Die Bad Säckingerin Ulla Medau staunte nicht schlecht, als ihr am 30. Mai dieses Jahres ein Brief des Statistischen Landeamtes aus Stuttgart in die Wohnung flatterte.

Das Schreiben war adressiert an ihren Mann Hinrich Medau. Der solle, so die Aufforderung, bis spätestens zum 22. Juni Fragen im Rahmen der Zensus-Erhebung beantworten. Nur: Ihr Ehemann Hinrich Medau ist seit eineinhalb Jahren tot.

Erinnerungsbrief vom Zensus-Amt: „Bislang konnten wir noch keine Meldung von Ihnen feststellen,“ schreibt die Behörde. Kein ...
Erinnerungsbrief vom Zensus-Amt: „Bislang konnten wir noch keine Meldung von Ihnen feststellen,“ schreibt die Behörde. Kein Wunder, wenn der Adressat nicht mehr lebt. | Bild: Gerber, Andreas

Auch Ulla Medau selber erhielt Post vom Zensus-Amt: Auch sie solle sich zu ihrem Immobilien-Besitz erklären. Doch sie sei gar nicht mehr Eigentümerin einer Immobilie, berichtete sie dem SÜDKURIER. Sie schüttelte zunächst den Kopf über die Behörde, doch Fehler können mal passieren, habe sie dann gedacht. Allerdings fängt hier die eigentliche Geschichte erst an.

Zu Beginn nahm es die Witwe noch gelassen: Fehler können passieren

Die Bad Säckingerin nahm es also zunächst gelassen. Aber dennoch sei es seltsam, wenn der verstorbene Ehemann Post von einem Amt bekommt, das es eigentlich besser hätte wissen müssen, meinte sie.

Aber gut: Auf dem Schreiben stand die Hotline-Nummer des Statistischen Landesamtes, da rief Ulla Medau an: „Ich habe der Dame am Telefon alles erklärt, sie hat es aufgenommen und versprochen, es zu korrigieren.“

Damit schien für die Bad Säckingerin der Fall erledigt.

Doch weit gefehlt: Am 4. Juli 2022 erhielt sie – wie auch ihr verstorbener Mann – erneut Post vom Statistischen Landesamt. Der Brief aus Stuttgart war überschrieben mit: „Zensus 2022: Erinnerung“ und forderte erneut auf, die Zensus-Fragen zu beantworten. Die Behörde wies den Verstorbenen nochmal darauf hin, dass die Beantwortung verpflichtend sei, Zuwiderhandlungen eine Ordnungswidrigkeit darstellten und diese mit einer Geldbuße von bis zu 5000 Euro geahndet werden könnten.

Beim dritten Brief riss Ulla Medau dann doch der Geduldsfaden

Nach diesen Schreiben ärgerte sich die Bad Säckingerin dann doch. Sie schnappte erneut den Hörer, rief nochmal auf der Hotline des Statistischen Landesamtes an. Dasselbe Spiel, nur dass jetzt ein Herr am Telefon war, berichtet Ulla Medau: „Diesmal habe ich mir aber den Namen geben lassen“, erinnert sie sich, „ich dachte, am Ende passierte das noch ein drittes Mal“.

Und genauso kam es. Nur, nach dem dritten Brief an ihren verstorbenen Mann telefonierte sie nicht nur mit der Behörde in Stuttgart, sondern auch gleich mit der SÜDKURIER-Redaktion Bad Säckingen. Auf Nachfrage unserer Zeitung beim Statistischen Landesamt kam dann plötzlich Bewegung in die Sache.

Wie es nach der SÜDKURIER-Anfrage weiterging

Nachdem der SÜDKURIER um Stellungnahme zu dem Vorgang gebeten hatte, räumte die Pressestelle des Statistischen Landesamtes ein, dass im Rahmen der Zensus-Befragung häufiger verstorbene Menschen angeschrieben worden seien.

Zu Einzelfällen wolle man grundsätzlich jedoch nichts sagen – zum konkreten Vorgang aber zumindest soviel: „Wir können in diesem Fall vermelden, dass wir die Daten in unserer Datenbank korrigiert haben,“ teilte Pressesprecher Alexander Grund dem SÜDKURIER mit.

Behörde entschuldigt sich: „Wir bedauern jeden Einzelfall“

Ulla Medau freut das, und sie hofft, dass es nun auch klappt. Dennoch fragt sie sich, wie so etwas passieren kann. Die Stuttgarter Behörde begründet Fehler mit der großen Masse an Vorgängen und den teilweise nicht aktuellen Daten. Es seien in Baden-Württemberg im Rahmen des Zensus 3,5 Millionen Immobilien-Eigentümer postalisch angeschrieben worden.

Dazu habe man Daten aus verschiedenen Verwaltungsregistern genutzt, die teils nicht auf dem neuesten Stand waren, so Alexander Grund. So sei es passiert, dass mehrfach Personen angeschrieben wurden, die bereits tot waren. Die Daten seien dann bei Beanstandungen aktualisiert worden. Allerdings sei bei der „Vielzahl an Telefon-Kontakten und trotz intensiver Bemühungen“ nicht gänzlich ausgeschlossen, dass dennoch Erinnerungs- oder Mahnschreiben verschickt wurden.

Alexander Grund beschreibt es so: „Wird uns z. B. eine verstorbene Person gemeldet, wird dies manuell überprüft und der Fall ausgesteuert. Dies kann bei hohen Rücklaufzahlen dazu führen, dass im Einzelfall Bürgerinnen und Bürger trotz Meldung eine Erinnerung bekommen.“ Der Pressesprecher bittet um Verständnis und gleichzeitig auch um Entschuldigung: „Wir bedauern jeden Einzelfall, bei dem wir Bürgerinnen und Bürger in persönlich schweren Zeiten über Gebühr in Anspruch genommen haben.“

Für Ulla Medau ist die Sache damit erledigt – wenn nicht doch noch ein vierter Brief kommt. Aber das werden wir dann erfahren.

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