Sturm Burglind ist am Mittwoch mit Orkanstärke über Bad Säckingen und das Umland hinweggefegt. Zahlreiche Bäume stürzten auf Straßen und knickten Strommasten um. Alle Feuerwehren der Region waren im Dauereinsatz. Doch als sich der Sturm am Nachmittag legte, war es für die Einsatzkräfte in Harpolingen, Rippolingen und Teilen von Rickenbach noch nicht vorbei: Das Stromnetz brach für 24 Stunden zusammen – so lange wie noch nie, erzählen die Feuerwehrkommandanten Arno Siebold aus Harpolingen und Robert Vogt aus Rippolingen. Erst am gestrigen Donnerstag gegen 10 Uhr konnte der Energiedienst die Leitungen wieder reparieren.

Für die Bürger von Harpolingen und Rippolingen richtete die Feuerwehr Bad Säckingen in den frühen Abendstunden am Mittwoch Notversorgungsstellen ein. Dort konnten die Betroffenen heißes Wasser, warme Getränke und Informationen einholen. "Ungefähr 50 bis 80 Anwohner haben das Angebot angenommen. Alle waren sehr froh, einen Ort zu haben, an den sie gehen können und Informationen erfragen können", so Katja Fischer, stellvertretende Abteilungskommandantin in Rippolingen. Mit acht Einsatzkräften haben sich die Wehren dort und in Harpolingen im Schichtdienst abgewechselt. Mit Lautsprecherwagen und über soziale Netzwerke wurde die Bevölkerung informiert. Zuvor hatten sich die Feuerwehren aus Bad Säckingen, Rippolingen und Harpolingen, Bürgermeister Alexander Guhl, das Technische Hilfswerk, die Stadtwerke sowie das Rote Kreuz am Nachmittag zu einer Krisensitzung getroffen. Dabei wurde die Einrichtung der Notversorgungsstellen sowie die Informierung der Bevölkerung geplant.

"Die Zusammenarbeit hat hervorragend funktioniert", sagt Arno Siebold. Auch Tobias Förster, Stadtkommandant, ist zufrieden. "Wir haben viel Lob und Dank aus der Bevölkerung erhalten", erzählt er. Sogar einen Notfallplan für den Fall, dass der Strom länger ausbleibt, habe man parat gehabt. "Im Notfall hätten wir am Donnerstagmittag in den Versorgungsstellen warme Mahlzeiten für die Bevölkerung bereitgestellt und am Nachmittag bei jedem Hausbesuche gemacht, um nach dem Rechten zu sehen", so der Stadtkommandant.

Ihm und seinen Kollegen bereiten zur Stunde die steigenden Pegelstände des Rheins und seiner Zuflüsse im Stadtgebiet Sorgen. "Wir beobachten die Situation", so Förster. Am Freitag sei damit zu rechnen, dass der Rheinuferweg gesperrt werde. Dort könnte der Rhein laut den Hochrechnungen von Donnerstagnachmittag einen Pegelstand von 8,70 Metern erreichen. "Ab neun Metern sichern wir die Altstadt mit Sandsäcken", so Förster.

Die Helfer in Harpolingen (von links): Arno Siebold, Mark Baumgartner, Jan Owe Burkert, Mario und Nico Jehle, Mike Weber, Pascal Heber, ...
Die Helfer in Harpolingen (von links): Arno Siebold, Mark Baumgartner, Jan Owe Burkert, Mario und Nico Jehle, Mike Weber, Pascal Heber, Marcel Langendorf und Friedemann Kehnel. Bilder: Nitzsche

Während Förster, Siebold und Vogt mit der Krisenbewältigung des 24-stündigen Stromausfalls zufrieden sind, klagten am Donnerstag zahlreiche Rickenbacher Einwohner über mangelnden Informationsfluss. In den Ortsteilen Willaringen, Jungholz, Egg, Schweikhof, Wieladingen und Wickertsmühlle gab es 24 Stunden lang keinen Strom, erzählen Anwohner. "Wir haben über Schweizer Freunde erfahren, dass die Feuerwehren in Rippolingen und Harpolingen Notversorgungsstellen eingerichtet haben", sagt Edith Beising aus Egg. "Wir in Egg hatten keinerlei Informationen. Es gab kein Krisenmanagement", kritisiert sie. Alle Lebensmittel in den Kühltruhen seien verdorben, am schlimmsten sei für sie und zahlreiche Nachbarn allerdings die Ungewissheit gewesen: "Da hätten wir vom Bürgermeister mehr Einsatz erwartet."

Dietmar Zäpernick zeigte sich am Donnerstag unglücklich über den Ablauf in Rickenbach. "Es herrschte überall Chaos", so der Bürgermeister. Der mangelnde Informationsfluss tue ihm leid, "aber wir wussten selbst nicht genau, wo der Strom wie lange weg war und bekamen keine Infos." Er bezeichnete die Ausnahmesituation als "Summe vieler unglücklicher Umstände". Das Vorgehen in Harpolingen und Rippolingen wolle man sich künftig zum Beispiel nehmen. "Aber wir hoffen natürlich, dass so eine Extremsituation nicht mehr vorkommt", so Zäpernick.

Energiedienst im Dauereinsatz

  • Ablauf: Der Sturm verursachte viele Störungen im Mittelspannungsnetz der Energiedienst AG (ED) in der Region. "Als der Sturm kam, gab es ständig neue Brennpunkte", sagt Pressesprecherin Anke Roggenkamp. Umgestürzte Bäume waren die Hauptursache für die Ausfälle. "Wir hatten wegen der vielen blockierten Wege Schwierigkeiten, zu den beschädigten Masten und Leitungen vorzudringen", erzählt sie.
  • Situation in der Region: In Rippolingen, Harpolingen und Teilen von Rickenbach ist der Strom gegen 10 Uhr am Mittwochvormittag ausgefallen. Die Bad Säckinger Ortsteile waren von da ab knapp 24 Stunden ohne Strom. In Rickenbach waren nicht alle Ortsteile gleichermaßen betroffen. Bürgermeister Dietmar Zäpernick sprach von rund 1,5 Stunden Stromausfall im Zentrum. In den Ortsteilen der Altgemeinde Willaringen sei der Strom wie in den Bad Säckinger Ortsteilen rund 24 Stunden ausgefallen, erzählen Anwohner.
  • Notfallplan: Die Netzleitstelle der ED ist 24 Stunden am Tag besetzt, außerdem gibt es Techniker und Ingenieure in Bereitschaft, erzählt Anke Roggenkamp. Wegen der Extremsituation habe man am Mittwoch Mitarbeiter aus dem Urlaub zurückgeholt. Neben 40 Technikern waren drei Kolonnen mit 15 Zusatzkräften im Einsatz. Bis Donnerstagabend stellte die ED nach eigenen Angaben beinahe alle Stromversorgungen wieder her. Lediglich in Breitnau, Schluchsee und Lenzkirch kam es noch zu Störungen. (vni)