Pendler müssen sich für Donnerstag erneut etwas einfallen lassen, denn die Mitarbeiter der Stadtwerke Konstanz streiken zum zweiten Mal. Nachdem die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft Verdi bereits am 29. September zum Warnstreik aufgerufen hatte, steht knapp zwei Wochen später am 15. Oktober der öffentliche Nahverkehr in der Konzilstadt noch einmal für einen Tag still.

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Das kündigt die Gewerkschaft Verdi in einer Pressemitteilung an, der SÜDKURIER berichtete. Davon betroffen ist zum einen der rote Arnold im gesamten Stadtgebiet, zum anderen auch der Fährbetrieb zwischen Konstanz und Meersburg.

Sechsstelliger Verlust

Bei den Konstanzer Stadtwerken gehen die Verantwortlichen davon aus, dass zahlreiche Mitarbeiter des Busbetriebs (ab 3.45 Uhr) und im Fährverkehr (ab 4.50 Uhr) ihre Arbeit niederlegen. Enden soll der Ausstand jeweils 24 Stunden später. „In dieser Zeit fahren keine Busse des Unternehmens im Liniennetz der Stadtwerke und keine Fähren“, heißt es in einer Mitteilung an die Presse.

Beim Streik Ende September waren laut Josef Siebler, Pressesprecher der Stadtwerke, etwa 60 Mitarbeiter im Ausstand gewesen. Die beiden Streiktage dürften das Unternehmen zusammen 130.000 bis 160.000 Euro kosten, gab Stadtwerke-Chef Norbert Reuter gegenüber dem SÜDKURIER an.

Wieso streikt Verdi?

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi begründet den Streik mit den gescheiterten Tarifverhandlungen mit dem kommunalen Arbeitgeberverband (KAV) vom 16. September und vom vergangenen Freitag. Gewerkschaftssekretärin Gabriele Fieback sagte dem SÜDKURIER: „Wir fordern Entlastung. Die Anforderungen an die Mitarbeiter im Bereich Verkehr haben sich in den letzten Jahren wahnsinnig verändert.“ Als Beispiele nannte sie die Arbeitszeiten, Verdichtungen der Schichtdienste und die gestiegenen Anforderungen im Straßenverkehr, vor allem in den immer engeren Stadtgebieten.

Bereits vor knapp zwei Wochen streikten Schiffsführer und Busfahrer.
Bereits vor knapp zwei Wochen streikten Schiffsführer und Busfahrer. | Bild: Oliver Hanser

Viele Mitarbeiter im öffentlichen Dienst hätten dadurch sogar mittlerweile gesundheitliche Probleme. Deshalb sei Entlastung für die Mitarbeiter das wichtigste Ziel. Dafür habe man verschiedene Vorschläge, wie beispielsweise mehr freie Tage und Arbeitszeitverkürzungen, gemacht. Doch man sei vom Arbeitgeberverband nicht zufriedenstellend behandelt worden, so Fieback. Die Forderung seien sogar drastisch abgeschmettert worden.

Am vergangenen Freitag hatte der Kommunale Arbeitgeberverband (KAV) ein Angebot von Verdi abgelehnt, die Warnstreiks gegen eine Einmalzahlung zu pausieren. Andreas Schackert, Verdi-Verhandlungsführer, sagte: „Wir wollen den öffentlichen Nahverkehr stärken, für die Beschäftigten und für die Fahrgäste. Wir streiken gegen den KAV und nicht gegen die Bevölkerung.“

Streiken während der Krise

Doch warum streikt Verdi jetzt, in Zeiten der Pandemie? Viele Unternehmen und Kommunen stehen wirtschaftlich schlecht da, Menschen bangen um ihre Arbeitsplätze, und ein Ende der Corona-Krise ist nicht in Sicht. Gabriele Fieback sagte dazu auf SÜDKURIER-Nachfrage: „Eigentlich sollten die Tarifverhandlungen im März beginnen. Doch dann kam Corona, und wir mussten erstmal die Füße stillhalten.“

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Doch nun, ein halbes Jahr später, wisse man immer noch nicht, wie lange die Pandemie dauere. Das habe auch große Auswirkungen auf den öffentlichen Dienst – und zwar jahrelang. Deswegen nicht zu handeln, wäre aus ihrer Sicht falsch. Man müsse in die Auseinandersetzung gehen, so Fieback.

Sollte der KAV zur vierten Verhandlungsrunde am 3. November kein verhandlungsfähiges Angebot mitbringen, werde Verdi die Urabstimmung einleiten, teilte die Dienstleistungsgewerkschaft mit. Für diesen Fall könnten auch weitere Streiks im Fahrdienst ab November nicht ausgeschlossen werden.

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