Dass der Schwarzwald-Baar-Kreis zurzeit einen hohen Corona-Inzidenz-Wert hat, liegt nach Aussage des Landratsamts unter anderem an zwei Schwerpunkten im südlichen Kreisgebiet: einer Kindertagesstätte in Bräunlingen und einem mittelständischen Betrieb in Blumberg, dem Ventilwerk von Tenneco mit derzeit rund 700 Mitarbeitern.

Aktuelle Situation

  • „Aktuell (Stand 4. Mai) sind 30 Teammitglieder des Werks Blumberg mit dem Coronavirus infiziert. Seit Beginn der Pandemie im März 2020 wurde bei insgesamt 90 Teammitgliedern per positivem Test auf Corona eine Infektion festgestellt“, teilte Stefan Zech, Kommunikations-Manager der deutschen Tenneco-Zentrale mit Sitz Wiesbaden mit.
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  • Die Auftragslage sei momentan sehr positiv, aufgrund der aktuell durch Quarantäne und Krankheit zu verzeichnenden Abwesenheit seien Lieferengpässe sehr wahrscheinlich, erklärt Stefan Zech.

Hygiene-Konzept

  • „Gesundheit und Sicherheit der Mitarbeiter haben für Tenneco höchste Priorität“, betont Stefan Zech. Seit Beginn der Pandemie hätten sie ein striktes Hygiene-Konzept sowie umfangreiche Schutzmaßnahmen festgelegt und eine Corona-Task-Force mit Geschäftsleitung, Betriebsrat und Betriebsarzt. „Die Task Force tritt aktuell täglich zusammen, um schnellstmöglich auf mögliche Risiko- oder Gefahrensituationen reagieren zu können.“
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  • Vorgaben: Zu den im Werk Blumberg umgesetzten Maßnahmen gehören nach Angaben von Stefan Zech das Anwenden der AHA-Regeln, die permanente Tragepflicht eines Mund/Nasen-Schutzes auf dem gesamten Werksgelände, Desinfektions- und Reinigungspläne, Luftfilteranlagen in Räumen und Büros,
    getrennte Laufwege, versetzte Pausen mit mehr Sitzgelegenheiten (Bierbänke) zur Kontaktreduzierung sowie eine komplette Trennung des Schichtbetriebes in autarke Schichten, ein zeitlich und räumlich versetztes Arbeiten und wo möglich auch Home-Office. Dazu kommen eine maximale Einschränkung bei Fremdfirmeneinsatz und Besuchen (intern und extern) sowie kostenlose Tests aller Mitarbeiter (mindestens ein- bis dreimal wöchentlich) über einen Schnelltest durch einen Arzt.
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  • Empfehlungen: Die Schutz-Vorkehrungen im Werk sind umfangreich. Erhält die Belegschaft situationsbedingt darüber hinaus von der Geschäftsleitung auch noch Empfehlungen für den privaten Bereich? Die Antwort von Stefan Zech ist klar: „Grundsätzlich gilt, dass sich das Werk als Arbeitgeber nicht in die private Lebensführung einmischt. Gleichwohl informieren wir unsere Teammitglieder im Rahmen unserer Kommunikationsaktivitäten regelmäßig über hygienegerechtes Verhalten, um das Infektionsrisiko zu minimieren. Zudem bitten wir unsere Belegschaft, auch im privaten Umfeld die erforderlichen AHA-Regeln einzuhalten, um sich, Ihre Familien, Freunde und Bekannte aber auch die Kolleginnen und Kollegen im Werk bestmöglich zu schützen.

So handelt das Landratsamt

  • Vom Landratsamt im Schwarzwald-Baar-Kreis war auf Anfrage zu erfahren, es handle sich um eine bereichsübergreifende Abteilung mit Querverbindungen zu privaten,familiär miteinander verknüpften Strukturen. Das Gesundheitsamt habe mit der Firma klare Testprogramme unter Einbeziehung einer Schwerpunktpraxis und des Betriebsarztes vorgenommen und empfehle, in den betroffenen Abteilungen möglichst tägliche Tests mitunter auch in Kombinationen von betrieblichen Testungen und Selbsttestungen.

Bürgermeister besorgt über den Anstieg der Corona-Zahlen während des Ramadans

Für Blumberg wurden am Mittwoch bisher 501 bestätigte Corona-Fälle gemeldet, fast fünf Prozent der rund 10.200 Einwohner. 428 Infizierte sind genesen.

  • Bürgermeister Markus Keller erklärt: „Ich beobachte mit Sorge, dass seit Beginn des Ramadans die Infektionszahlen in Blumberg sprunghaft gestiegen sind.“ In den 22 Tagen seit Beginn des Ramadans am 13. April stieg die Zahl der vom Gesundheitsamt im Schwarzwald-Baar-Kreis bestätigten Corona-Fälle in Blumberg um 145 von 356 auf nun 501. In den 22 Tagen davor stieg die Zahl um 50 von 306 auf 356. Da die Stadt für das Einleiten und Beenden der Quarantäne zuständig ist, erhält der Bürgermeister von sämtlichen bestätigten Fällen die Namen und kann die Entwicklung einordnen.
  • Fastenbrechen: Eine Schwierigkeit sieht der Bürgermeister: Das Fastenbrechen berge die Gefahr, dass der eine oder andere dabei die Kontaktbeschränkungen nicht ausreichend einhalte. Keller weist darauf hin, dass das Fastenbrechen im privaten Kreis keine religiöse Veranstaltung sei. Da gelte bei einem Inzidenzwert über 100 die Vorschrift, dass sich ein Haushalt mit maximal einer anderen Person über 14 Jahre treffen dürfe. Keller hat nach eigenen Angaben eine großen Respekt vor der Religionsfreiheit und erklärte, die Christen hätten an Ostern, ihrem höchsten Fest, reihenweise Gottesdienste abgesagt.
  • Thema im Gemeindetag: Das Fastenbrechen während des Ramadans war auch Thema im baden-württembergischen Gemeindetag, sagte Bürgermeister Markus Keller. Das Stuttgarter Sozialministerium informierte am 30. April, das Fastenbrechen im privaten Bereich sei keine religiöse Veranstaltung, das gemeinsame rituelle Gebet im Anschluss daran mit einer islamischen Gemeinschaft als Veranstalterin dagegen schon. Die aktuellen Regelungen finden sich unter: https://www.baden-wuerttemberg.de/de/service/aktuelle-infos-zu-corona/aktuelle-corona-verordnung-des-landes-baden-wuerttemberg/“
  • Sami Bastuglu, Vorsitzender des Türkisch-Islamischen Kulturvereins mit der Moschee beim Blumberger Sportzentrum, machte auf Anfrage deutlich, sie hätten eine Hygiene-Konzept und würden es einhalten. In den Gebetsraum der Mosche dürften maximal zehn Personen, alle hätten zueinander mehr als 1,50 Meter Abstand. Bis heute sei kein Corona-Fall in der Moschee aufgetreten. Der Verein habe in Blumberg und den Ortsteilen insgesamt 110 Mitglieder, wobei auch eine Familie als ein Mitglied zähle, egal wie viele Personen sie umfasse.
  • Hygiene-Konzepte: Hauptamtsleiterin Nicole Schautzgy teilte mit, um Gottesdienste halten zu können, mussten auch alle christlichen Vereinigungen entsprechende Hygienekonzepte vorlegen. Dies hätten auch alle getan. Und auch die Kirchengemeinden mussten zur Kontaktnachverfolgung für jeden Gottesdienst eine Anwesenheitsliste mit Namen und Telefon erstellen und aufbewahren. (blu)