Eine Auszeichnung solle als Ansporn zum Weitermachen verstanden werden, meinte Bürgermeister Alexander Guhl, als er am Samstag das zweite Faire Stadtfest nach 2015 eröffnete, in dessen Rahmen das AWO-Kinderhaus Rhein-Au sowie das Scheffel-Gymnasium als faire Einrichtungen ausgezeichnet wurden. Und da der Rathauschef seine Kaffee-Wette sicher nicht ungern verloren hatte, betätigte er sich mit Unterstützung der Stadtpfarrer Peter Berg und Winfried Oelschlegel als „fairer Barista“.

Die Bad Säckinger haben es geschafft, mit dem Konsum von 1223 Tassen fair gehandelten Kaffees die Zielmarke von 500 Tassen weit zu übertreffen. Und auch das Interesse am Stadtfest war groß, denn bei gutem Wetter schauten viele Gäste vorbei, um sich an den Ständen der 16 beteiligten Gruppen über den fairen Handel zu informieren und beköstigen zu lassen. Eigens aus der Partnergemeinde Glarus Nord angereist war der Landtagspräsident des Kantons Glarus und Vize-Gemeindepräsident Bruno Gallati mit Ehefrau Daniela. Glarus Nord trägt seit 2014 als erste Gemeinde der Schweiz den Titel der Fair-Trade-Town.

Zusammen mit den Gymnasiasten nahmen Schulleiter Bernd Rieckmann und Lehrerin Hedwig Kubina die Auszeichnung aus den Händen von Maria Gießmann (von links) entgegen.
Zusammen mit den Gymnasiasten nahmen Schulleiter Bernd Rieckmann und Lehrerin Hedwig Kubina die Auszeichnung aus den Händen von Maria Gießmann (von links) entgegen. | Bild: Michael Gottstein

Besonders freuten sich die Kinder des AWO-Kinderhauses, als Gundula Büker vom Entwicklungspädagogischen Informationszentrum Reutlingen die Urkunde und Plakette überreichte. Das Kinderhaus hatte die Reise eines T-Shirts vom Anbau der Baumwolle über die Verarbeitung bis zum Konsumenten verfolgt. „Dabei haben wir uns immer wieder die Frage gestellt, ob die Situation auch gerecht ist“, erklärte die Leiterin Corina Gerspach.

Maria Gießmann von der Stiftung Entwicklungszusammenarbeit in Stuttgart zeichnete das Scheffel-Gymnasium als 85. faire Schule im Land aus. Schulleiter Bernd Rieckmann dankte den Schülern und der Lehrerin Hedwig Kubina, die sich über zweieinhalb Jahre als treibende Kraft erwiesen hatte. Der Titel wird auf zwei Jahre verliehen, anschließend erfolgt eine Überprüfung. Eine positive Bilanz zog der mit vielerlei Funktionen betraute Umweltreferent Ralf Däubler: „Wir haben uns Schritt für Schritt Ziele gesetzt, um aus Bad Säckingen eine Fair-Trade-Town zu machen; erst die Einführung der fairen Stadtschokolade, dann die Auszeichnung für das Kinderhaus und die Schule.“ Vielleicht sei als nächstes das Jugendhaus an der Reihe.

Kunsthandwerk aus Afrika gab es bei S.T.E.P. Uganda zu kaufen.
Kunsthandwerk aus Afrika gab es bei S.T.E.P. Uganda zu kaufen. | Bild: Michael Gottstein

Zu den Gruppen, die sich auf dem Fest präsentierten, zählten das Unternehmen, das das „3-Freunde-T-Shirt“ produziert und vertreibt, die Gruppe Oikocredit, die Kleinunternehmen unterstützt, S.T.E.P. Uganda, die Z’Nüni-Frauen, das Weltlädeli Murg und viele mehr. Musikalische Akzente setzte die Gruppe „African United“, in der sich Flüchtlinge aus Gambia zusammengeschlossen hatten. Auf Einladung der Stadt und des Vereins „Faire Eine Welt“ zeigten Jutta Ulmer und Michael Wolfsteiner am Abend in der Mensa des Gymnasiums eine Diashow über die Weinproduktion in Chile und stellten das Familienunternehmen von Miguel Torres sowie die Genossenschaft „Sagrada Familia“ vor, der 23 Kleinwinzer angehören. Sie bietet den Menschen faire Preise, Bildungs- und Gesundheitsprogramme und vermittelt ihnen Selbstbewusstsein – und bei der Verkostung konnte man sich von der Weinqualität überzeugen.