Blumberg – Der Stimme von Michael Jerg ist die Erleichterung anzuhören. Ab kommenden Montag, 15. Juni, starten der Chef der Musikschule Blumberg und seine 17 Lehrkräfte wieder mit dem Präsenzunterricht. „Wir sind alle froh, dass es jetzt wieder losgeht“, sagt der Musiker und denkt dabei vor allem an die rund 315 Kinder und Jugendlichen, die an der Musikschule ihrer Leidenschaft nachgehen.

Michael Jerg, Leiter der Musikschule Blumberg, bei einem Vorspiel zusammen mit einer Schülerin. Ob es in diesem Jahr noch zu öffentlichen Auftritten von Musikschülern kommen wird, kann im Augenblick niemand vorhersagen.
Michael Jerg, Leiter der Musikschule Blumberg, bei einem Vorspiel zusammen mit einer Schülerin. Ob es in diesem Jahr noch zu öffentlichen Auftritten von Musikschülern kommen wird, kann im Augenblick niemand vorhersagen. | Bild: Christiana Steger

In anderen Städten in Baden-Württemberg haben einige Musikschulen ihren Betrieb schon am 6. Juni wieder aufgenommen. Weshalb die Verspätung in Blumberg? Jerg klärt auf. Es hätten nur die Musikschulen im Land öffnen dürfen, die über eigene Räumlichkeiten verfügten. Und an denen fehlt es der Blumberger Musikschule, die auf Zimmer in der Victor-von-Scheffelschule zurückgreifen muss. Um die schulischen Abläufe nicht zu beeinträchtigen und das Infektionsrisiko so gering wie möglich zu halten, war die „die Nutzung schulischer Gebäude für nichtschulische Zwecke untersagt“. Klar auch: Es findet zunächst nur Einzelunterricht statt, die Mitglieder der Jugendkapelle und der verschiedenen Instrumenten-Ensembles können noch nicht gemeinsam proben.

Das könnte Sie auch interessieren

Gerade bei Blasinstrumenten ist die Gefahr sehr groß, sich womöglich anzustecken – weil das Coronavirus insbesondere durch Tröpfcheninfektion und durch Aerosole übertragen wird. Im Unterschied zum Musizieren auf Streich-, Zupf-, Tasten- oder Schlaginstrumenten besteht daher bei Blasinstrumenten aufgrund des Einsatzes von Atemluft ein vergleichsweise höheres Infektionsrisiko. Fragen der Sicherheit sind zwei aktuelle Studien der Universität der Bundeswehr München und der Berliner Charité nachgegangen. Wie hoch ist die Infektionsgefahr für Covid-19 bei verschiedenen Musikergruppen? Wie viel Abstand ist wirklich notwendig? Bei Bläsern gilt danach: Es sind mindestens 1,5 Meter (Bundeswehr-Uni) beziehungsweise zwei Meter (Charité) Abstand zur nächsten Person einzuhalten, wenn möglich sollte ein dünnes Tuch etwa 20 Zentimeter vor dem Schalltrichter angebracht sein, ein Plexiglas-Schutz wird bei Blechbläsern empfohlen, Kondenswasser sollte mit einem Tuch aufgefangen werden und die Instrumente sind gründlich zu reinigen.

Das könnte Sie auch interessieren

Spuckschutzwände aus Plexiglas werden auch in Blumberg zum Einsatz kommen, kündigt Jerg an: „Wir wollen unseren Schülern den höchstmöglichen Schutz bieten.“ Die Sicherheitsmaßnahmen kosten Geld und belasten damit den Etat der Musikschule, der sowieso mit Einnahmeausfälle zu kämpfen hat, weil den gesamten Mai über keine Kursgebühren erhoben worden sind. Apropos Geld: Jerg schickte sich selbst und einige seiner Kollegen den Mai über in Kurzarbeit. Darauf hatten die geringfügig Beschäftigten unter den Musiklehrern keinen Anspruch. „Wir haben da eine interne Lösung gefunden“, sagt Jerg, der diese Gruppe nicht ganz ohne Verdienst sehen wollte.

Und wie lief der Unterricht übers Internet, zum Beispiel über die Konferenzplattform Zoom? Der sei angeboten worden, berichtet Jerg, rund die Hälfte der Musikschüler hätten auch mitgemacht. Doch im Gespräch wird deutlich: Diese Art von Fernunterricht kann den Präsenzunterricht nicht ersetzen. Ansatz, Fingerhaltung oder Motorik sind online nur schwer zu kontrollieren, Töne und Rhythmen stimmen manchmal aufgrund eines Staus auf der Datenautobahn nicht mit den Bewegungen überein. Wie soll ein Musiklehrer da korrigierend eingreifen? „Man sieht einfach nicht alles“, sagt Jerg.

Das könnte Sie auch interessieren

Geöffnet werden ab kommenden Montag auch wieder der Musikgarten und die muskikalische Früherziehung, zwei Angebote für den jüngsten Musikernachwuchs. Bis zu zehn Kleinkinder samt Elternteil sind hier erlaubt. Mit öffentlichen Vorspielen und Schnupperkursen rechtet Jerg frühestens nach den Sommerferien, wenn überhaupt. Und auch mit der Abnahme von Musiker-Leistungsabzeichen werde es wohl in nächster Zeit nichts werden.

Anmeldungen für das neue Schuljahr bei Michael Jerg, Telefon 0 77 07/9165, E-Mail michael-jerg@gmx.de. Die Musikschule im Internet: www.musikschuleblumberg.de

75 Jahre Geschichte. 75 Jahre Erfahrung. 75 Jahre Journalismus. Sichern Sie sich jetzt für kurze Zeit ein ganzes Jahr zum Jubiläumspreis von 75 €.