Die Friedenskette Bodensee lockte viele Menschen in die Seegemeinde. Laut Internetseite der Veranstalter waren am Treffpunkt Ludwigshafen 90 Prozent der Plätze vergeben, am gegenüberliegenden Seeufer in Bodman 70 Prozent. Etwa 1000 Menschen haben laut Polizei im Bereich von der Insel Mainau bis Bodman-Ludwigshafen friedlich teilgenommen. „Aus polizeilicher Sicht sind sämtliche bisherige Veranstaltungen, so auch im Bereich der Friedenskette Bodman-Ludwigshafen, ohne nennenswerte oder besondere Vorkommnisse verlaufen“, schrieb Dieter Popp, Sprecher des Polizeipräsidiums Konstanz, auf Anfrage.

Sie stellen sich mit Plakaten und Transparent den Teilnehmern der Friedenskette gegenüber: Die 18-Jährigen (von links) Nico Becker, Thorben Terwellen, Leon Buntz, Maya Mehler und Karla Hauser aus Ludwigshafen.
Sie stellen sich mit Plakaten und Transparent den Teilnehmern der Friedenskette gegenüber: Die 18-Jährigen (von links) Nico Becker, Thorben Terwellen, Leon Buntz, Maya Mehler und Karla Hauser aus Ludwigshafen. | Bild: Felix Hauser

Doch warum nahmen Menschen an dieser Aktion teil? Tobias aus Villingen-Schwenningen, der seinen vollständigen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, war einer der Ordner in Ludwigshafen. „So eine Friedenskette passt assoziativ in die Zeit“, sagte er. Er habe seit März bereits Kontakte zur Querdenken-Bewegung in Villingen-Schwenningen und sei so auf die Aktion aufmerksam geworden.

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Simone Emmerich war aus der Nähe von München mit einer Friedensfahne angereist. Sie erzählte, dass sie sich für Politik gar nicht mehr interessiert habe, bis Corona kam: „Ich dachte, jetzt muss ich mich engagieren, so kann es nicht weitergehen“, sagt sie. Außerdem wünsche sie sich, dass es eine herzliche, wahrhaftige und nicht profitorientierte Gemeinschaft gebe.

Viele Teilnehmer wollen ihre Namen nicht oder nur teilweise nennen

Der 22-jährige Timo aus Hamburg, der seinen Nachnamen ebenfalls für sich behielt, kam nach Ludwigshafen, da er den gesellschaftlichen Frieden aufgrund der Corona-Maßnahmen in Gefahr sehe. „Ich halte die Maskenpflicht für eine Art Faschismus, weil den Leuten aufgetragen wird, etwas zu tragen“, sagte er über eine der Maßnahmen.

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Eine Frau aus der Region Rhein-Hessen, die in der Menschenkette auf dem Weg an der Espasinger Straße stand, fand die Idee der Aktion super: „Es ist eine wunderschöne Sache, am Tag der deutschen Einheit die Verbundenheit der Menschen zu nutzen.“ Sie sei extra für den Frieden angereist und reise danach wieder zurück.

An der Ortsausfahrt Richtung Sipplingen hatte die Kette eine Lücke. Laut einem Ordner gab es im Bereich Überlingen zu wenige Anmeldungen.
An der Ortsausfahrt Richtung Sipplingen hatte die Kette eine Lücke. Laut einem Ordner gab es im Bereich Überlingen zu wenige Anmeldungen. | Bild: Felix Hauser

Allerdings bekam die Friedenskette auch von einer Gruppe 18-Jähriger aus Ludwigshafen Gegenwind. „Wir finden es schade, dass unsere schöne Heimat dafür genutzt wird“, sagte Leon Buntz. Mitstreiter Nico Becker fügte an: „Wir wollen ein Zeichen setzen für die schweigende Mehrheit, die hinter den Corona-Maßnahmen steht, und ihnen eine Stimme geben.“ Sie zogen mit Plakaten und dem Transparent „Nachdenken statt Querdenken“ entlang der Menschenkette durch den Ort und diskutierten mit ein paar Teilnehmern auch lautstark über die Corona-Maßnahmen.

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