Genauso wie in den allgemeinbildenden Schulen sollten jetzt auch in Bad Säckingens beruflichen Schulen Prüfungen stattfinden. Durch die Schulschließungen bis nach den Osterferien bereiten sich die Schüler nun von zu Hause vor. Über die Lernplattform moodle, mit Videokonferenzen und Telefonaten versuchen die Lehrer aller Schulformen, den Stoff aus der Ferne zu vermitteln. Viele Prüfungen finden zentral statt, also zeitgleich mit allen anderen Schulen. Eine besondere Herausforderung ist zurzeit die Betreuung schwächerer Schüler: „Verlierer sind die schwachen Schüler, die viel persönliche Anleitung und Unterstützung brauchen“, erklärt Erika Breiling, Leiterin der Rudolf-Eberle-Schule.

  • Gewerbeschule: In der Gewerbeschule unterrichten 45 Lehrkräfte rund 650 Schüler. Davon bereiten sich derzeit etwa 200 auf eine Prüfung vor, so Schulleiter Raphael Schopp. Das Angebot richtet sich an Auszubildende von Maurer über Friseur bis hin zum Industriemechaniker, die hier praxisbezogen ausgebildet werden. Gerade dieser Fokus auf die Praxis sei aktuell ein Vorteil, erklärt Schopp: „Bis auf die Friseure arbeiten unsere Schüler momentan noch Vollzeit in ihren Betrieben.“ Mit viel Einsatz würden die Lehrer bei der Prüfungsvorbereitung unterstützen. Nach den Osterferien sollen die Prüfungsthemen dann nochmals vertieft werden. Die Prüfungen beginnen hier erst im Mai, da an der Schule keine Abiturprüfungen stattfinden. „Ich bin den Kollegen sehr dankbar für ihr Engagement. Auch die Eltern und Betriebe unterstützen uns sehr“, freut sich Schopp. Die Schüler seien mehrheitlich sehr motiviert: „Sie sind ja teils freiwillig bei uns und wissen daher, worauf es ankommt.“ Schwächere Schüler unterstütze man durch regelmäßigen Kontakt und nicht zu große Lehreinheiten.
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  • Hauswirtschaftliche Schulen: An den Haushaltswirtschaftlichen Schulen werden etwa 350 Schüler von 46 Lehrkräften unterrichtet. Der Schwerpunkt liegt auf Gastronomie und Pflege. Von Berufsschule über Berufsqualifikationen bis zum Abitur mit sozialwissenschaftlichen Schwerpunkt werden hier sieben Schularten angeboten. Aktuell sollen sechs Schularten geprüft werden, 130 Schüler bereiten sich auf ihren Abschluss vor. „Auch unter normalen Umständen ist die Prüfungszeit eng durchgetaktet, von Ostern bis bis zum letzten Schultag Ende Juli“, erklärt Schulleiter Carsten Schnell. Die Wissensvermittlung laufe weiter, aber praktische Übungen in der Küche und für die Pflege seien nicht machbar. Das Technologiepraktikum finde nicht statt, Blockunterricht sei verschoben worden. „Ich weiß nicht, wo wir das alles hinschieben sollen“, sagt Schnell, auch im Hinblick auf die gesetzlichen Fristen. Gerade mit den zentralen Prüfungen gebe es viel Bürokratie. „Das System ist so nicht durchführbar. Wenn es nach Ostern nicht weitergeht, haben wir ein Riesenproblem“, so Schnell.
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  • Rudolf-Eberle-Schule: An der kaufmännisch ausgerichteten Rudolf-Eberle-Schule bereiten sich gerade 150 der rund 700 Schüler auf ihren Abschluss vor, so Schulleiterin Erika Breiling. Von Abitur über Berufsfachschule bis hin zum Berufskolleg finden auch hier viele verschiedene Prüfungen statt. Jedes Jahr seien die Prüfungen ein Mammutprojekt: Durch die unterschiedlichen Abschlüsse und die gesetzlich vorgeschriebene Fristen zwischen schriftlichen und mündlichen Prüfungen habe man auch unter normalen Umständen schon sehr lange Prüfungszeiträume, so Breiling. Jetzt wurden die Abiturprüfungen auf Mitte Mai verschoben – eine Terminänderung, die auch die anderen Prüfungen berührt. Die Rektorin hätte sich gewünscht, dass die Prüfungen regulär im jetzt leeren Schulgebäude stattgefunden hätten. „Wir hätten die Prüflinge über das Haus verteilt. Wenn alle Schüler nach Ostern wiederkommen, haben wir ein großes Problem: Da rollt etwas auf uns zu.“ Besonders besorgt ist die Rektorin um die Schüler, die zu Hause wenig unterstützt werden: „Wir sind teilweise auch Elternhausersatz. Wenn diese Schüler nun daheim sitzen, schaut keiner mehr darauf.“ Die Schüler würden den regelmäßigen Rhythmus verlieren und sich zunehmend schwerer selbst zum Lernen motivieren können. „Ich weiß nicht, ob wir diese Schüler wiedergewinnen.“
Maurice Rotzinger
Maurice Rotzinger | Bild: Maurice Rotzinger

„Mir ist eine feste Routine wichtig“

Maurice Rotzinger (20, Bad Säckingen) besucht die Rudolf-Eberle-Schule. Seit der Schulschließung bereitet er sich zu Hause auf sein Abitur mit Schwerpunkt Wirtschaft vor.

Herr Rotzinger, für welche Prüfungen lernen Sie gerade?

Aktuell bereite ich mich auf die schriftlichen Prüfungen in Wirtschaft, Mathe und Deutsch vor. Die Termine für die berufsbildenden Schulen stehen noch nicht fest, ich rechne aber mit Prüfungsterminen ab Mitte Mai.

Wie funktioniert die Betreuung durch die Lehrer?

Wir haben Arbeitsblätter bekommen und Arbeitsaufträge über die Lernplattform moodle. Über Videokonferenzen können wir uns austauschen. Die Lehrer bereiten uns gut vor, genauso wie im Unterricht auch. Der Eins-zu-eins-Unterricht fehlt natürlich, auch wenn die Lehrer immer für uns da sind, teilweise auch telefonisch.

Fällt es schwer, sich alleine zu motivieren?

Mir ist eine feste Routine wichtig. Ich versuche also, ähnlich wie in der Schule zu arbeiten und einen geregelten
Alltag zu haben. Mir fehl aber ein bisschen der Ausgleich. Den psychischen Druck habe ich schon unterschätzt: Ich dachte nur daran, mich konzentriert aufs Abitur vorzubereiten. Aber die Situation mit Corona bekommt man ja trotzdem mit.

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