Frau Kummer, was genau sind Ihre Aufgaben als Borkenkäfermanagerin?

Die wetterbedingte Borkenkäferentwicklung wächst sich zwischenzeitlich zu einem Jahrhundertereignis aus. Entsprechend hoch ist der Koordinierungsbedarf. Öffentlichkeitsarbeit ist eine meiner Hauptaufgaben. Die Veränderungen im Wald werden mittlerweile für jeden sichtbar. Deshalb müssen wir nicht nur die Waldbesitzer informieren. Auch die Bevölkerung muss wissen, was mit unserem Wald passiert. Wir stehen hierfür seit Anfang 2019 in intensiven Kontakten mit den Forstbetriebsgemeinschaften, in denen die Privatwaldbesitzer zusammengeschlossen sind. Hinzu kommen einige koordinative Aufgaben, wie zum Beispiel die Koordination der sechs Monitoringkräfte, die für drei Monate im Landkreis nach befallenen Bäumen gesucht haben. Mit Hilfe einer App konnten sie befallene Bäume auf einer Karte markieren und direkt an den Revierleiter weiterleiten. Für die Einrichtung und den Betrieb dieser technischen Unterstützung bin ich zuständig. Eine weitere Aufgabe ist auch das Beantragen von Holzlagerplätzen außerhalb des Waldes. Diese werden eingerichtet, um den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu vermeiden und Holzmengen zu bündeln. Insgesamt habe ich ein sehr vielfältiges Aufgabenpaket.

Der Borkenkäfer richtet im heimischen Wald immense Schäden an.
Der Borkenkäfer richtet im heimischen Wald immense Schäden an. | Bild: Juliane Schlichter

War und ist es ein Wettlauf mit der Zeit?

Kann man so sagen. Wir waren vorgewarnt, aber die Wucht der Borkenkäfermassenvermehrung hat uns überrascht. Viele Käfer überwintern ab Oktober unter der Rinde oder im Boden. Im nächsten Frühjahr, ab April, fliegen sie wieder aus und befallen aufs Neue unzählige Fichten. Wir haben jetzt also ein Zeitfenster von sechs Monaten die Überwinterungsbäume zu finden und aus dem Wald zu bringen. Im Sommer, wenn sich die Käfer entwickeln, bleiben uns zwischen Eiablage und Ausschwärmen gerade einmal vier bis sechs Wochen. Dann wird es schwierig, das Holz vor Ausflug der Käfer aus dem Wald zu bekommen.

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Private Waldbesitzer sind eigentlich verpflichtet, fortlaufend befallene Bäume zu schlagen, oder?

Ja, aber sie hatten es in dem Wettlauf besonders schwer, rechtzeitig zu handeln und Ressourcen und Geld für die Aufarbeitung bereitzustellen. In Normaljahren ist es kein Problem, befallene Bäume einzuschlagen und rechtzeitig zu verkaufen. Im Moment ist der Holzmarkt allerdings überschwemmt mit Käferholz und die Preise sind stark abgefallen. Ein Verkauf kann nicht mehr garantiert werden und immer öfter deckt der Erlös die Aufarbeitungskosten nicht. Viele Waldbesitzer können diese Summen nicht aufbringen.

Der Borkenkäfer richtet im heimischen Wald immense Schäden an.
Der Borkenkäfer richtet im heimischen Wald immense Schäden an. | Bild: Juliane Schlichter

Ein Notfallplan des Landes soll private Waldbesitzer unterstützen, wie ist der Stand der Dinge?

Im September wurde der Notfallplan in Stuttgart vorgestellt, die Konkretisierung der einzelnen Maßnahmen und die Bewilligung der Gelder stehen aber noch aus. 40 Millionen Euro für ganz Baden-Württemberg und 200 neue Stellen sind vorgesehen. Wir als einer der am stärksten vom Käfer betroffenen Landkreise hoffen, dass sich spätestens Anfang 2020 was tut. Privatwaldbesitzer, die ihr Käferholz aufarbeiten lassen, sollen einen Zuschuss bekommen, sodass sie nach einem Verkauf des Holzes nicht draufzahlen müssen.

Wie sieht der Borkenkäfer überhaupt aus und wie erkennt man befallene Bäume?

Borkenkäfer sind vier bis fünf Millimeter groß und sehen eigentlich ganz niedlich aus. Es gibt viele Arten, der Buchdrucker, der Fichten befällt, sorgt bei uns für die größten Schäden. Bohrmehl und Harztröpfchen am Stamm und grüne Nadeln auf dem Boden sind untrügliche Merkmale für einen Befall. Durch die trockenen Sommer sind die Bäume geschwächt und können nur wenig Harz produzieren, mit dem sie normalerweise die Käfer abwehren.

Würde ein strenger Winter die Käfer reduzieren und was ist mit dem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln?

Ausgewachsene Borkenkäfer haben gute Chancen, den Winter zu überstehen, wenn dieser nicht gerade lang anhaltend kalt wird. Wir gehen davon aus, dass rund 90 Prozent der Käfer den letzten Winter überlebt haben. Ein sehr nasses Frühjahr könnte dafür sorgen, dass die Käfer unter der Rinde verpilzen. Um den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln so gering wie möglich zu halten, versuchen wir, das befallene Holz schnellstmöglich aus dem Wald zu bringen – entweder direkt ins Sägewerk oder wenn der Holzabfluss stockt, in ein Zwischenlager mit ausreichendem Sicherheitsabstand zum Wald.

Bleibt langfristig nur der Umbau des Waldes?

Ja, wir müssen uns Gedanken machen, welche Baumarten mit Blick auf den Klimawandel noch stabil sind. Nicht nur die Fichte, auch unsere Hoffnungsträger, Tanne und Buche, schwächeln und werden auf großer Fläche als Hauptbaumart wegfallen. Sicher ist, der Wald der Zukunft wird bunter und vielfältiger. Mischwälder sind weniger anfällig gegenüber Veränderungen.

Es wird Grün bei uns bleiben?

Ja, ganz sicher. Der Wald geht uns nicht verloren, aber er wird sein Antlitz ändern. Unter vielen Beständen wächst schon Naturverjüngung, die den nächsten Wald bildet. Wir können mit Pflanzungen dann noch etwas nachhelfen und Mischbaumarten einbringen. Je nach Standort muss unterschiedlich vorgegangen werden. Die Revierleiter beraten die Waldbesitzer in diesen Fragen, sie kennen die örtlichen Gegebenheiten gut.

Zum Schluss eine persönliche Frage: Wie war bislang Ihre Arbeit als Borkenkäfermanagerin und was sind Ihre Pläne?

Mir war keine Minute langweilig. Ich hatte viel zu tun, es war spannend und vielseitig. Ich habe tiefe Einblicke in unterschiedlichste Bereiche bekommen und viel dazugelernt, es hat Spaß gemacht. Meine Stelle ist bis zum Ende des Jahres befristet. Geplant ist aber, diese im nächsten Jahr wieder neu zu besetzen. Ich selbst werde ab nächstem Jahr als Revierleiterin für den Landkreis Waldshut tätig sein.

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