Krisen und Konflikte verarbeitet jeder unterschiedlich. Die einen bewältigen diese selbst, andere bedürfen der Hilfe und Unterstützung, um Wege aus Streit und Spannungen zurück in ein gutes familiäres Miteinander zu finden oder um die mit Scheidung und Trennung einhergehenden Veränderungen zu bewältigen. Diese Hilfe erhalten Betroffene in der psychologischen Beratungsstelle für Ehe-, Familien- und Lebensfragen (EFL) in Villingen, und das seit 50 Jahren. Die Trägerschaft unter dem Dach der Erzdiözese Freiburg hat die katholische Seelsorgereinheit Villingen.

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1500 Beratungsgespräche

Dieses Jubiläum wurde am Freitagnachmittag im St. Georgs-Saal im Münsterzentrum gefeiert. Anlass, denjenigen Dank zu sagen, die die 1500 Beratungsgespräche jedes Jahr in Einzel,- Paar- und Gruppensitzungen führen. „Es freut uns sehr, und es ist uns auch wichtig, wie sehr die Beratungsstelle im gesellschaftlichen Leben unseres Landkreises und der Stadt verankert ist“, sagt Dekan Josef Fischer und begrüßte damit Landrat Sven Hinterseh und Oberbürgermeister Jürgen Roth.

Notwendigkeit zur Versöhnung

Fischer erinnerte an die Gründung der EFL 1969 und definierte die heutige, vielleicht entscheidende Kernaufgabe der Beratungsstelle, die immer wieder neugestaltete Notwendigkeit zur Versöhnung, in einer von Optimierung und von Glücksstress geprägten Zeit. Einen Vortrag über Versöhnungsprozesse in der Paartherapie gab es im Anschluss an die Festreden von Psychotherapeutin und Dozentin Friederike von Tiedemann.

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Ressourcenmangel

„Wir haben leider, wenn man sich die Zahlen anschaut, zu wenig Beratungsressourcen für Menschen in Akutsituationen und solche, die kurzfristig Rat und Hilfe benötigen“, sagt Hinterseh und zeigte sich dankbar für die Arbeit, die die EFL zusammen mit den Beratungsangeboten im Landkreis für die Bürgerinnen und Bürger leistet. „Wir kennen alle, das zeigt die Statistik, Betroffene in der Familie oder im Bekanntenkreis und da kann man nur dankbar sein, dass es Persönlichkeiten gibt, die helfend tätig sind“, sagt Hinterseh. Es sei eine erhebliche Aufgabe, sich den Problemen anderer zu stellen.

Landrat Sven Hinterseh und Oberbürgermeister Jürgen Roth (Bildmitte) würdigten bei der Feier zum 50jährigen Jubiläum die Arbeit von Emil Zajec (Zweiter von links) und seinem Team der psychologischen Beratungsstelle für Ehe-, Familien- und Lebensfragen in Villingen.
Landrat Sven Hinterseh und Oberbürgermeister Jürgen Roth (Bildmitte) würdigten bei der Feier zum 50jährigen Jubiläum die Arbeit von Emil Zajec (Zweiter von links) und seinem Team der psychologischen Beratungsstelle für Ehe-, Familien- und Lebensfragen in Villingen. | Bild: Roland Dürrhammer

„Unsere Zeit dreht und entwickelt sich so schnell wie noch nie und macht es den Menschen nicht leicht, Orientierung zu finden, um zu wissen, wo ihr Platz in der Gesellschaft ist“, sagt Roth. Die Ehe, die Familie, eine funktionierende Partnerschaft sei der sichere Hafen, aus dem man Kraft schöpfen könne und gäbe Halt und Verlässlichkeit. „Wenn das ins Straucheln gerät und die eigene Kraft nicht mehr ausreicht, um aus dieser Schieflage herauszukommen, dann steht man, dank der Beratungsstelle, nicht alleine da“, unterstreicht Roth die wichtige Aufgabe der EFL als Zuhörer, Berater, Versteher und Kümmerer. Eine Vielzahl von Menschen hätten in den 1473,5 Stunden Beratungszeiten auf den Weg der Liebe und Klarheit zurückzufinden können.

Pluspunkt im Oberzentrum

„Das zeichnet uns als Oberzentrum aus, nicht nur, dass man schön einkaufen kann oder einen sicheren Arbeitsplatz findet, sondern auch Angebote wie Ihres. Ich bedanke mich herzliche für die Arbeit, dies Sie und Ihre Vorgänger in den letzten 50 Jahren geleistet haben“, sagt Roth. Er freue sich, die EFL in der Stadt zu wissen.

Ehen und Geräte gehen schneller kaputt

Die Diözesanbeauftrage Bettina Zenner koordiniert in der Diözese 18 ELF. Sie stellte sich die Frage, was heutzutage noch 50 Jahre halte und wer in seinem Umfeld noch Paare kenne, die goldene Hochzeit feiern. Produkte, Geräte gingen immer schneller kaputt und die Ehen und Partnerschaften scheinen dem Trend zu folgen, nur einen bestimmten Lebensabschnitt zusammen zu bleiben. „Zwischen 1954 und 1964 wurden in Deutschland 50 000 Ehen geschieden, 2018 waren es 153 500“, sagte Zenner. Die Haltbarkeit von Ehen betrug in Baden-Württemberg 2017 zwischen drei und 16 Jahren. Der Beratungsbedarf steige.

Mager ausgestattet

„Aufgrund des großen Einzugsbereiches ist die Villinger EFL mit eineinhalb Vollzeitstellen vergleichsmäßig mager ausgestattet“, sagte Zenner. Eine Aufstockung sei keine Verschwendung, sondern sei eine sinnvolle Investition, warb sie um Unterstützung.

Wie in einer Beziehung Konflikte entstehen können, erläutern die Berater zum Beispiel mit dem Ansatz der Selektiven Wahrnehmung. | Bild: Fröhlich, Jens