Die Weihnachtsgottesdienste sind in diesem Jahr vielerorts ein Mix aus Veranstaltungen unter freiem Himmel und in der Kirche, mal aufgezeichnet und mal live gesendet. So ähnlich hält es auch die evangelische Kirchengemeinde in Wollmatingen. Und da die Krippenspiele üblicherweise zu den beliebtesten Gottesdiensten zählen, aber weder ausfallen noch vor kleinem Publikum stattfinden sollten, wurde einfach ein Video davon produziert. Am Nachmittag des Heiligabend feiert das Video Premiere, anschließend ist es zum Nachschauen verfügbar. 

„Wir waren zuerst unsicher, ob wir das machen können oder nicht“, sagt Marcel Steinbach. „Eine Herausforderung war, dies mit weniger Kindern zu machen als sonst, ganz Corona-konform“, erläutert der musikpädagogische Mitarbeiter. Die sechsjährigen Kinder Lois und Max schlüpften dafür in die Rolle von Maria und Josef.

„Mir hat gefallen, dass ich einfach nur das Baby anschauen darf – und die Maria“

„Ich habe mir diese Rolle gewünscht, weil ich die anderen ein bisschen kurz finde. Und das Kuscheln ist schön“, erzählt Lois, die nicht zum ersten Mal bei einem Krippenspiel dabei war. „Wir mussten nur Bewegungen machen. Ich fand witzig, dass ich zwei Hörner am Kopf zeigen musste“, schildert sie die Dreharbeiten.

Pfarrer Karsten Beekmann (links) ist sehr stolz auf sein engagiertes und professionell arbeitendes Team.
Pfarrer Karsten Beekmann (links) ist sehr stolz auf sein engagiertes und professionell arbeitendes Team. | Bild: Nikolaj Schutzbach

Ihr Freund Max erzählt, wie er zu der Rolle kam: „Eine Bekannte fuhr mit dem Fahrrad vorbei. Sie hat gesagt, wir suchen einen Josef. Lois hat gesagt, ich soll es machen“. Auf zwei Fragen gibt es von Max knappe, aber präzise Antworten.

  • Hast du schon einmal bei einem Krippenspiel mitgemacht? „Nö!“
  • Und hat es Spaß gemacht? „Ja!“

Und dann wird er doch noch ein wenig redseliger: „Mir hat gefallen, dass ich einfach nur das Baby anschauen darf – und die Maria. Und als alle zu uns gekommen sind, das war auch cool.“

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Ein Krippenspiel ist für Marcel Steinbach, der bereits in der Hannoverschen Landeskirche zweieinhalb Jahre lang als Diakon gearbeitet hat, nichts Neues – als Film aber schon. „Pfarrer Karsten Beekmann hat das Stück geschrieben. Ich habe eher nur die Proben geleitet“, erläutert er. Dass die Dreharbeiten statt in der Kirche im Wollmatinger Ried stattfanden, hatte für ihn einen besonderen Reiz, vor allem weil „die Technik die Bilder gut einfangen kann“.

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. | Bild: Nikolaj Schutzbach

Die beiden 13-Jährigen Leni Ten Cate und Leni Luft waren als Betreuerinnen dabei. Die Arbeit in der Kirchengemeinde ist ihnen nicht fremd, denn beide waren schon mehrere Jahre lang in der Jungschargruppe. „Wir haben die Kinder eingekleidet und in den Drehpausen mit Ballspielen oder Fangen beschäftigt“, erzählt Leni Luft. „Es war echt witzig“, ergänzt Leni Ten Cate. „Die Kinder waren generell sehr lustig drauf, auch wenn sie am Anfang noch nicht so motiviert waren.“

Krippenspiel als Video statt Kirche

An Heiligabend ist der Ablauf sonst bei den Familien der beiden Mädchen sehr ähnlich. Zuerst besuchen sie den Familiengottesdienst mit dem Krippenspiel, und dann wird gegessen. „Ich kann mir vorstellen, dass wir uns diesmal den Film gemeinsam anschauen anstatt in die Kirche zu gehen“, erzählt Leni Luft. Und auch bei ihrer Namensvetterin steht er nach dem Essen wahrscheinlich auf dem Programm.

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Jonathan Matheus war eigentlich als zweiter Kameramann eingeteilt, „aber dann als Regie unterwegs“, wie er berichtet. Bei den Aufnahmen im Freien musste er sich auch nach dem Stand der Sonne richten. „Daher mussten wir die Reihenfolge der Aufnahmen ändern. Ich habe den genauen Drehort ausgesucht und darauf geachtet, dass keine Szene vergessen oder doppelt gedreht wird“, beschreibt er seine Aufgaben.

Im Hinterkopf behalten musste er immer, dass die pantomimischen Aufnahmen später mit einem gesprochenen Text versehen werden. „Ich habe auch darauf geachtet, dass die Darsteller nicht zu schnell spielen. Und ich habe ihre Bewegungen dirigiert, wenn sie nicht gesprochen haben“, ergänzt Matheus.

„Das hat enorme Freiheit bei der Kreativität geschaffen“

Die Geschichte mit getrennt aufgenommenem Ton und Bild zu erzählen, das macht für Julian Reith einen ganz besonderen Reiz aus. Er führte die Kamera und mischte später den Ton hinzu. „Das hat enorme Freiheit bei der Kreativität geschaffen. Geräusche haben wir keine drin, aber Musik. Und sonst nur noch die Stimme von Lois, die den Erzähltext eingesprochen hat“, erläutert er.

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Oliver Riegger war mit für den guten Ton verantwortlich. „Wenn man sich beim Gottesdienst live verspricht, dann ist das halt so. Hier konnten wir das Beste für einen guten Ton herausholen und Satz für Satz einsprechen: Das brauchte natürlich mehr Zeit, aber das konnten wir uns auch erlauben.“