Villingen-Schwenningen – „Wasser ist ein sehr emotionales Thema bei den Menschen“, da ist sich Ulrich Köngeter, Geschäftsführer der Stadtwerke (SVS), sicher. Gut in Erinnerung geblieben sind ihm die beiden Ereignisse in den vergangenen zwei Sommern, als coliforme Bakterien im VS-Trinkwassersystem nachgewiesen wurden. Bis heute wirken diese Vorfälle nach. Momentan gibt es zwar keine Belastung, doch noch immer läuft die Suche nach der Ursache der beiden letzten Fälle.

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Temperaturen: Köngeter schließt nicht aus, dass es aufgrund der Sommerhitze der vergangenen Tage bald wieder zu einer Belastung des Wassers kommen könnte. „Die Wärme komme jedoch mit ein bis zwei Wochen Verzögerung in der Tiefe an, so der Geschäftsführer. Gemessen wird in eineinhalb Meter Tiefe. Seit Januar sei die Temperatur des Wassers von acht auf aktuell 14 bis 15 Grad gestiegen. 2018 habe man im Sommer Werte von bis zu 20 Grad gemessen. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Temperatur bei der Entstehung von Bakterien keinen Einfluss habe, jedoch bei der Ausbreitung.

Kontrollen: Bislang konnte die SVS den Ursprung der Bakterien auf ein größeres Gebiet eingrenzen. Hochbehälter, Aufbereitungsanlagen und Quelltöpfe schließe man aus, so Martin Hauger, SVS-Sachgebietsleiter Netz Betrieb. Die Ursache sei vielmehr im Kanalnetz in den Hochzonen im Norden von Schwenningen zu suchen. Und genau dort wird nun intensiv gesucht.

Martin Hauger vermutet die Ursache in den Hochzonen im Norden von Schwenningen.
Martin Hauger vermutet die Ursache in den Hochzonen im Norden von Schwenningen. | Bild: Fröhlich, Jens

An 14 zusätzlich definierten Stellen werden seit Dezember 2018 über die gesetzlichen Vorschriften hinaus jeden Monat Proben entnommen. Auch bei der untersuchten Wassermenge hat man um den Faktor 20 aufgestockt, um die Trefferquote zu erhöhen. In den ersten Monaten wurden jeweils zwei Liter pro Messpunkt getestet. Im Juni kam sogar ein spezielles Verfahren zum Einsatz, bei dem 200 Liter pro Messpunkt untersucht werden.

Mohamed Zouitine, Leiter Netze bei der SVS, und Geschäftsführer Ulrich Köngeter zeigen den Spezialfilter, durch welchen 200 Liter Wasser gepumpt werden. Die Rückstände im Filter werden dann in einem Labor in Karlsruhe untersucht.
Mohamed Zouitine, Leiter Netze bei der SVS, und Geschäftsführer Ulrich Köngeter zeigen den Spezialfilter, durch welchen 200 Liter Wasser gepumpt werden. Die Rückstände im Filter werden dann in einem Labor in Karlsruhe untersucht. | Bild: Fröhlich, Jens

„Für noch detailliertere Ergebnisse, haben wir auch das Analyseinstitut gewechselt“, so Köngeter. Das lässt sich die SVS einiges kosten. Rund 1500 Euro schlagen für eine solche Detail-Analyse zu Buche, pro Messpunkt, jeden Monat. Dafür lassen sich kleinste Verunreinigungen frühzeitig erkennen. Ziel sei es, den Problembereich immer weiter einzugrenzen. Bislang waren alle Messergebnisse negativ. Die engen Kontrollen sollen über die Sommerferien hinweg beibehalten werden.

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Chlorung: Ein Problem bei der Suchaktion ist, dass Trinkwasser bei einer Keimbelastung schnell gechlort werden muss. Das gibt das Gesundheitsamt vor, mit welchem man in engem Kontakt stehe. Das Chlor tötet jedoch rasch alle Bakterien ab. Die Suche wäre somit schnell wieder beendet. In Falle einer erneuten Belastung mit coliformen Bakterien gilt es, möglichst schnell zu handeln. Die Chlorung von Trinkwasser ist nichts ungewöhnliches. Alle Verteilnetze in VS werden stets gechlort, um Probleme vorzubeugen. Auch das Bodenseewasser, welches hier ankommt, ist bereits gechlort, allerdings in einer sehr geringen Konzentration mit 15 Milligramm pro Liter. Bei einem Auftreten einer Keimbelastung wird lediglich die Konzentration erhöht.

Wasserversorgung: Das Wasserleitungsnetz der Stadtwerke hat eine Länge von insgesamt 470 Kilometern. Rund 120 Liter Wasser verbraucht jeder Einwohner im Schnitt pro Tag. Pro Jahr werden über das Leitungsnetz 4,5 Millionen Kubikmeter Trinkwasser verteilt.

Bild: Fröhlich, Jens

 

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