Konstanz, Lago. Samstagmorgen, kurz vor neun Uhr. Vor dem Aldi im Untergeschoss stehen mehrere Dutzend Menschen und warten, dass ihnen Einlass gewährt wird in den Discounter.

Egal, wen man fragt: Sie alle möchten einen Corona-Selbsttest kaufen. Eine Frau erzählt, dass sie kommende Woche ihre Eltern besuchen möchte: „Die sind über 80, noch nicht geimpft und ich habe sie seit Ewigkeiten nicht gesehen.“ Als sie hinein darf, und mit ihr rund 40 weitere Personen, beginnt die Suche nach den begehrten Tests – und das (un)geregelte Chaos.

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Lina Binder von der Aldi-Pressestell schreibt auf SÜDKURIER-Nachfrage: „Dass Aldi ab Samstag Selbsttests anbietet, hat in Deutschland für äußerst hohes mediales Interesse gesorgt. Wir sind stolz darauf, als erste Händler Corona-Selbsttests anbieten zu können, gleichzeitig hat uns das Interesse in dieser Intensität doch überrascht.“ Auch wenn das Unternehmen im Vorfeld immer betont habe, dass der Artikel schnell ausverkauft sein könnten, „bitten wir alle Kunden um Verständnis, die am heutigen Samstag leer ausgegangen sei sollten. Die gute Nachricht ist aber, dass bereits weitere Ware unterwegs ist und schon in der kommenden Woche Nachschub kommen wird“. Wann das sein soll, hat die Pressestelle nicht geschrieben.

Bild: Schuler, Andreas

Geschiebe und Gedränge an den Kassen

Die Menschen drängeln sich im Aldi im Konstanzer Lago in den Laden und schieben sich gegenseitig an die Kassen. Böse Worte werden in der Schlange an der Kasse gewechselt, wo die Tests verkauft werden sollen. Von Abständen keine Spur. Noch ist keine Kasse offen. Es dauert rund fünf Minuten, bis dies der Fall ist. Die Menschen werden auf zwei Kassen verteilt.

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Plötzlich heißt es: „Es gibt nur fünf Schnelltests hier.“ Unruhe und Aufregung in der Schlange. Schnell wird klar, wer in den Genuss kommt und wer nicht. Es wird noch mehr gedrängelt. Hygieneabstand? Nie gehört. Eine Kassiererin mahnt, doch bitte Abstand zu halten – zu spät.

Über die zu beobachtenden Zustände in den Filialen, als Hygiene-Vorgaben von Kunden nicht eingehalten wurden, schreibt die Pressestelle: „Wir hatten zum Verkaufsstart im ganzen Gebiet von Aldi Süd im Durchschnitt zwar ein erwartungsgemäß etwas erhöhtes Kundenaufkommen insgesamt, jedoch alles in einem normalen Rahmen. Wenn es vor einzelnen Filialen Schlangen gab, so haben diese sich schnell wieder aufgelöst. Unsere Regionen berichten, dass die Kunden sich generell verständnisvoll zeigten und sich an die geltenden Hygiene- und Corona-Schutzmaßnahmen halten“.

Bild: Schuler, Andreas

Alles ausverkauft

Die Frau, die nächste Woche ihre Eltern besuchen möchte, war die Siebte in ihrer Schlange und ging leer aus. „Warum macht Aldi überhaupt Werbung, wenn ihr nur zehn Schnelltests verkauft?“, fragt ein frustrierter Kunde. Gute Frage.

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Die Frau war zuvor um 8.15 Uhr beim Aldi im Oberlohn, dort öffnen die Pforten um acht Uhr. „Da war alles tiefenentspannt“, berichtet sie. „Ich hatte mich schon gewundert, dachte, dass der Bedarf offenbar doch nicht so groß ist. Dann habe ich eine Aldi-Mitarbeiterin gefragt, ob noch Schnelltests da sind.“ Die habe tief geseufzt und erklärt, dass die Leute schon um 7.45 Uhr Schlange gestanden hätten bis zum Baumarkt. Also, alles ausverkauft.

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Ortswechsel. Allensbach. Auch in der recht jungen Aldi-Filiale im Industriegebiet geht es um die Mittagszeit gemächlich zu. Sascha Kaiser sucht den gesamten Markt ab, fragt schließlich eine Mitarbeiterin. „Nein, die waren sofort weg“, ist ihre Antwort auf die Frage, die sich jeder vorstellen kann.

Sascha Kaiser findet es klasse, dass Aldi die Schnelltestes verkauft. Leider gab es schon lange keinen mehr, als er gegen 12 Uhr in der Allensbacher Filiale erschien.
Sascha Kaiser findet es klasse, dass Aldi die Schnelltestes verkauft. Leider gab es schon lange keinen mehr, als er gegen 12 Uhr in der Allensbacher Filiale erschien. | Bild: Schuler, Andreas

Alle paar Augenblicke müssen die geduldigen und höflichen Mitarbeiter immer und immer wieder dieselbe Frage beantworten. „Uns wurde gesagt, dass wir wieder neue Schnelltests bekommen. Nur wann das ist – das können wir leider nicht sagen.“