Gekonnt schossen die Bad Säckinger Narren ihre spitzen Wortpfeile ins Publikum und ernteten dafür reichlich Beifall.

Durchschlagend: Dekan Peter Berg als Paukenmann. Bild: Susanne Kanele
Durchschlagend: Dekan Peter Berg als Paukenmann. Bild: Susanne Kanele | Bild: Kanele, Susanne

Die Überraschung des Abends war fraglos der Auftritt von Dekan Peter Berg in der Tradtionsrolle des Paukenmanns.

Allerdings bleibt das Debüt wohl eine Eintagsfliege. Denn Regisseurin Melanie Bächle möchte künftig jedes Jahr einen neuen Paukenmann präsentieren. Die Voraussetzung: "Bekannt muss er sein und ein Ränzlein muss er haben."

Tolles Programm trotz erheblicher Mehrarbeit

Überhaupt hat es Melanie Bächle mit viel Fingerspitzengefühl geschafft, ein gelungenes, unterhaltsames Programm auf die Beine zu stellen und alle Traditionsnummern auf die Narrenspiegelbühne zu holen. Und das, obwohl die Narrenzunft ganz nebenbei auch noch die Organisation des großen Narrentreffens zu stemmen hatte.

Überblick: Die beiden Kater Hiddigeigei Fabian Bächle (links) und Lenny Schartner hatten den Durchblick. Bild: Susanne Kanele
Überblick: Die beiden Kater Hiddigeigei Fabian Bächle (links) und Lenny Schartner hatten den Durchblick. Bild: Susanne Kanele | Bild: Kanele, Susanne

Lediglich das Bühnenbild blieb dabei aus Zeitgründen weitgehend gleich wie vergangenes Jahr. Es handelte sich um die Rückseite des Trompeterschlosses. Aber es wurde aktualisiert: Denn vor der Pause war es mit und nach der Pause ohne die Baustelle zu sehen. "Genau so war es nämlich im vergangenen Jahr", erklärte Hannes Fischer, der das Publikum locker und souverän durch den Abend begleitete.

Nachwuchs: Moderator Hannes Fischer (mitte) stellte mit Fabian Bächle (links) und Lenny Schartner die beiden jüngsten Narrenspiegle-Akteure vor.
Nachwuchs: Moderator Hannes Fischer (mitte) stellte mit Fabian Bächle (links) und Lenny Schartner die beiden jüngsten Narrenspiegle-Akteure vor. | Bild: Kanele, Susanne

Traditionell startete das Abendprogramm mit dem Joggele-Tanz, der bereits seit Beginn der 1950er-Jahre fester Bestandteil des Narrenspiegels ist. Der kleine Kater Hiddigeigei ist inzwischen ein großer geworden. Denn Darsteller Fabian Bächle ist inzwischen stolze zehn Jahre alt. Und in diesem Jahr hat sich der Kater Verstärkung in der Person von Lenny Schartner auf die Bühne geholt, der seine Rolle als zweiter Kater gekonnt und souverän meisterte.

Ins kalte Wasser: Mit Sebastian Schmidt und Walli Jehle gab es einen Besuch in der Aqualon Therme. Bild: Susanne Kanele
Ins kalte Wasser: Mit Sebastian Schmidt und Walli Jehle gab es einen Besuch in der Aqualon Therme. Bild: Susanne Kanele | Bild: Kanele, Susanne

Wiedersehen mit alten Bekannten und neuen Gesichtern

Als "Wäschwiib" war Walli Jehle schon in früheren Jahren zusammen mit Beate Lauber auf der Bühne zu sehen. Diesmal gab sie ihr Comeback, und das gemeinsam mit dem Debütanten Sebastian Schmidt. Gemeinsam machten sie sich auf den Weg in die Aqualon-Therme. Und dabei haben sie festgestellt, dass alle irgendwie älter werden: "Früher reichte die Nivea-Creme, heute ist es Lederspray".

Ansteckend: Die neue Formation der Altstadtschnallen (von links) Karina Weiß, Sophia Bührer, Jessica Zimara und Heike Bengs.
Ansteckend: Die neue Formation der Altstadtschnallen (von links) Karina Weiß, Sophia Bührer, Jessica Zimara und Heike Bengs. | Bild: Kanele, Susanne

Auch Altstadtschnalle Karina Weiß trat dieses Mal mit Verstärkung auf. Ihre bisherige Bühnenpartnerin Edeltraud habe einen Lover gefunden und ist inzwischen auf Weltreise, erklärte sie. "In Bad Säckingen sind ja noch mehr Schnallen unterwegs", betete sie in ihrem choralen Gesang herunter und stellte dem begeisterten Publikum ihre neue Formation besetzt durch Sophia Bührer, Jessica Zimara und Heike Bengs vor.

Auf Staatsbesuch: Donald Trump (Franz Isele) macht Station in Bad Säckingen.
Auf Staatsbesuch: Donald Trump (Franz Isele) macht Station in Bad Säckingen. | Bild: Kanele, Susanne

Auf Staatsbesuch in Bad Säckingen war Präsident Donald Trump in Person von Franz Isele. Freunde dürfen "Trampolina" zu ihm sagen, betonte er: "Nur habe ich leider keine Freunde." Wie gewohnt war der Präsident in Kampfstimmung: "Make the Wäldertag great again", puschte er das Publikum auf. Denn es seien einfach "zu viele Pussys in Town".

Sexy und herzerfrischend: Hilgi – die Frau für alle Fälle (Jessica Zimara).
Sexy und herzerfrischend: Hilgi – die Frau für alle Fälle (Jessica Zimara). | Bild: Kanele, Susanne

So sexy, so herzerfrischend! Hilgi, die Frau für alle Fälle, alias Jessica Zimara. Sie nimmt bekanntlich nie ein Blatt vor den Mund und zeigte einmal mehr auf, dass Bad Säckingen mit Sinn regiert wird: "Nämlich mit Irrsinn, Wahnsinn und Blödsinn." Es schafft wohl niemand, ernste Themen derart gnadenlos auf den Punkt zu bringen und die Zuschauer dabei derart gut zu unterhalten.

Geduldsprobe: Mehlmarti (Michael Jehle) war in diesem Jahr mit der Bahn unterwegs. Aber gaaanz langsam...
Geduldsprobe: Mehlmarti (Michael Jehle) war in diesem Jahr mit der Bahn unterwegs. Aber gaaanz langsam... | Bild: Kanele, Susanne

Der Mehlmarti stand derweil in diesem Jahr ohne seinen Partner Entekarle auf der Bühne. Immerhin war letzterer mit einem Bild vertreten, sodass sich der Mehlmarti auf seinen langen Bahnfahrten nicht so einsam fühlte. Denn lang sind die Fahrten mit dem Zug am Hochrhein allemal. Und ob man seinen Zielbahnhof erreicht – das lässt sich bei Fahrtantritt auch nie so genau sagen. Ganz nach dem Nena-Motto: "Irgendwie – Irgendwo – Irgendwann".

Fetzig: Katrin Friedrich hatte das Publikum musikalisch voll im Griff.
Fetzig: Katrin Friedrich hatte das Publikum musikalisch voll im Griff. | Bild: Kanele, Susanne

Für die musikalischen Beiträge zeichneten die Friedrich-Zwillinge Hanna und Katrin verantwortlich, die sich musikalisch und professionell Michael Jackson, Andreas Gablier und Katy Perry gewidmet hatten. Immerhin in Wichtelform waren alle drei auf der Bühne vertreten.

Stimmgewaltig: Die Großstadt-Scheese Eva Koch (links) und Christina Scholz.
Stimmgewaltig: Die Großstadt-Scheese Eva Koch (links) und Christina Scholz. | Bild: Kanele, Susanne

Abgesehen davon hat der Narrenspiegel seine eigenen Rockröhren. Die "Großstadt-Scheesen" Eva Koch und Christina Scholz sorgten dafür, dass es niemanden mehr auf den Stühlen hielt. Die beiden Tanzgruppen F.R.I.E.N.D.S und die Maisenhardt Joggele-Frauen nahmen die Zuschauer mit auf Zeitreise.

Zeitreise: Mit der Tanzgruppe F.R.I.E.N.D.S ging es zurück in die 80er-Jahre.
Zeitreise: Mit der Tanzgruppe F.R.I.E.N.D.S ging es zurück in die 80er-Jahre. | Bild: Kanele, Susanne