Mit dem Konstanzer Kultursommer, veranstaltet von fünf Kultureinrichtungen, startete bereits das erste Freiluft-Festival unter Corona-Bedingungen. Ab dem 1. August legen Bonanza-Events, die Blechnerei und J&C Veranstaltungstechnik mit der Konstanzer Sommerwiese im Bodenseestadion nach. Den Auftakt macht die Südwestdeutsche Philharmonie mit gleich zwei Konzerten am ersten Wochenende.

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„Ursprünglich wollten wir ja ein Autokino veranstalten. Doch aufgrund des Widerstands der Stadt und des Gemeinderats haben wir das Projekt beerdigt“, erinnert sich J&C-Geschäftsführer Christian Widmann. Aufgeben kam für ihn aber nicht in Frage. Gemeinsam mit Kay Brüggemann, Geschäftsführer von Bonanza-Events, und Blechnerei-Geschäftsführer Jürgen Nägele suchte er nach anderen Möglichkeiten.

Christian Widmann, Geschäftsführer von J&C Veranstaltungstechnik
Christian Widmann, Geschäftsführer von J&C Veranstaltungstechnik | Bild: Scherrer, Aurelia

Inspiriert wurden die drei vom Central Park in New York, wo Kreise auf der Wiese die Aufenthaltsmöglichkeiten unter Corona-Bedingungen markierten. „Das könnte man auf Veranstaltungen in Konstanz übertragen“, befand Kay Brüggemann, zumal das Bodenseestadion die idealen Rahmenbedingungen hierzu böte.

In den USA gibt es sie bereits: die Kreidekreise in öffentlichen Parks. Dieses Bild entstand im Washington Square Park in San Francisco im Mai 2020.
In den USA gibt es sie bereits: die Kreidekreise in öffentlichen Parks. Dieses Bild entstand im Washington Square Park in San Francisco im Mai 2020. | Bild: Josh Edelson/AFP

Eine 120 Quadratmeter große Bühne mit Überdachung und auf dem halben Fußballfeld werden Kreise mit einem Durchmesser von 3,20 Metern für jeweils vier Personen eingezeichnet, skizziert Jürgen Nägele das Konzept.

Sollten sich größere Personengruppen anmelden, könnten die Kreise miteinander verbunden werden. Sonst gibt es genügend Abstand zwischen den Kreisen, sodass alle gesetzlichen Vorgaben – inklusive der aktuell noch gültigen Besucherbeschränkung von maximal 499 Personen – eingehalten werden könnten.

„Die Genehmigung liegt uns bereits vor“

Je nach Art der Veranstaltung würden die Kreise mit Beach-Stühlen, Biertischgarnituren oder Picknick-Decken oder einer Mischung aus allen Varianten ausgestattet. Das Konzept überzeugte. „Die Genehmigung liegt uns bereits vor“, so Kay Brüggemann.

Kay Brüggemann, Geschäftsführer von Bonanza-Events
Kay Brüggemann, Geschäftsführer von Bonanza-Events | Bild: Scherrer, Aurelia

Schwieriger gestaltet sich das Engagement von Künstlern. „Normalerweise plant man eine solche Veranstaltung mindestens ein halbes Jahr im Voraus“, erläutert Christian Widmann. „Die Vorplanungen laufen bei uns aber erst seit drei Wochen.“ Was ihn allerdings in Zeiten, in denen es kaum Veranstaltungen gibt und die Künstler wenig zu tun haben, sehr erstaunt: „Viele scheinen kein großes Interesse daran zu haben, aufzutreten.“

Trotzdem sind die drei Engagierten optimistisch. „Wir bringen das Programm gefüllt, aber es ist sehr zäh“, sagt Kay Brüggemann. Umso glücklicher sind sie über die Zusage der Südwestdeutschen Philharmonie, die gleich mit zwei Konzerten das Auftakt-Wochenende am 1. und 2. August jeweils um 20 Uhr gestaltet. „Das gibt uns einen gewissen Puffer, das Programm weiter festzuzurren und die Lücken kurzfristig zu füllen“, so Widmann.

Philharmonie-Intendantin Insa Pijanka nahm das Angebot sehr gerne an. Aktuell kann die Philharmonie lediglich in kleinen Besetzungen auftreten. Doch das Bodenseestadion mit der großen Bühne eröffnet neue Chancen und Möglichkeiten, sodass das Orchester aus dem Vollen schöpfen kann.

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Mit einer Operngala mitsamt Solisten wird das Orchester am ersten Abend vorstellig, während der zweite Abend unter dem Motto „Sommerserenade“ von und mit Chefdirigent Ari Rasilainen ebenfalls gute Unterhaltung verspricht.

Gibt es ein Weinfest im Bodenseestadion?

Zugesagt habe auch schon Sängerin Betina Ignacio. Gespräche mit lokalen und regionalen Musikvereinen würden ebenfalls geführt, da die Veranstalter eine Art Weinfest im Stadion planen. Insgesamt wollen sie ein bunt gemischtes Programm zusammenstellen, das alle Altersklassen und die unterschiedlichen Geschmacksrichtungen anspreche.

Derzeit seien sie auch mit national und international bekannten Künstlern in Verhandlungen, denn „wir wollen einen Aufhänger haben“, so Jürgen Nägele. Einen Namen wollen sie noch nicht nennen, da die Verträge noch nicht geschlossen seien.

Blechnerei-Geschäftsführer Jürgen Nägele
Blechnerei-Geschäftsführer Jürgen Nägele | Bild: Scherrer, Aurelia

Von klassischen Konzerten, Blasmusik, HipHop und Electro bis hin zu Open-Air-Kino solle das Programm reichen. Auch Firmen-Events seien denkbar, sagen die Organisatoren, die sich über Anfragen – gerade auch von Künstlern – freuen würden. „Vieles ist noch im Fluss“, so Nägele. „Wir sehen uns als eine offene Plattform. Wer sagt, er habe was Tolles, soll sich melden.“

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Christian Widmann, Kay Brüggemann und Jürgen Nägele schätzen, dass sie für die Konstanzer Sommerwiese ein Budget in Höhe von etwa 200.000 Euro benötigen werden. Je nach Anzahl an namhaften Künstlern und den damit verbundenen höheren Gagen könne die Summe schwanken. Dass diese Kosten nicht mit Eintrittsgeldern erwirtschaftet werden können, ist den Veranstaltern klar. Auch sie haben einen Antrag auf Kulturförderung beim Land Baden-Württemberg gestellt und hoffen auf die Bewilligung von 25.000 Euro.