• Villingen-Schwenningen – Nach dem Auftreten coliformer Keime im August haben die Stadtwerke das Trinkwasser in Schwenningen gechlort – diese Chlorung wird jetzt in Absprache mit dem Gesundheitsamt und dem unabhängigen Technologiezentrum Wasser beendet. Jetzt gilt das ganze Augenmerk der Frage, wie die Keime in das Wasser gelangen konnten. SVS-Geschäftsführer Ulrich Köngeter dazu: „Sobald Chlor eingesetzt wird, werden die Keime im Wasser abgetötet. Unter Beibehalten der Chlorung bestünde keine Chance, der Ursache auf den Grund zu kommen und somit das betroffene Netzgebiet eingrenzen zu können.“ Aber auch ohne Chlorung könne das Trinkwasser bedenkenlos getrunken werden.
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  • Den Keimen auf der Spur: Bereits 2017 waren coliforme Keime im Trinkwasser aufgetaucht, damals musste das Wasser sogar abgekocht werden. Da beim neuerlichen Auftreten dieser Keime im August dieses Jahres sofort mit der Chlorung begonnen wurde, war das Abkochen nicht notwendig. Noch ist unklar, wie die Keime in das Wasser gelangt sind. „Als mögliche Ursache könnte eine Aufwirbelung von Sedimenten im Trinkwassernetz in Betracht gezogen werden“, erläutert Ulrich Köngeter. „Wir haben die begründete Vermutung, dass der Keim nicht von außen ins Netz eingetragen wird, sondern sich im Netz entwickelt.“ Zur Aufwirbelung kann es durch geänderte Betriebszustände im Versorgungsnetz wie etwa in den verbrauchsarmen Zeiten der Sommerferien oder bei Bränden, Rohrbrüchen oder sonstigen großen Wasserentnahmen kommen, so Pressesprecherin Susanna Kurz. "Dies habe zur Folge, dass sich die Fließrichtungen kurzfristig ändern, Sedimente so in Bewegung versetzen und diese aufgewirbelt werden."
     
  • Hohe Temperaturen: Könnten die warmen Temperaturen ein Grund für die Ausbreitung der coliformen Keime sein? Dazu sagt Susanna Kurz, Pressesprecherin der Stadtwerke: "Wir können diese Hypothese nicht verwerfen, verfolgen jedoch weitere Ansätze zur Ursachenforschung. Untersuchungen des unabhängigen Technologiezentrums Wasser haben gezeigt, dass hohe Temperaturen nicht zwangsläufig als Ursache zu sehen sind."
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  • Was passiert weiter: Es wird jetzt zwei bis drei Wochen dauern, bis das Chlor aus den weit verzweigten Leitungen verschwunden ist. Im Anschluss daran werde man in enger Kooperation mit dem TZW vermehrt Wasser zur Analyse entnehmen. „Ziel ist es, den Ursprung der Verkeimung zu lokalisieren“, so Köngeter. Dies könne aber Monate dauern. Der Umfang bzw. die Anzahl der Messungen, welche für die angestrebte Eingrenzung benötigt werden, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abschätzen, ergänzt Susanna Kurz. Die in der Trinkwasserverordnung vorgeschriebene Probeentnahme werde parallel weitergeführt. "Wir nehmen 100 Wasserproben pro Jahr im gesamten Versorgungsgebiet. Diese Anzahl wird von der Trinkwasserverordnung vorgeschrieben und richtet sich nach der verteilten Tagesmenge", so Kurz. Nach den Ereignissen im Sommer 2017 nehmen die Stadtwerke auf freiwilliger Basis 50 zusätzliche Proben pro Jahr. Das Trinkwasser kann während dieser Untersuchungsphase uneingeschränkt genutzt werden, so die Stadtwerke.
  • Was sind coliforme Keime: Coliforme Bakterien finden sich häufig in der Umwelt und haben keinen Bezug zu einer fäkalen Verunreinigung durch E-Coli-Bakterien, den Erregern von Darmerkrankungen. Coliforme Keime machen gesunde Menschen nicht krank, so die Stadtwerke. Sie finden sich beispielsweise in der Erde oder auf Blattpflanzen selbst. Die Bakterien sind natürlicher Bestandteil des sogenannten Biofilms, der sich in jedem Wassernetz bildet. Das Gesundheitsamt erklärt diese Bakterien so: "Die coliformen Bakterien sind keine Krankheitserreger, nur Indikatorkeime, die anzeigen, dass das Schutzschild des Versorgungssystems eine Lücke hat."
  • Das Leitungsnetz: Das Wasserleitungsnetz der Stadtwerke hat eine Länge von insgesamt 780 Kilometern, wobei sich diese Länge in 510 Kilometer Netz und 270 Kilometer Hausanschlüsse aufteilt.

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