Es handelt sich um einen der 17 Marksteine, die den ehemaligen Hochgerichtbezirk der Stadt Säckingen zu dem der Grafschaft Wehr abgegrenzt haben. Lediglich drei dieser Steine galten bislang als noch vorhanden. Jetzt ist ein vierter dazugekommen.

In der Säckinger Jurisdiktionskarte, die um 1690 gezeichnet wurde, ist der Verlauf des Säckinger Hochgerichtbezirks enthalten. Er beginnt am Rhein gegenüber Mumpf und zieht sich bis an den Grenzgraben zu Obersäckingen hin. In der Bildmitte ist der Markstein Nr. 1 dargestellt, ganz rechts der Galgen.
In der Säckinger Jurisdiktionskarte, die um 1690 gezeichnet wurde, ist der Verlauf des Säckinger Hochgerichtbezirks enthalten. Er beginnt am Rhein gegenüber Mumpf und zieht sich bis an den Grenzgraben zu Obersäckingen hin. In der Bildmitte ist der Markstein Nr. 1 dargestellt, ganz rechts der Galgen. | Bild: Richard Kaiser

Es ist dem früheren Stadtarchivar Fridolin Jehle (1908 bis 1976) zu verdanken, dass einige wertvolle Flurdenkmäler im Gebiet der Stadt Bad Säckingen überlebt haben. So, als er 1957 auf der Suche nach den 17 „Hohen Marken“ war, denen er einen hohen Stellenwert beimaß, weil sie den einstigen Hochgerichtbezirk der Stadt bezeugen. Vier solcher Marksteine konnte Jehle seinerzeit an Ort und Stelle noch ausfindig machen. Und zwar die mit der Nummer 1, 3, 16 und 17, wobei der erste der bedeutendste ist.

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Als es sich 1973 abzeichnete, dass die Industrialisierung im Westen der Stadt immer mehr zunahm, verwies Fridolin Jehle auf den Stein Nr. 1 im Gewann Grüttäcker, der Baumaßnahmen zum Opfer fallen könnte. Das Stadtbauamt versprach, den Stein zu retten und ließ ihn im Schlosspark ablegen. Dort geriet er in Vergessenheit, bis ihn 1998 der städtische Bauhof auf Bitten von Heimatforschern an die Langfuhrenstraße setzte, in deren Nähe er 400 Jahre zuvor errichtet wurde.

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Seit einigen Jahren befasst sich auch die Ortsgruppe Bad Säckingen des Schwarzwaldvereins mit den Kleindenkmälern des Stadtgebietes. Allen voran Vorsitzende Ingrid Bär und der Fachwart für Heimatpflege Gottlieb Burkart. Sie nahmen Kontakt mit örtlichen Heimatforschern, dem Stadtarchiv Bad Säckingen und dem Generallandesarchiv Karlsruhe auf und wurden in der Folgezeit bei der Wiederherstellung und Restaurierung von historischen Grenzsteinen aktiv.

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Besonders angetan war ihnen das Rätsel um den Verlauf des Säckinger Hochgerichtbezirks. Sie besorgten sich deren Grenzbeschreibung beim Generallandesarchiv, aus der zu entnehmen ist, dass die Grenze bereits 1599 teilweise mit Marksteinen ausgestattet war, 1746 aber durchgehend neu abgemarkt wurde. Der auffallend große Stein mit der Nummer 1, in dem ein Kreuz eingemeißelt ist, existierte noch, und wurde, wie die anderen 16 neu gesetzten Steine, mit der Jahreszahl 1746 versehen. Dies hatte auch Fridolin Jehle 1957 schon herausgefunden und 1973 eindringlich darum gebeten, „auf ihre Erhaltung als wichtige Flurdenkmäler der Stadtgeschichte unbedingt zu achten“. Die Steine 1 (an der Langfuhrenstraße), 3 (am Buchbrunnenweg) und 17 (am Bannweg) waren 2014 noch sichtbar, der 16er aber vom Waldboden verborgen.

Erfolgreiche Suche im Stadtwald

Ingrid Bär und Gottlieb Burkhard suchten seither den von Jehle 1963 noch gesichteten Stein, der sich im Stadtwald südlich des Bannweges zwischen der Rippolinger Straße und dem Schützenhaus befinden sollte. Immer wieder durchstreiften die beiden das infrage kommende 400 Meter lange und 80 Meter breite Waldgebiet. Dass der Markstein bei einer Holzernte in Mitleidenschaft gezogen wurde, schien klar, aber weder Stadtförster Gabriel Hieke noch sein Vorgänger Max Eckert konnten sich an ihn erinnern. Nie aufgegeben hatte insbesondere Gottlieb Burkart, und vor kurzem entdeckte er ein längliches, fasst versunkenes und vermoostes Gebilde, schabte dessen Oberfläche frei und sah darauf ein eingemeißeltes „N 16“. Es war der verschollene Grenzstein! Der glückliche Finder setzte den beinahe drei Zentner schweren Koloss wieder mit seiner halben Länge senkrecht in den Boden, da zu vermuten ist, dass er 1746 an der gefundenen Stelle errichtet wurde.

Stadtarchivarin Eveline Klein freut sich über die Entdeckung und dankt den beiden Vertretern des Schwarzwaldvereins im Namen der Stadt für ihre Tätigkeit. Auch Forstrevierleiter Gabriel Hieke findet an den geschichts- und heimatkundlichen Aktivitäten der Hobbyforscher Gefallen und bietet ihnen im Rahmen seiner Möglichkeiten Unterstützung an. Für Ingrid Bär und Gottlieb Burkart ist die erfreuliche Resonanz vonseiten der Stadt Bad Säckingen Ansporn, künftig auch auf den Spuren der Steine 4 bis 15 zu wandeln, in der Hoffnung, den einen oder anderen davon noch zu finden.

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