50 Jahre sind für Astronomen Bruchteil eines Wimpernschlages, für Erdenbewohner jedoch eine relativ lange Zeit, in der sich viel verändert. Da ist auch das Städtchen unterm Hohenlupfen keine Ausnahme. In der Stühlinger Rappenhaldesiedlung, nach dem Krieg für Flüchtlinge gebaut, lebt inzwischen schon die vierte Generation; Schloss Hohenlupfen ist in Schweizer Hand; das einst fruchtbare Gewann Sulzfeld in der Wutachtalsohle mutierte zum Gewerbegebiet und die Altstadt steht unter Denkmalschutz.

Heute: Die Stühlinger Rappenhaldensiedlung aus der Gegenrichtung mit Blick auf die stark gewachsene Unterstadt.
Heute: Die Stühlinger Rappenhaldensiedlung aus der Gegenrichtung mit Blick auf die stark gewachsene Unterstadt. | Bild: Edelgard Bernauer

In der einst lebhaften Unterstadt macht sich trotz Sanierung Tristesse breit, seitdem sich weg vom Zentrum vier Discounter etabliert haben. Obwohl der örtliche Handels- und Gewerbeverein sich der Entwicklung entgegenstemmt, ist absehbar, dass noch mehr kleine Geschäfte in naher Zukunft – auch aus Altersgründen ihrer Betreiber – verschwinden werden. „Klar hat sich viel in Stühlingen verändert, nicht alles zum Guten, aber auch nicht alles zum Schlechten“, betont der Vorsitzende des Vereins Handel und Gewerbe, Reinhard Schmitt. Viele Menschen in Stühlingen würden viel Energie darauf verwenden, damit es in Stühlingen voran geht. „Dass man dabei nicht den Geschmack aller trifft, ist normal.“

Positive Entwicklung

Das sind die Negativpunkte. Dafür gibt es aber jede Menge kostenloser, zeitlich unbegrenzter Parkplätze. Stühlingen hat, die Infrastruktur betreffend, einiges zu bieten. Es gibt immer noch das Loreto Krankenhaus, das die medizinische Grundversorgung garantiert, die Ganztagskinderbetreuung, das Pflegeheim in den Brunnenwiesen, die Hans Carossa Klinik, zwei Zahnarztpraxen und die Apotheke. Vier Friseursalons, vier Versicherungsbüros und zwei Geldinstitute bringen Besucher ins Städtchen. Ein spezielles Merkmal bildet auch das Kapuzinerkloster, das zusammen mit den Klosterkonzerten, den Veranstaltungen in der Schür und in der Carossa Klinik kulturelle Akzente setzt. Nicht zu vergessen der Konradsaal, der in unterschiedlichster Weise kulturell genutzt wird.

Altes weicht Neuem

Verschwunden sind Bahnhof, Schraubenfabrik, Marmeladen- und Strickwarenfabrik. Unübersehbar ist der Gaststätten-Schwund, der ein besonders trauriges Kapitel darstellt. Ein Pfund, mit dem Stühlingen wuchern kann, ist die Ganztagsbetreuung Kinderland Hohenlupfen, das unmittelbar neben dem Schulzentrum entstand und inzwischen nachweisbar viele junge Familien nach Stühlingen gelockt hat. Mehr als holprig gestaltete sich die Erschließung des „Inneren Zelgle“.

Der Vorgänger-Bau: Und so sah der 1959 erbaute Kindergarten in der Stühlinger Unterstadt aus, der mittlerweile abgerissen worden ist.
Der Vorgänger-Bau: Und so sah der 1959 erbaute Kindergarten in der Stühlinger Unterstadt aus, der mittlerweile abgerissen worden ist. | Bild: Edelgard Bernauer

Dort soll mitten im Zentrum ein Wohngebiet entstehen – wenn auch nach jahrzehntelangem Hin und Her als abgespeckte Variante. Während die Neubaugebiete „Brunnenwiesen“, „Seegärten“ und „Adolf Amann Straße“ zügig bebaut wurden, entwickelt sich das Gebiet „Hintere Sommerhalde“ zum Ladenhüter. Dieses Areal in Hanglage wurde nach Meinung etlicher Gemeinderäte von Beginn an schlecht geredet; nur drei Häuser sind bislang dort entstanden.

Was heute lockt

Was hat Stühlingen noch zu bieten? Grenzübergang, Fußballplatz, Leichtathletik-Anlage, eine einst als Sporthalle konzipierte Stadthalle, die jedoch seit Langem sanierungsbedürftig ist; der Erhalt und die Sanierung des Schwimmbads ist einer Bürgerinitiative zu verdanken, die sich im Verein „Schwimmfreunde Stühlingen manifestiert hat und einen hohen Freizeitwert bietet. Und in der Stühlinger Altstadt tummelt sich ein buntes Völkergemisch in Form von Bürgern holländischer, russischer, türkischer und albanischer Herkunft.

Schon wieder vom Bedarf überholt: Die neue Stühlinger Kita fügt sich harmonisch in das Stühlinger Stadtpanorama ein, platzt aber fast schon aus allen Nähten.
Schon wieder vom Bedarf überholt: Die neue Stühlinger Kita fügt sich harmonisch in das Stühlinger Stadtpanorama ein, platzt aber fast schon aus allen Nähten. | Bild: Edelgard Bernauer

Markante Gebäude sind das Schloss Hohenlupfen, Alte und neue Mühle, Amtshaus, Balbachsches Haus, altkatholische Kirche, Rabbi-Haus, Wehrturm, Schür am Stadtgraben und Schürgarten, Klosteranlage, Kapuzinergruft, Ziegelhütte, die ganze Schindergasse, Haus Schwarzer Adler, alte Schule, Weiler Hof und nicht zuletzt acht Brunnen.