Bei einem Großbrand am Palmsonntag, 27. März 1994, im Holzfaserplattenwerk Gutex im Waldshut-Tiengener Ortsteil Gutenburg entstand ein Schaden in Höhe von 25 Millionen D-Mark. Bei dem Unglück wurden die Lagerhalle, in der das Feuer ausgebrochen war, und die Produktionshalle dem Erdboden gleichgemacht. Immer wieder flackerten kleine Brandherde auf, was die Suche nach der Brandursache erschwerte. Auswirkungen auf die Umwelt oder die Bevölkerung habe der Brand nicht gehabt, erklärte der damalige Polizeisprecher Peter-Georg Biewald.

Lange Zeit war ungewiss, ob die Gutex ihre Produktion wieder aufnehmen kann. Keiner der damals 70 Arbeitnehmer musste entlassen werden. Die Gehälter und Löhne waren von einer Versicherung gedeckt. Denn durch Verträge mit anderen Herstellern konnte Gutex ihre Kunden mit Platten weiter beliefern. Parallel dazu mussten einzelne Mitarbeiter am Wiederaufbau der Produktionsanlage mithelfen und zunächst den Brand- und Bauschutt abfahren. Anstelle der abgebrannten Lagerhalle konnten damals vorübergehend genügend Lagermöglichkeiten angemietet werden.

Der SÜDKURIER berichtete am 29. März 1994 vom Brand in der Gutex-Fabrik. Links sind die total zerstörte Lagerhalle und die stark ...
Der SÜDKURIER berichtete am 29. März 1994 vom Brand in der Gutex-Fabrik. Links sind die total zerstörte Lagerhalle und die stark beschädigte Produktionshalle zu sehen. Auf dem Bild rechts die damalige Geschäftsführerin Karin Thoma-Komm, Mutter des jetzigen Geschäftsführers Claudio Thoma. Bilder: Afred Scheuble | Bild: Alfred Scheuble

Die Brandursache konnte nicht endgültig geklärt werden, sie blieb spekulativ. Damals kamen nur Brandstiftung oder Selbstentzündung in Frage. Selbstentzündungen seien immer möglich, sagte der damalige Marketingleiter Hans-Gerhard Komm und erinnerte an ein Feuer auf einem firmeneigenen Lastwagen, auf dem sich zu feucht eingelagerte Faserplatten während des Transports selbst entzündet hatten.

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Glück im Unglück für Gutex nach der Zeit des Brandes war, dass der damals erst zwei Jahre alte Trockner, der für die Produktion der Holzfaserdämmstoffplatten unerlässlich war, ohne Verzögerung nachbestellt werden konnte. Dadurch war es möglich, die Produktion zügig wieder aufzunehmen. Der Wiederaufbau der Produktion erfolgte in einer sehr kurzen Zeit. Nach nur sechs Monaten konnten die ersten Platten wieder vom Band laufen.

Die Firmengeschichte

Bereits um 1538 wurde eine „Schloßmüli zu Guttenpurg“ erwähnt, die zur Burg Gutenburg gehörte. Das Kloster St. Blasien errichtete dann 1660 eine Eisenschmelze mit Hammerschmiede und Drahtzug, da im benachbarten Klettgau Bohnerz in großer Menge und im Schwarzwald das notwendige Holz vorhanden waren. Aber mit dem Entstehen des Hüttenwerkes Albbruck ging das kleine Werk in Gutenburg 1698 wieder ein.

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Um 1900 begann dann die Nutzung des Wassers aus der Schlücht zur Stromgewinnung. Der damalige Unternehmer Ernst Oskar Tröscher aus Atzenbach im Wiesental erhielt die Genehmigung zur Errichtung eines Wasserkraftwerkes. Das Nutzgefälle der Schlücht bildete dafür die Voraussetzungen. Mit dem erzeugten Strom konnten die naheliegenden Ortschaften und auch die Stadt Tiengen versorgt werden.

Claudio Thoma leitet als Geschäftsführer das Familienunternehmen Gutex.
Claudio Thoma leitet als Geschäftsführer das Familienunternehmen Gutex. | Bild: Gutex

Schon drei Jahre später wurde dem Elektrizitätswerk eine Holzschleiferei angeschlossen. 1920 kaufte schließlich die Familie Hugo Henselmann das Unternehmen und baute es weiter aus. Zunächst wurde Holzschliff und dann ab 1932 Holzfaserplatten produziert, was schließlich zu einer Erfolgsgeschichte wurde. Die Firma Gutex war in Deutschland ein Pionier in der Herstellung von Dämmplatten aus Holz. Holz fiel in den zahlreichen Sägewerken im Südschwarzwald reichlich an.

Seit 1932 entwickelte sich die Firma Gutex stetig weiter, ehe durch den dramatischen Brand 1994 die Produktion zum Erliegen kam und die Zukunft der Firma zunächst auf wackligen Füßen stand. Aber kluge und mutige Unternehmensentscheidungen ließen die jetzige Produktionsstätte wie ein Phönix aus der Asche entstehen.

Das Unternehmen

Das in der vierten Generation geführte Familienunternehmen Gutex in Gutenburg beschäftigt aktuell mehr als 250 Mitarbeiter und produziert jährlich etwa 960.000 Kubikmeter Holzfaserdämmstoffe. Es setzt dabei auf die umweltschonende Herstellung von ökologischen Holzfaserdämmstoffen aus dem nachwachsenden Rohstoff Schwarzwaldholz. Das Unternehmen erzeugt selbst Energie mit einem Blockheizkraftwerk (zwei Megawattstunden), einer 14.000 Quadratmeter großen Photovoltaikanlage sowie einer Biomasseanlage (zehn Megawattstunden).

Täglich fahren mehrere Gutex-Lastwagen durch die Schlüchttalstraße in Gurtweil, um die Holzfaserdämmstoffe von der Produktionsanlage in ...
Täglich fahren mehrere Gutex-Lastwagen durch die Schlüchttalstraße in Gurtweil, um die Holzfaserdämmstoffe von der Produktionsanlage in Gutenburg zu den Lagerhallen im Kaitle und in Küssaberg zu bringen. | Bild: Alfred Scheuble

Gutex investiert im Gewerbepark Breisgau, 30 Kilometer südlich von Freiburg, mehr als 100 Millionen Euro in eine neue, CO2-freie Produktionsanlage, die im September 2023 in Betrieb gehen soll. Dort entstehen 120 neue Arbeitsplätze. Der Spatenstich für dieses Werk erfolgte am 11. November 2021.

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