Die Planungen für ein kommunales Ärztehaus in Wehr werden konkret: Nachdem die Bemühungen der vergangenen Jahre, den Ärztemangel mit der Akquise zusätzlicher Mediziner zu begegnen, fruchtlos blieben, beschreitet die Stadt nun neue Wege: Mit einem von der Stadt errichteten Ärztehaus soll die Gesundheitsversorgung nachhaltig gesichert werden. Der Bau- und Umweltausschuss hat sich bereits in nichtöffentlicher Sitzung mit den Plänen auseinandergesetzt, nun soll der Gemeinderat in seiner Sitzung am kommenden Dienstag eine Grundsatzentscheidung treffen.

Unterstützt werde die Initiative der Stadt von den praktizierenden Medizinern des Wehrer Ärztehauses in der Bündtenfeldstraße, heißt es in der Sitzungsvorlage. Zu Beginn dieses Jahres seien diese mit der Bitte auf die Stadtverwaltung zugekommen, bei der Suche nach einer geeigneten alternativen Unterbringung für deren Arztpraxen behilflich zu sein, da der damalige Eigentümer des Ärztehauses in der Bündtenfeldstraße seine Immobilie veräußern wollte. „Im Laufe der Gespräche
mit den Ärzten wurde deutlich, dass es für alle Beteiligten die beste Alternative wäre, wenn jetzt ein kommunal getragenes Ärztehaus entstünde, welches von der Stadt errichtet und an die Ärzte vermietet und von diesen betrieben würde.“ Die Mehrheit der Gemeinderäte laut Stadtverwaltung begrüßt die Idee, da hierdurch auch die Möglichkeit der Gewinnung zusätzlicher Ärzte bestehe. Zwischenzeitlich hat die Stadtverwaltung schon eine Raumkonzept für ein solches Haus erstellt.

Sechs Standortvorschläge hat der Bau- und Umweltausschuss bereits hinter verschlossenen Türen diskutiert, nun wird sich der Gemeinderat damit auseinandersetzen. Die Vorschläge im Einzelnen:

Novartis-Schulungszentrum am Ende der Bündtenfeldstraße: Das Gebäude aus den 70er-Jahren wurde 2018 von der Stadt gekauft. Schon damals war die Nutzung als Ärztehaus eine Option. Die flexible Aufteilung der Räume neben dem großen Parkplatzangebot ein Vorteil dieser Lösung. Allerdings wäre eine teure energetische Sanierung des Gebäudes mit seiner Glas-Aluminium-Fassade notwendig.

Das Novartis Schulungszentrum ist seit über 20 Jahren ungenutzt.
Das Novartis Schulungszentrum ist seit über 20 Jahren ungenutzt. | Bild: Obermeyer, Justus

Das ehemaliges Krankenhaus in der Georg-Kerner-Straße steht in medizinische Tradition. Nach geltender Beschlusslage soll das Gebäude aus dem 19. Jahrhundert eigentlich abgerissen werden, da eine Sanierung und Umnutzung laut Gutachter wirtschaftlich nicht darstellbar. Möglich wäre auch ein Neubau an selber Stelle. Wie bei den weiteren Vorschlägen könnte dann entsprechend des Raumbedarfs geplant und gebaut werden.

Das alte Krankenhaus in der Georg-Kerner-Straße.
Das alte Krankenhaus in der Georg-Kerner-Straße. | Bild: Obermeyer, Justus

Öflinger Straße: Direkt an der Bundesstraße 518 hat die Stadt Wehr vor einigen Jahren mehrere Grundstücke erworben. Auf einem entsteht derzeit die neue Obdachlosenunterkunft, daneben wäre noch Platz. Für diesen Standort spricht die zentrale Lage. Andere Nutzungsmöglichkeiten für die Fläche gibt es kaum.

Möglicher Standort an der Öflinger Straße.
Möglicher Standort an der Öflinger Straße. | Bild: Obermeyer, Justus

Hauptstraße/Waldstraße: Hinter der Bäckerei Albietz und der Seniorenresidenz Adler. Die derzeit als Parkplatz genutzte Fläche liegt ebenfalls sehr zentral, ist allerdings mit dem Auto schwieriger zu erreichen.

Hinter dem „Adler“ befindet sich aktuell ein Parkplatz.
Hinter dem „Adler“ befindet sich aktuell ein Parkplatz. | Bild: Obermeyer, Justus

Waldstraße: Mehrere Grundstücke erwarb die Stadt 2012 zwischen Schlosserei und Wehra. Die Flächen haben durchaus Enwicklungspotential, sie gehören – wie das Areal hinter dem „Adler“ – zum Sanierungsgebiet „Papierfabrik“, das bis zur Storchenstraße reicht. Die Überplanung dieses Gebiets wurde allerdings zurückgestellt.

An der Waldstraße wäre Platz zwischen Wehra und Schlosserei.
An der Waldstraße wäre Platz zwischen Wehra und Schlosserei. | Bild: Obermeyer, Justus

Brennet-Areal: Nicht im Eigentum der Stadt befindet sich der letzte Standortvorschlag, allerdings hat die Brennet GmbH einen Erbbaupachtvertrag mit der Stadt vorgeschlagen: Es geht um das geplante „Gebäude 1“ an der Todtmooser Straße. Das Wohn- und Geschäftshaus wollte die Brennet als Eigentümer eigentlich zurückstellen. Mit einer Nutzung als Ärztehaus könnte das Projekt an Dynamik gewinnen – sofern sich die Beteiligten tatsächlich einig werden. Gegen diesen Standort spricht die Nähe zum zweiten bestehenden Ärztehaus in der Villa Rupp.

Die Einfahrt zum Brennet-Areal. Links das „Gebäude 1“.
Die Einfahrt zum Brennet-Areal. Links das „Gebäude 1“. | Bild: Planungsbüro Baldauf

Der Gemeinderat tagt am kommenden Dienstag, 26. Mai, um 19 Uhr in der Wehrer Stadthalle.

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