Der kaufmännischen Bildungsstätte DHV droht die Schließung. Der Grund ist nicht Corona und auch an Interessenten an den Kursen in der Einrichtung mangelt es laut Geschäftsführer Hans Hebeisen nicht. Er macht das Jobcenter im Landkreis Waldshut verantwortlich. Im Gegensatz zum Jobcenter Lörrach stelle dieses kaum Bildungsgutscheine für die DHV-Bildungsstätte aus. Deshalb kämen dort viel weniger Kurse zusammen als eigentlich möglich seien.

Mit den Bildungsgutscheinen ermöglichen Jobcenter finanziell schlecht gestellten Interessenten die Inanspruchnahme einer kostenpflichtigen Aus- oder Weiterbildung. Das Programm der Bildungsstätte Bad Säckingen richtet sich vor allem an Alleinerziehende mit Kindern. Sie können sich hier in einer dreijährigen Ausbildung in Teilzeit zum Kaufmann/Kauffrau für Büromanagement ausbilden lassen.

130 Bildungsgutscheine aus Lörrach – drei aus Waldshut

Während das Jobcenter Lörrach laut Hebeisen in den vergangenen zehn Jahren rund 130 Männern und Frauen Bildungsgutscheine ausgestellt hat, seien aus dem Jobcenter in Waldshut gerade mal drei Bewilligungen gekommen.

Von den 130 im Landkreis Lörrach Geförderten waren 30 – allesamt Frauen – bereit, ihre Ausbildung in Bad Säckingen zu absolvieren. „Diesem Umstand ist es zu verdanken, dass die Klassengröße in Bad Säckingen erreicht worden ist und Bildungsgänge stattfinden konnten“, so Hebeisen weiter.

Aufgrund von Corona konnte im vergangenen Jahr kein neuer Bildungsgang gestartet werden, und auch im kommenden September bleiben die Lernbüros und Klassenzimmer an der Mumpferfährstraße leer.

Personal wurde bereits gekündigt

Dem Personal ist inzwischen gekündigt worden. „Sollte sich bis zum kommenden Frühjahr 2023 nichts daran ändern, müssen wir die Einrichtung schließen“, malt Hebeisen ein düsteres Zukunftsbild. „Wir sind aktuell im Schlafmodus in der Hoffnung, dass das Jobcenter seine Förderpolitik ändert.“

„Wir bieten eine qualifizierte Berufsausbildung. Doch diese Erkenntnis ist im Landratsamt Waldshut nicht vorhanden“, so Hebeisens Vorwurf. Seiner Meinung nach fördert das Waldshuter Jobcenter, das dem Landratsamt unterstellt ist, Frauen nur in niederschwelligen Jobs.

Seit rund zehn Jahren betreibt das Jobcenter in Waldshut die Gemeinnützige GmbH Waldshut-Tiengen (GWA). Bei der GWA erstellen die Kunden Lebensläufe und Bewerbungsanschreiben oder können sich Arbeitgeber für Berufspraktika suchen, immer in der Hoffnung, dadurch bei der Firma, die die betriebliche Erprobung durchführt, später eine Stelle zu erhalten.

Nach Meinung von Hebeisen vermittelt das Waldshuter Jobcenter fast ausschließlich an die eigene GWA, um dort Kurse zu absolvieren. „Statt hier bei uns eine qualifizierte Ausbildung zu machen“, beklagt der Geschäftsführer der Bad Säckinger Bildungsstätte.

Um auf die Situation aufmerksam zu machen, hat Hebeisen bereits die Fraktionsvorsitzenden im Kreistag Waldshut sowie Landtags- und Bundestagsabgeordnete nach Bad Säckingen eingeladen. Jüngst hatte er auch ein Gespräch mit Landrat Martin Kistler, Vertretern des Jobcenters und Kreistagsmitgliedern.

Was sagt das Landratsamt zu den Vorwürfen?

Das Landratsamt weist Hebeisens Vorwürfe zurück. „Es gibt eine Vielzahl von Gründen, die die Ausstellung eines Bildungsgutscheins verhindern“, erklärt Pressesprecherin Susanna Heim auf Anfrage.

„Zeigt sich beispielsweise bei einem Kunden, der eine Weiterbildung belegt, welche rund drei Monate dauert, dass er diese nicht zuverlässig absolviert, dann kann es sein, dass das Jobcenter die Ausstellung eines Bildungsgutscheins zur Ausübung einer zwei- bis dreijährigen Ausbildung als für nicht vielversprechend erachtet.“

Bei einem ausgestellten Bildungsgutschein könne der Kunde selbst entscheiden, wo er seine Ausbildung beginne, so Heim weiter. „Die DHV ist hierbei eine, aber nicht die einzige Einrichtung im Landkreis Waldshut, die eine solche Umschulung anbietet.“ Die Träger der Weiterbildungen stünden in einem Wettbewerb zueinander. Dabei sei es dem Jobcenter aus wettbewerbsrechtlichen Gründen untersagt, bei der Ausgabe von Bildungsgutscheinen einzugreifen.

Der Landkreis sei auf das breite Weiterbildungsangebot stolz und würde einen Verlust des Angebots der DHV bedauern, sagt Heim abschließend. „Eine mögliche Schließung jedoch mit der mangelnden Unterstützung des Jobcenters zu begründen, ist aus unserer Sicht nicht nachvollziehbar.“