Fehler, die wir jetzt noch nicht abschätzen können, wettmachen zu können. So hätten sich die Bedingungen für die Fichte auf bestimmten Höhenlagen mit den Jahrzehnten wegen des Klimawandels sehr verschlechtert. Das hätte vor 120 Jahren auch niemand voraussehen können. Aus damaliger Sicht sei die Entscheidung für den Nadelbaum sicher richtig gewesen.Was Hieke derzeit neben Sturmholz und Borkenkäfer noch umtreibt, ist die wegen der Trockenheit hohen Waldbrandgefahr. Er weist deshalb darauf hin: „Feuer machen im Wald ist verboten. Das kann verheerende Folgen haben.“

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