Ein würziger Duft liegt in der Luft, exotische und fruchtige Aromen erfüllen die Wallbacher Flößerhalle. Die Aktivisten Hendrik Meisel und Klaus Hamelmann sind mit ihrer „Fairtrade-Kochshow“ zu Gast und nehmen die Besucher mit in die Welt des Fairen Handels. Ein Menü aus fairen Zutaten steht auf der Karte, garniert mit Filmen, die sie bei Besuchen von Fairtrade-Produzenten rund um die Welt gedreht haben. Die Beiden, die sich beim Engagement in einem Weltladen kennengelernt haben, wollen die Welt und das Leben von immer mehr Menschen immer besser machen.

Während Bürgermeister Guhl noch mit dem Früchte-Curry beschäftigt ist, tauscht Meisel sich mit Bruno Gallati, dem Vizegemeindepräsident ...
Während Bürgermeister Guhl noch mit dem Früchte-Curry beschäftigt ist, tauscht Meisel sich mit Bruno Gallati, dem Vizegemeindepräsident der Gemeinde Glarus-Nord über Fairen Handel in der Schweiz aus. | Bild: Bernadette André

Meisel als Küchenchef bittet Bürgermeister Alexander Guhl als Co-Koch auf die Bühne, Hamelmann ist für die Technik zuständig „also für alles, was nicht klappt“, wie Meisel anmerkt. Eine Kamera ist auf die Kochtöpfe gerichtet und über einen Beamer wird das Bild auf eine große Leinwand übertragen. Mit Schürze und Kochlöffel ausgestattet, beginnt Guhl, Cashewnüsse für ein vegetarisches Fruchtcurry zu rösten. Derweil schneidet Meisel Lauch und Tomaten. Die Zuschauer werden mit Filmen in Länder entführt, die die Aktivisten bereist haben, um sich ein Bild von der Lebenswirklichkeit der Bauern zu machen, deren Produkte auf den Tisch kommen und um zu erfahren, wie fairer Handel das Leben verändert.

Mit Maske: Bürgermeister Guhl in Aktion bei der Fairtrade-Kochshow in der Wallbacher Flößerhalle.
Mit Maske: Bürgermeister Guhl in Aktion bei der Fairtrade-Kochshow in der Wallbacher Flößerhalle. | Bild: Bernadette André

Die Filme erzählen von den Produzentinnen eines Chutneys in Swasiland (heute Eswatini). Durch die faire Entlohnung konnten sie einen Fonds für ihre Alterssicherung aufbauen. Sie berichten vom Bauern Dennis, der am Kilimandscharo Hochland-Arabica-Kaffee anbaut. Im Film zeigt er, mit wie viel Arbeit und Mühe aus den Kaffeekirschen Kaffeebohnen werden.

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Dann plaudert Meisel mit seinem Hilfskoch über den fair gehandelten Bad Säckinger Trompeterkaffee, mit dem Bad Säckingens Weg zur Fairtrade-Stadt begonnen hat. Und, wie Umweltreferent Ralph Däubler sich als Hauptinitiator für das Fairtrade-Engagement der Stadt eingesetzt hat. „Immer wieder ist er vorbei gekommen, hat nicht locker gelassen und gemeint, wir könnten doch...“, erklärt Guhl, während er das Gericht in der Pfanne mit Lauch, Tomaten und Chutney verfeinert.

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Heute ist Bad Säckingen breit aufgestellt in Sachen Fairtrade, 2019 hat die Stadt den zweiten Preis beim Bundeswettbewerb „Hauptstadt des fairen Handels“ gewonnen, es gibt eine faire Stadtschokolade, Bad Säckinger Baby T-Shirts aus fair gehandelter Baumwolle, das Scheffel-Gymnasium ist seit 2018 faire Schule und das Awo-Kinderhaus „Rhein-Au“ die erste faire Kindertagesstätte im Landkreis. Alle Zutaten des Abends gibt es im Weltladen zu kaufen – und an diesem Abend in der Flößerhalle, wo die Ehrenamtlichen der Weltläden Murg und Wehr einen Stand mit fairen Produkten aufgebaut hatten.

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Bevor Kostproben des vegetarischen Fruchtcurrys an die mehr als 60 Zuschauer, die mit Abstand in der Flößerhalle saßen, gereicht werden, stellt Meisel Bruno Gallati vor, den Gemeindevizepräsident von Glarus Nord – bereits seit 2016 Fairtrade Stadt –, der schweizerischen Partnerstadt Bad Säckingens. In der Schweiz spielt der faire Handel eine noch größere Rolle als bei uns, erfährt man: 93 Euro gibt jeder Schweizer im Durchschnitt pro Jahr für fair gehandelte Produkte aus. In Deutschland sind es nur 15 Euro. Wieso dieser Unterschied? „Die Leute sind informiert und das Bewusstsein ist da, aber vielleicht ist es auch eine Frage des Wohlstandes, ob man sich Fairtrade leisten kann“, so Gallati. „Der faire Gedanke und Nachhaltigkeit sind sehr wichtig, denn wir als Menschheit kommen auf Dauer nur über die Runden, wenn wir fair handeln.“

Für die Zubereitung des Desserts, einer Wein-Apfel-Nachspeise, kommt die Erzieherin Silvia Nottebohm vom Awo-Kinderhaus auf die Bühne. Schwerpunkte ihrer Arbeit sind Nachhaltigkeit und Ernährung. „Wir wollen bereits bei den Kindern das Bewusstsein für faire Entlohnung und für die Wege, die ein Produkt zurückgelegt hat, bevor es bei uns ankommt, wecken“, erklärt sie. Immer wieder lässt Meisel Fakten in die Gespräche einfließen. Als Nottebohm berichtet, dass nur saisonale und regionale Früchte in der Kita auf den Tisch kommen, hat er den Unterschied in der Kohlendioxid-Bilanz parat: stellt die mehr als neun Kilogramm Kohlendioxid, die bei einem Kilogramm konventioneller Tomaten aus dem beheizten Gewächshaus anfallen, den 35 Gramm gegenüber die bei einem Kilogramm saisonaler Tomaten aus der Region entstehen. Mittlerweile hat sich in der Flößerhalle ein Duft von Zimt und Äpfeln ausgebreitet. Die Wein-Apfelspeise ist fertig und wird den Zuschauern in kleinen Schälchen gereicht.

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Dass er auch musikalisch begabt ist, zeigt Küchenchef Meisel erst zum Schluss und überrascht das Publikum mit einem Fairtrade-Rap („Jeder Marsch beginnt mit dem ersten Schritt“), bevor die Show mit lautem Knall und einem Konfettiregen endet.