Schottergärten gelten als pflegeleichte Alternative für den Vorgarten und werden augenscheinlich immer beliebter. Doch nicht nur aufgrund ihrer optischen Eintönigkeit stoßen die Gesteinswüsten im Vorgarten auf Kritik und Spott – nicht nur auf der Facebook-Seite „Gärten des Grauens“, die sich den Gartenbausünden verschrieben hat. Sie sie sind auch aus umwelttechnischer Sicht alles andere als empfehlenswert, wie der Umweltbeauftragte der Stadt Bad Säckingen, Ralf Däubler, und die BUND-Vorsitzende von Bad Säckingen, Wioletta Koch, darstellen.

Schon der Aufbau eines Schottergartens ist alles andere als umweltgerecht: Über ein undurchdringliches Fließ, das Unkraut verhindern soll, werden Steine und Kies geschüttet. „Da ein Schottergarten den ganzen Mutterboden und Wurzeln verdeckt, wird kein Wasser gespeichert. Bei Hitze bringen Schottergärten keine Abkühlung durch verdunstende Feuchtigkeit, sondern viel schlimmer, sie speichern Wärme.“ Begrünte Vorgärten leisten laut Koch einen wichtigen Beitrag zum Stadtklima und gegen das Artensterben. Denn auch im Hinblick auf die Artenvielfalt von Flora und Fauna seien Schottergärten nachweislich kontraproduktiv, sagt Koch. Der Mangel an Pflanzen wirke sich etwa negativ auf die Bienenpopulation und die Bestände andere Insekten aus.

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Ganz abgesehen davon sei das Argument der Zeitersparnis bei Gartenpflege allenfalls zeitlich begrenzt richtig, sagt Ralf Däubler: „Durch den Anflug von Samen, dem Aufkommen von Vegetation und Folienschäden, hat man später wahrscheinlich eine noch kosten- und zeitintensivere Pflege, als wenn man eine normale Grünfläche angelegt hätte.“

Kein schöner Anblick sind die Schotterhalden, hier ein Beispiel aus dem Bad Säckinger Gewerbegebiet Langfuhren.
Kein schöner Anblick sind die Schotterhalden, hier ein Beispiel aus dem Bad Säckinger Gewerbegebiet Langfuhren. | Bild: Christiane Pfeifer

In einigen Städten wie Weinheim, Wiesloch, Kirchheim unter Teck und Lörrach gibt es Initiativen, die bis zu Änderungen in den Bebauungsplänen reichen, um Schottergärten zu vermeiden. Eine solche allgemeine Ortsbau- oder Gestaltungssatzung gebe es in Bad Säckingen nicht, so Däubler. Eine nachträgliche Änderung von alten Bebauungsplänen wäre zu aufwendig. Denkbar wäre aber eine Regelung für Neubaugebiete, die Einschränkungen von losen Steinschüttungen und Schotterflächen beinhalten.

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Grundsätzlich empfehlen Stadt und BUND naturnah gestaltete Gartenflächen insbesondere im Siedlungsbereich. Für Däubler könnte ein pflegeleichter Vorgarten so aussehen: „Ich tendiere zu artenreichen Blumenwiesen, die nur ein bis zwei Mal gemäht werden, mit einzelnen standortgerechten, einheimischen Baum- und Strauchgehölzen sowie einer Totholz- und Brennesselecke.“ Auch mit attraktiven Strauchmischungen, wie Rosen und Lavendel, ließen sich Vorgärten aufwerten.

Koch sieht das ähnlich, sie empfiehlt, Bereiche einzurichten: „Ein kleiner Steinhaufen als Unterschlupf für Insekten, der mit Steinpflanzen bepflanzt ist, wie etwa Blaukissen oder Steppensalbei. Eine Ecke mit pflegeleichten heimischen Pflanzen und Kräuter wie Salbei oder Thymian, die einen herrlichen Duft verströmen, sind für viele Insekten ein Paradies sind.“

Grundsätzlich sei es kein Fehler, einen Teil des Gartens sich selbst zu überlassen. Für viele Insektenarten seien Bereiche, in denen Wildwuchs herrsche, überlebenswichtig.“ Hier eignen sich pflegeleichte Gewächse wie Storchenschnabel, Wollziest, Besenginster und Wiesensalbei.

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Aber selbst aus einem Schottergarten lasse sich laut Koch noch einiges herausholen, wenn man ihn als lebendigen Steingarten konzipiere. „Kräuter wie Salbei oder Thymian gedeihen sehr gut an sonnigen Standorten.“ Auch pflegeleichte Pflanzen wie die Prachtfetthenne oder die Felsen-Fetthenne eignen sich gut in einem Steingarten. Als eine weitere Maßnahme können außerdem die vorhandenen Kieselsteine mit anderen Steinen gemischt werden, wie löchrigem Kalkstein. „Denn dort bieten die Steine den Insekten Unterschlupf“ so Koch. Wer ein paar Steine aufhäuft, hat den idealen Unterschlupf für Eidechsen. „Wer einen lebendigen Garten möchte, der findet auch in einem Steingarten genügend Möglichkeiten, dies für Mensch und Tier interessant zu gestalten“ so Koch.

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