Wie kommen vier Studierende auf die Idee, mitten in der Corona-Krise ein eigenes Unternehmen zu gründen? „Wir wollten uns schon immer selbständig machen“, sagt Jonathan Winkler, der – wie sein Geschäftspartner Tobias Winkler – Politik und Verwaltungswissenschaften an der Universität Konstanz studiert.

„Die Idee steht für sich selbst. Wir hätten sie jetzt ohnehin umgesetzt“, so Tobias Winkler. Mit wir meint er nicht nur sich und seinen Kompagnon, denn auch ihre Freundinnen Joëlle Clot und Milena Gölz bringen sich engagiert ein. Eigentlich sei es jetzt in der Krise ideal für ein Start-up, meint Biologiestudentin Joëlle Clot. „Die ganzen Freizeitaktivitäten sind nicht möglich. Wir haben Zeit.“

Plattform für die regionalen Leistungen und Produkte

Die Idee, die hinter dem Brezel-Taxi steckt, reicht weit über einen nachhaltigen Lieferservice mittels Elektro-Auto hinaus. Die Grundlage: „Wir wollen dem regionalen Handwerk, den regionalen Erzeugern eine Plattform bieten“, schildert Jonathan Winkler. Ihre Partner suchen die jungen Geschäftsleute selbst aus.

Echte Handwerksbäcker zum Beispiel, die ihren Teig selbst herstellen und entsprechende Qualität liefern, stehen im Fokus. Auch zu landwirtschaftlichen Betrieben im Umkreis haben sie Kontakt aufgenommen, denn gerade kleine Betriebe verfügen zumeist neben ihrem Hofladen über keine weiteren Vertriebswege.

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So haben sie ihr Angebot von Backwaren bereits auf Kaffee, Getränke, Brotaufstriche und weitere Produkten ausgeweitet. Den persönlichen Kontakt zu den Erzeugern schätzen die Studierenden. Sie schwärmen von Hofführungen und haben schon viel über unterschiedliche Teigarten gelernt. „Bachelor, Master – fünf Jahre lang ist man in seiner Bubble. Das hier ist etwas komplett anderes und wir schauen über unseren Tellerrand hinaus“, sagt Joëlle Clot.

Jonathan Winkler ergänzt: „Und wir lernen super spannende Produzenten kennen.“ Außerdem sei es „der günstigste Kurs in Betriebswirtschaftslehre überhaupt“, schmunzelt Jonathan Winkler und gibt Beispiele: „Wir haben einen Businessplan erstellt, mussten Verträge und Versicherungen abschließen, unseren Online-Shop befüllen, Produkte einpreisen und dann natürlich auf uns aufmerksam machen.“

Online bestellen und bis zur eigenen Haustür liefern lassen

Auf der Homepage des Brezel-Taxis können die Kunden ihre Waren bestellen, online bezahlen, das Brezel-Taxi holt die Waren ab und liefert sie an die Kunden aus. „Wir klingeln auf Wunsch an der Haustüre oder hängen die Tüten an die Tür“, so Jonathan Winkler. Wesentliche Grundlage für das Gelingen des Unterfangens sei unter anderem ein Multistop-Routensystem, wie Tobias Winkler erläutert: „Solch eine Software ist sehr teuer, wenn man sie kauft.“

Pierre Schmitt, ebenfalls Student, habe eine solche Software entwickelt und ihnen zur Verfügung gestellt, sodass sich die Kosten für die Unternehmensgründung im Rahmen hielten. Einen Kredit aufnehmen mussten die Studierenden nicht. „Noch ist es unser Wochenendhobby“, meint Jonathan Winkler. Aktuell liefern die Studierenden nur am Samstag und Sonntag aus.

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„Unser Angebot wird gut angenommen, denn der positive Nebeneffekt in diesen Zeiten: All jenen, die nicht gerne einkaufen wollen, bieten wir Zugang zu den Produkten und das Schlange stehen vor den Bäckereien entfällt auch“, so Tobias Winkler. Anfragen aus den Konstanzer Teilorten hätten sie auch schon bekommen, weshalb die Jung-Unternehmer auch in Litzelstetten, Dingelsdorf-Oberdorf und Dettingen-Wallhausen ausliefern wollen.

Glutenfreie Backwaren? Es werden noch Lösungen gesucht

An Expansion denken sie auch schon: „Unser Ziel ist es, ein regionaler Amazon zu werden“, schmunzelt Jonathan Winkler. Das erste Ziel sei es, alles für ein komplettes Frühstück anzubieten, sagt Tobias Winkler. „Ein Traum von uns wäre es, glutenfreie Backwaren ins Sortiment aufnehmen zu können“, meint Joëlle Clot, fügt jedoch an: „So einfach ist es leider nicht. Wir sind auf der Suche nach Lösungen, denn es gibt sicherlich viele, die so etwas zu schätzen wissen.“

Allzu lange werden die Jung-Unternehmer nicht mehr studieren. Was wird dann aus dem Brezel-Taxi? „Ich habe schon einen richtigen Job und die anderen Nebenjobs“, sagt Jonathan Winkler und betont, sie wollten jetzt nicht etwas aufbauen, um es bald wieder bleiben zu lassen. Außerdem sei es in Konstanz schön.

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