Trommelschläge hallen durch die Dunkelheit. Ein großes Feuer wird entzündet. Plötzlich springen durch die Flammen gruselige Gestalten mit Strohbesen in den Händen. Es sind die Tiengener Schlosshexen bei ihrem Hexensprung. Gelockt und angekündigt wurden sie von den Trommelschlägen der Hexenlüter.

Die Tiengener Hexensprünge sind an Narrentreffen gern gesehene Höhepunkte und Publikumsgaranten. Doch das Spektakel steht vor einem Problem: "Unsere Trommeln sind zwischen 16 und 18 Jahren alt und dementsprechend lädiert", sagt Vorsitzender Michael Steck. In der Vergangenheit sei versucht worden, die Trommeln immer wieder zu reparieren. Jetzt müssten aber endgültig Neue her. Die Trommeln seien dabei nichts Besonderes, sondern ganz normale Instrumente aus dem Musik-Fachhandel. Trotzdem oder gerade deshalb haben sie ihren Preis.

Die Hexenlüter zählen selbst nicht zu den Hexen. Sie sind "menschliche Figuren", wie Michael Steck sie nennt, und dazu da, die Hexen herbei zu rufen und die verschiedenen Aktionen der Hexen bei Umzügen und Bühnenauftritten anzukündigen. Hexenlüter können männlich und weiblich sein, allerdings ist ihre Mitgliederzahl beschränkt auf neun aktive Maskenträger. Zurzeit sind das vor allem Jugendliche.

Mit der Teilnahme am großen Fasnachtswettbewerb von Sparkasse Hochrhein und SÜDKURIER Medienhaus hofft der Verein nun auf finanzielle Unterstützung, um seinen Hexenlütern neue Landsknechttrommeln zu kaufen. Eine Landsknechttrommel ist eine klassische Trommel: 60 bis 100 Zentimeter hoher, zylindrischer Holzkorpus, beidseitig mit Fell bespannt.

Der historische Hintergrund zum Thema Hexen in Tiengen ist im Gegensatz zum fasnächtlichen Narrentum ein ernster: "Dem Hexenwahn des Mittelalters fielen auch in Tiengen Bürger zum Opfer. Die Hinrichtung der Frau Maria Grießer aus Klettgau-Bühl fällt in das Jahr 1682. Sie wurde beschuldigt, das Wetter zu Unwetter und Hagel verhext, Gott und die Heiligen verleugnet, Geißen gelähmt sowie sich dem Teufel ergeben zu haben. Trotz mehrmaligem Widerruf der durch schwere und grauenvolle Folter erpressten Geständnisse wurde sie gnadenhalber enthauptet und hernach der Leichnam auf dem Scheiterhaufen in Tiengen verbrannt. Der durch die Kirche gestützte Hexenwahn dauerte bis in das 18. Jahrhundert an", heißt es auf der Homepage der Tiengener Schlosshexen. 1997 sollen die Schlosshexen allerdings ohne Berücksichtigung des historischen Hintergrundes gegründet worden sein. Der Name Schlosshexen beziehe sich auf das Tiengener Schloss, wo sich das Gericht des Klettgaus befand.

Schlosshexen Tiengen

Die Schlosshexen Tiengen wurden am 16. April 1992 durch vier Männer gegründet. Im Jahr 1994 wurden die Hexenlüter als neue Gruppe gegründet und den Hexen angegliedert. 1997 wurden die Schlosshexen in die Narrenvereinigung Kleggau aufgenommen. Heute haben die Tiengener Schlosshexen 37 Mitglieder. Die Hexen im Internet: www.schlosshexen.org