Wie an so vielen Orten herrscht auch auf dem Schulkomplex auf der Zelg seit Wochen eine unheimliche Stille. Dort, wo sich normalerweise hunderte Schüler von der ersten bis zur zehnten Klasse tummeln, herrscht Ruhe und Leere. Doch seit vergangener Woche tut sich was: Lehrkräfte eilen mit rot-weißem Flatterband und Maßband durch das Realschulgebäude. Es werden Tische verrückt, Gänge abgesperrt und Räume neu aufgeteilt.

Denn ab kommenden Montag beginnt für die Neunt- und Zehntklässler nach der Corona-Zwangspause der Unterricht wieder. „Wir freuen uns unsere Schüler wieder persönlich zu sehen, aber eben unter den vorgegebenen Bedingungen, dazu zählt an erster Stelle der Mindestabstand von 1,50 Meter“, erklärt Schulleiterin Petra Thiesen.

Vor dem Sekretariat, vor den Toiletten und wo es sonst zu Warteschlangen kommen kann, ist der nötige Mindestabstand von 1,50 Metern auf dem Boden markiert.
Vor dem Sekretariat, vor den Toiletten und wo es sonst zu Warteschlangen kommen kann, ist der nötige Mindestabstand von 1,50 Metern auf dem Boden markiert. | Bild: Maria Schlageter

Denkt man nun an den bisherigen Schulalltag, wird deutlich vor welche Herausforderungen die Schulen damit gestellt werden. An der Realschule bedeutet das, dass zunächst die Klassen verkleinert werden. Insgesamt sind es 78 Schüler, die ab kommender Woche wieder in die Schule gehen dürfen. Um innerhalb der Klassen größere Distanz zu schaffen werden die Schüler in sieben Gruppen eingeteilt. „In jeder Gruppe sind dann zwischen zehn und zwölf Schüler“, erklärt Thiesen. Pro Schultag werden maximal vier Gruppen, also etwa 40 Schüler, anwesend sein, wie die Schulleiterin weiter ausführt. „So hat jeder Schüler an zwei oder drei Tagen die Woche Präsenzunterricht.“

Die Treppe in das Obergeschoss der Realschule kann nur von je einer Seite genutzt werden – eine weitere Maßnahme um Kontakt zu vermeiden.
Die Treppe in das Obergeschoss der Realschule kann nur von je einer Seite genutzt werden – eine weitere Maßnahme um Kontakt zu vermeiden. | Bild: Maria Schlageter

Die Unterrichtszeiten sind wie üblich zwischen 7.45 Uhr und 12.55 Uhr, beziehungsweise 12.10 Uhr festgelegt. Allerdings können die Pausen variabel gelegt werde. „Ein Schultag wird in drei Blöcke mit jeweils 105 Minuten aufgeteilt, in denen die Lehrer selbst entscheiden können, wann sie 15 Minuten Pause machen“, erläutert Thiesen das Konzept. So soll vermieden werden, dass die Schüler außerhalb der Klassenzimmer, die möglichst weit voneinander entfernt liegen, aufeinandertreffen. Außerdem sind die Ein- und Ausgänge deutlich markiert, an jeder Tür erinnert ein Schild daran die Hände zu waschen und auf die Toilette darf jeweils nur ein Schüler gehen. Klebstreifen auf den Fluren markieren wo beispielsweise vor dem Sekretariat mit dem nötigen Abstand gewartet werden muss.

Noch sind keine Prüfungen, trotzdem sehen die Klassenzimmer danach aus: ab Montag sitzen die Schüler an Einzelplätzen, die mit ihren Namen markiert sind, sodass es keine unnötigen Wechsel gibt.
Noch sind keine Prüfungen, trotzdem sehen die Klassenzimmer danach aus: ab Montag sitzen die Schüler an Einzelplätzen, die mit ihren Namen markiert sind, sodass es keine unnötigen Wechsel gibt. | Bild: Maria Schlageter

In den Klassenzimmern gibt es nur noch Einzelarbeitsplätze, das Lernmaterial muss selbst mitgebracht werden. „Wenn jemand sein Geodreieck vergisst, kann das nicht getauscht oder geteilt werden. Auch Dinge, wie Gruppenarbeiten oder Singen dürfen wir nicht machen“, betont Thiesen.

Dementsprechend setzt auch die Realschule Wehr auf die Kern- und Prüfungsfächer, denn die Abschlussprüfungen der Real- und Hauptschüler sollen noch dieses Schuljahr stattfinden. „Die restlichen Fächer, sowie die unteren Klassenstufen werden weiter über unsere Online-Lernplattform unterrichtet“, sagt Thiesen. Folglich werden auch nicht alle Lehrer an die Schule zurückkehren, sondern nur diejenigen, die in die Prüfungsvorbereitung mit eingebunden sind. Dem Start am 4. Mai blicken Thiesen und ihre Kollegen trotz der Umstände optimistisch entgegen: „Alle Schüler könnten wir unter diesen Konditionen gar nicht unterrichten. Aber wir sind gerüstet und ich setzt auch auf die Vernunft unserer älteren Schüler, dass sie die Regeln einhalten.“