Drei von ursprünglich sechs Vorschlägen haben die Stadt Wehr und der Gemeinderat als Standorte für das geplante Ärztehaus in kommunaler Trägerschaft näher ins Auge gefasst, ein Standort ist dabei der klare Favorit. Und eine definitive Entscheidung soll möglichst noch vor der Sommerpause des Gremiums getroffen werden. Und dennoch ist noch alles offen, denn in jüngster Sitzung fasste das Gremium mit großer Mehrheit den Beschluss, auch noch weitere Vorschläge zu berücksichtigen.

Offenkundig die Nase vorn hat momentan der mögliche Standort am Brennet-Areal im Wehrer Stadtzentrum. Dieser stößt sowohl bei der Verwaltung als auch bei den Ratsmitgliedern auf viel Zuspruch. Michael Herr vom Hochbauamt bezeichnete diesen Standort als „aus städtebaulicher Sicht ideal“. Zwar sei es von den gesichteten sechs Standortvarianten die einzige, die sich nicht in städtischem Besitz befinde, allerdings gebe es ein „faires Angebot“ für eine Erbbaupacht.

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Helmut Steinebrunner (CDU) betonte, dass ein Ärztehaus ein wichtiger Impulsgeber für die Innenstadt wäre, zumal hier höchstwahrscheinlich auch ein überregionales Klientel angelockt werde. „Die Verwaltung sollte alles daran setzen, hier alles klarzumachen“, forderte er. Auch Sabine Kramer-Rempe sah in einem Ärztehaus „eine ideale Abrundung“ des Brennet-Areals.

Ebenfalls in der engeren Auswahl befinden sich laut Herr das ehemalige Krankenhaus in der Georg-Kerner-Straße und ein Standort in der Waldstraße. Während bei ersterem größere Vorarbeiten nötig sind, was zu Verzögerungen beim eigentlichen Baubeginn führen könnte, bietet der andere Vorschlag aufgrund der Topografie nur eine geringe Baufläche.

Und dennoch wollten sich weder Gemeinderat noch Stadtverwaltung bereits auf einen der Vorschläge festlegen, auch wenn eine Entscheidung noch vor der Sommerpause im Juli getroffen werden soll: „Gerne können uns private Grundstückseigentümer noch weitere Angebote unterbreiten“, lautete Bürgermeister Michael Thaters Aufruf, der ebenfalls fraktionsübergreifend mitgetragen wurde.

Kommunales Engagement muss sein

Nicht abweichen will Thater hingegen vom Grundsatz, dass die Stadt Träger eines Ärztehauses sein muss. Damit wies er auch Kritik von Mathias Scheer (FW) zurück, der die Notwendigkeit eines städtischen Engagements in diesem Bereich anzweifelte.

Formal sei es tatsächlich so, dass die Gewährleistung der medizinischen Versorgung nicht Sache der Stadt sondern der Kassenärztlichen Vereinigung sei: „Und vor zehn Jahren hätte ich dies noch genauso mitgetragen.“ Aber in der Realität sei die Zukunftssicherung der Ärzteversorgung genauso ein kommunales Thema wie der Ausbau der Breitbandversorgung. Und in der Realität erweise es sich auch als überaus schwer, in ausreichender Zahl Ärzte nach Wehr zu holen.

Insofern solle ein zusätzlicher Anreiz geschaffen werden, indem die Stadt als Vermieter auftritt: „Unser Ziel ist es, etwas aufzubauen, was Jahrzehntelang Bestand hat und das Potenzial besitzt, ein Medizinisches Versorgungszentrum zu werden“, so Thater. Erfahrungen mit privaten Vorhaben dieser Art hätten zudem gezeigt, „dass es bei privater Trägerschaft schnell Veränderungen geben kann, die nicht unbedingt positiv sind.“

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Das sah Claudia Arnold (Grüne) genauso: „Soziale Aufgaben werden nur durch kommunales Engagement gesichert.“ Ein Investor könne langfristige Verlässlichkeit nämlich nicht unbedingt gewährleisten. Christoph Schmidt (FW) zeigte sich erfreut, „dass wir in dieser Hinsicht weiter sind als vor zehn Jahren“ und sich die Stadt ihrer Verantwortung bewusst sei. Er plädierte ebenfalls dafür, noch weitere Vorschläge abzuwarten, die aber längstens in den nächsten fünf Wochen eingehen müssten. Dann müsse erneut beraten werden, denn abgesehen von den Kosten und der Lage sei entscheidend, dass es mit dem kommunalen Ärztehaus bald losgehen könne.

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