Mit den sinkenden Inzidenzzahlen öffnete das Kunsthaus „Schwarzer Adler“ seine aktuelle Kunstausstellung: „Arbeitswelt und Industrialisierung Anatoliens aus der Sicht junger Künstler“ in Stühlingen.

Ein Gang durch die Ausstellung mit dem Inhaber und freien Ausstellungskurator Ingo Nitzsche und einer Schülerin gibt Einblicke in die Arbeit der Künstler. „Industrialisierung, Arbeit und gesellschaftliche Umbrüche in Anatolien mit den Mitteln der Kunst darzustellen, ist das wichtigste Ziel dieser Ausstellung. Um dies zu erreichen, ist nicht etwa den Künstlern eine Aufgabe gestellt worden, die sie dann hätten erfüllen müssen. Vielmehr habe ich als der dieses Projekt betreuende Kunstvermittler und Kurator die ganze Türkei bereist und habe an Universitäten sowie in Ateliers Künstler aufgetan, die ihre Werke den Phänomenen Industrialisierung, Arbeit und Leben in Anatolien widmen“, erläutert Ingo Nitzsche im Vorwort des Begleitbuchs zur Ausstellung. „Was wir nicht möchten, ist die Türkei schlecht zu machen. Eher die Ausbeutung der Türkei durch die reichen Industrieländer zu zeigen.“

Das Wandrelief Zahnräder und das osmanische Halic-Motiv von Zehra Serbest und andere Werke zum Thema Arbeitswelt und Industrialisierung ...
Das Wandrelief Zahnräder und das osmanische Halic-Motiv von Zehra Serbest und andere Werke zum Thema Arbeitswelt und Industrialisierung Anatoliens aus der Sicht junger Künstler ist im Kunsthaus Schwarzer Adler Stühlingen zu sehen. | Bild: Yvonne Würth

Während der Führung entstehe oft ein Gespräch zwischen ihm und den Besuchern. Die zwölfjährige Saphira Schüler wird am meisten von der Acrylmalerei „näher“ angesprochen: Die Künstlerin Serap Öney hatte in mehreren Bildern ihren Vater abgebildet, der als Schneider arbeitet und ihr damit ein Studium ermöglicht hatte. Auf dem Bild sind an der Wand diverse bunte Mode-Labels zu sehen, während der Stoff des Vaters an der Nähmaschine einfarbig grau dargestellt ist. „Es braucht keine Markenklamotten, um gut auszusehen. Meine Freundin wurde deshalb gemobbt“, erläutert Saphira Schüler.

  • Offen für junge Menschen: Im Hintergrund seiner Lebensmaxime, dem respektvollen Umgang mit Minderheiten, nimmt Kurator Ingo Nitzsche sich seit einiger Zeit besonders den Kindern an. Spuren dieser Arbeit mit Kindern sind auch in der aktuellen Ausstellung zu finden. Neben einem Vortrag zum Thema Kinderrechte plant Ingo Nitzsche auch eine Kunstausstellung mit einem jungen Geschwisterpaar aus Stühlingen, welches ihm durch die künstlerische Arbeit aufgefallen ist.