Seit 50 Jahren gibt es die Psychologische Beratungsstelle für Ehe-, Familien- und Lebensfragen in Villingen. Sie steht als Einrichtung der Erzdiözese Freiburg unter der örtlichen Trägerschaft der Katholischen Gesamtkirchengemeinde Villingen. Die Büro- und Beratungsräume sind in der Kanzleigasse 30 beim Münsterzentrum angesiedelt. „Wir bieten psychologische Beratung von Menschen mit partnerschaftlichen, familiären und persönlichen Problemen, Krisen und Konflikten“, sagt Emil Zajec, Leiter der Beratungsstelle.

  • Mitarbeiter: Insgesamt fünf Mitarbeiter sind in der Beratungsstelle tätig. Neben Zajec sind das Claudia Hahn, die in Vollzeit als Beraterin tätig ist, eine Verwaltungsfachkraft sowie zwei weitere Beraterinnen auf Honorarbasis.
  • Beratung: „Wir führen rund 1500 psychologische Beratungsgespräche jedes Jahr“, erklärt Zajec. Rund 60 Prozent davon seien Einzelberatungen und 40 Prozent Paarberatungen. 60 Minuten nehmen sich die Mitarbeiter für Einzelgespräche Zeit, bei Paaren sind es 90 Minuten. „Die Menschen kommen aus allen möglichen gesellschaftlichen Bereichen“, so Claudia Hahn. Viele würden über das Internet auf das Angebot stoßen. Empfehlungen aus dem privaten Umfeld, von Ärzten und kirchlichen Diensten seien ebenfalls nicht selten. Einen geringen Anteil nehmen von Gerichten angeordnete Beratungen ein, um zum Beispiel zu aussergerichtlichen Einigungen zu gelangen.
  • Probleme: Die Gründe der Menschen für eine Beratung sind vielfältig. Häufig haben es Zajec und Hahn mit Beziehungsproblemen zu tun. Aber auch psychische und persönliche Probleme, der Verlust der Arbeit oder schwere Krankheiten können Menschen in Situationen bringen, aus welchen sie selbstständig keinen Ausweg mehr finden. „Körper und Geist stehen dann unter Stress“, so Zajec. Darauf würden viele mit Angriff oder Erstarren reagieren. „Energie geht verloren.“ In Beziehungen komme es nicht selten zu gegenseitigen Schuldzuweisungen. Probleme werden nicht angesprochen.
  • Methoden: Den Stress der Menschen abzubauen, das sei das erste Ziel, erklären die Berater. Erst danach könne man an den eigentlichen Ursachen und Problemen abreiten. „Wir nutzen zum Beispiel die Methode der Stressregulierung durch Achtsamkeit“, so Zajec. Durch Anleitung sowie in separaten Kursen wird dann versucht, Stress abzubauen, zum Beispiel mit der sogenannten Drei-Minuten-Übung. Unter Anleitung sollen Teilnehmer während der ersten Minute ihre Aufmerksamkeit und Gedanken darauf lenken, wo sie sich im Leben gerade befinden. Der Ton einer Klangschale läutet Minute zwei ein. Jetzt gilt es die die Atmung bewusst wahrzunehmen. Während der dritten Minute sollen Körper, Gefühle und andere Sinne bewusst wahrgenommen werden. „Diese einfache Übung kann bei regelmäßiger Anwendung nachweislich psychische Störungen reduzieren“, berichtet Hahn. Im weiteren Verlauf der Beratung werden Perspektiven erarbeitet. Bei Paaren wird parallel an die Kommunikation geschult. Dabei sind auch Achtsamkeit und Versöhnung wichtige Themen. In weiteren Schritten kann auch an tiefer liegenden, seelischen Wunden gearbeitet werden.
  • Finanzierung: 80 Prozent der Kosten werden von der Kirche getragen. Rund zehn Prozent steuern Stadt und Landkreis bei. Der Rest finanziert sich durch Einnahmen aus den Beratungsgesprächen. „Wir vereinbaren einen Betrag pro Sitzung, der rund einem Prozent des Nettoeinkommens entspricht“, erklärt der Leiter. Doch an den Kosten soll keine Beratung scheitern, fügt er hinzu.
  • Jubiläum: Gefeiert wird der Geburtstag mit einem Festakt im Münsterzentrum am Freitag, 19. Juli. Nach einer Begrüßung durch Dekan Josef Fischer werden Oberbürgermeister Jürgen Roth, Landrat Sven Hinterseh, Diözesanbeauftragte Bettina Zenner sowie Emil Zajec ein Grußwort an die geladenen Gäste richten. Im Anschluss ist ein Vortrag von Friederike von Tiedemann zum Thema Verzeihen und Versöhnen in Beziehungen geplant.