Lena Gundelfinger, die als Vertreterin von Fridays for Future auf dem Podium sitzt, formuliert es knapp: „Was wir weiter machen? Wir haben gesagt, wir streiken, bis ihr handelt. Ihr handelt nicht, also streiken wir weiter.“

Dass die Stadt Konstanz und der Gemeinderat nicht handeln, das wollen vor allem die wenigen Stadträte, die zur Pressekonferenz der Klimaaktivisten gekommen sind, nicht auf sich sitzen lassen. Jürgen Ruff (SPD) verteidigt die Strategie des Rates: „Wir haben beschlossen, ein Handlungskonzept zu entwickeln, das Konstanz schnellstmöglich klimapositiv macht und orientieren uns an 2030. Wir bleiben nicht stehen“, sagt er.

Klimaaktivisten sehen die Lage ganz anders

Genau das aber befürchten die Aktivisten. Dass der Gemeinderat kein genaues Ziel nennen will, bis wann die Stadt Konstanz es schafft, nicht mehr CO2 zu verbrauchen als sie selbst erzeugen kann, kommt für sie einem Scheitern gleich. Sie argumentieren mit der Brisanz des fortschreitenden Klimawandels und mit altbekannten menschlichen Eigenschaften. „Man muss sich einen ambitionierten Pfad verbindlich setzen“, sagt Manuel Oestringer von FFF, „schneller wird man in der Regel nicht“.

Bild: Wagner, Claudia

Oestringer betont, dass die Erde keine Zeit zu verlieren habe, mit Fakten aus der Klimaforschung: Kipp-Punkte, die die Klimaerwärmung beschleunigen werden, die Aussicht, dass die Menschheit noch in diesem Jahrhundert um ihre Existenz kämpfen werde. Die klare Erwartung: „Dass wir alles tun, was wir können, um die Erde zu retten.“

Sie würden als Fridays-Aktivisten oft gemahnt, dem Aktivismus nicht das Wort zu reden, sagt Oestringer noch. Bei der Corona-Pandemie aber sei entschlossenes Handeln das Gebot der Stunde gewesen. Warum nicht beim Klimaschutz?

Zwei Räte verteidigen sich

Susanne Heiß (FW) und Jürgen Ruff (SPD), die als einzige Räte bei der Pressekonferenz anwesend sind, verteidigen den Beschluss – auch im Hinblick auf die Grenzen des städtischen Haushalts. Heiß sagt, dass vieles von den zur Verfügung stehenden Mitteln abhänge.

Von Fördermitteln und mutigeren Städten

Das akzeptieren die Aktivisten nicht. Es gebe Fördermittel, die bereit stünden und bundes- sowie EU-weit verteilt würden, sagt Frank Best, Professsor an der HTWG und FFF-Unterstützer. Und es gebe Städte, Tübingen und Heidelberg etwa, die sich das Ziel 2030 setzten: sie gingen als ehrgeizige Beispielgeber voran.

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Das sagt Luigi Pantisano

Auch OB-Kandidat Luigi Pantisano meldet sich zu Wort – per Pressemitteilung. Er habe einen konkreten Plan, wie Konstanz bis 2030 klimapositiv werde. Wäre er zu diesem Zeitpunkt Oberbürgermeister – er hätte den Antrag unterstützt.

Wie es weiter geht? „Wir streiken weiter, bis ihr handelt“, sagt Lena Gundelfinger dazu nur. Maßnahmen und eine Strategie ohne Zeitbezug reichen den Aktivisten einfach nicht.