Das neue Fotobuch „Wehr und Öflingen in historischer Fotografie„, herausgegeben von der Stadt Wehr und zusammengestellt von Reinhard Valenta, deckt einen Zeitraum von 1880 bis 1970 mit Schwarzweißbildern ab.

Die Kaufmannsfamilie Prutscher mit sechs Töchtern und einem Sohn.
Die Kaufmannsfamilie Prutscher mit sechs Töchtern und einem Sohn. | Bild: Jürgen Scharf

Wehr 1929: Drei große Schornsteine, schöne stattliche dreigeschossige Bürgerhäuser, der Kirchplatz, das Alte Schloss, eine beginnende Bebauung, das hält diese historische Aufnahme fest. Sie dokumentiert Wehr, das Industriedorf, das von der Textil- und Papierproduktion lebt. Die Entwicklung kam mit dem Anschluss der Eisenbahn – und eine Reaktivierung der Bahnstrecke wird ja heute wieder diskutiert.

Beitrag der Bürger

Wehr 1950: Fein gekleidete Festjungfrauen zwischen Storchenhaus und „Dreikönig“ beim Umzug zur Stadterhebung. Ein Höhepunkt in der Wehrer Ortsgeschichte. Es herrschte Aufbruchstimmung, der Zweite Weltkrieg war vorbei, das zivile Leben regte sich aufs Neue und die Freude an solchen Festen machte sich wieder bemerkbar. Für den Historiker Reinhard Valenta spricht dieses Bild Bände. Er sieht darin die Identifikation der Menschen mit der Stadt, in der sie leben.

Überragender Sportler der Sportstadt Wehr in den 50er Jahren war der Kugelstoßer Werner Eckert (Zweiter von links), bei der Siegerehrung der Deutschen Meisterschaft 1953 in Augsburg, wo er den Titel um nur zwei Zentimeter verpasste.
Überragender Sportler der Sportstadt Wehr in den 50er Jahren war der Kugelstoßer Werner Eckert (Zweiter von links), bei der Siegerehrung der Deutschen Meisterschaft 1953 in Augsburg, wo er den Titel um nur zwei Zentimeter verpasste. | Bild: Jürgen Scharf

Mehr als 200 solcher historischer Aufnahmen sind in dem Fotoband versammelt. Wehrer und Öflinger Bürger haben nach einem Aufruf in ihren Foto- und Familienalben geblättert und interessante zeitgeschichtliche Bilddokumente zur Verfügung gestellt. „Ein toller Beitrag der Bürgerschaft unserer Stadt“, lobte Bürgermeister Michael Thater bei der Buchpräsentation im Bürgersaal des Alten Schlosses. Ohne die Mithilfe vieler Leute wäre dieser Bildband nicht möglich gewesen.

Bürgermeister lobt Buch

Es sei ein wichtiges Buch unter den vielen Wehrer Büchern, befand Thater. „Wehr ist schon immer eine Stadt der Bücher gewesen, heute bestätigen wir den Ruf eindrücklich“. Sein Kulturamtsleiter a.D., den er vor wenigen Tagen erst verabschiedet habe, sei wieder „auferstanden“. Valenta habe bereits persönlich bei einzelnen Leuten geklingelt und Buchexemplare abgegeben oder in den Briefkasten geworfen. Der Band sollte in jedem Haushalt sein, „auch bei jedem Exil-Wehrer überall in der Welt“, so der Bürgermeister.

Gruppenbild mit Lehrerin: Eine Mädchenklasse 1948.
Gruppenbild mit Lehrerin: Eine Mädchenklasse 1948. | Bild: Jürgen Scharf

Valenta selber sprach frei zu einer Diaschau, in der er die beiden Ortsteile Wehr und Öflingen separat vorstellte. Eigentlich sollte die Publikation noch vor seiner Pensionierung erscheinen, es war als „guter Abgang“ geplant, was zeitlich aber nicht ganz funktionierte, weil die Produktion im Juni ins Stocken geraten sei. Das Büchlein ist nach Themen aufgebaut: Wehrer Familien, gesellschaftliches und kirchliches Leben, Menschen in ihrer Berufssituation, bei der Arbeit, altes Brauchtum, Sport, Ortsansichten (besonders die Hauptstraße), was auch die Veränderungen aufzeigt.

Ein schönes altes Foto: Maria Berger 1944 auf dem Weg zum Milchhüsle.
Ein schönes altes Foto: Maria Berger 1944 auf dem Weg zum Milchhüsle. | Bild: JÜrgen Scharf

Ein schönes Foto stammt von 1944, eine Frau bringt die Milch ins Milchhüsli. Beim Schmökern entdeckt man einen Ausflug mit dem Motorrad, eine Öflinger Spitzenturnerin, einen Wehrer Kugelstoßer und die erste Frau, die in den Wehrer Gemeinderat gewählt wurde. Ein „Gruß aus Wehr„ als Postkarte darf auch nicht fehlen.

Eine Grusskarte aus Wehr vom Ende des 19. Jahrhunderts.
Eine Grusskarte aus Wehr vom Ende des 19. Jahrhunderts. | Bild: Jürgen Scharf

Jedes Haus habe eine eigene Biografie, sagte Valenta. Anhand der Bilder konnte er viele Bürger, die das Fotomaterial zur Verfügung gestellt hatten, persönlich darauf ansprechen. Ein solcher Bildband sei wichtig, um das Wissen um Orte lebendig zu halten. „Wir machen weiter“, versprach Valenta. Wenn das Buch verkauft und die Auflage mit 800 Exemplaren vergriffen sei, „machen wir das nächste.“ Danach konnte das Publikum auf den informativen Bildband anstoßen und einzelne Biografien austauschen.