Neben den Gebäuden „Schwarzer Adler“, dem altkatholischen Pfarrhaus und dem Balbachschen Haus zählt das Amtshaus zu den ältesten und stattlichsten Gebäuden der Altstadt. Nur wenig ist über die ursprüngliche Nutzung bekannt. Lediglich, dass darin einst das Rentamt der Pappenheimer und später das Fürstenbergische Rentamt untergebracht waren. Ab 1826 diente es als Badisches Bezirksamt. Im Türbogen ist die Jahreszahl 1595 eingemeißelt.

Das Bild am Amtshaus zeigt drei Wappen, der Text darunter gibt Einblick in die geschichtliche Entwicklung des Gebäudes.
Das Bild am Amtshaus zeigt drei Wappen, der Text darunter gibt Einblick in die geschichtliche Entwicklung des Gebäudes. | Bild: Edelgard Bernauer

Im Gebäudeinneren ist noch gut sichtbar, dass das Haus ursprünglich nicht unbedingt Wohnzwecken diente. Die Hausflure sind ausgesprochen großzügig gestaltet und die Innentreppen sind etwa drei Meter breit. Als das Amtshaus nicht mehr als öffentliches Gebäude gebraucht wurde – laut Überlieferung ab 1891 – wurde die Stadt Eigentümer.

Gasthoffamilie erwirbt das Gebäude

Die Räume wurden vermietet. Vier Wohnungen boten Raum auch für eine Großfamilie. 1959 wurde das Amtshaus von der Familie Porten erworben, den Eigentümern des Gasthofes „Rebstock“. Im Amtshauskeller entstand ein uriger Gastraum, im ersten Obergeschoss befinden sich das von Christine Sarnow, geborene Porten, eingerichtete Puppen-Museum, sowie etliche stilvoll gestaltete Hotelzimmer. Die Exponate stammen von Hildegard Kech aus Bettmaringen, die unzählige Puppen aus verschiedenen Epochen gesammelt hat.

Christine Sarnow, Wirtin des „Rebstock“.
Christine Sarnow, Wirtin des „Rebstock“. | Bild: Edelgard Bernauer

Hinter dem Amtshaus befindet sich ein Teich, der früher vermutlich als Brandweiher diente. Noch älter als das Amtshaus ist das Gasthaus „Rebstock“, mit Baudatum 1556. Das Anwesen ist aber vermutlich noch älter. Hinter dem Gasthaus befindet sich ein außergewöhnlich großes Ökonomiegebäude. Der Platz davor dient heute als Parkplatz. Im Gebäude sind Garagen und das Scheunen-Museum untergebracht. Das weit vorspringende Dach sorgt für überdachte Stellplätze, die beispielsweise auch beim Stühlinger Städtlefest begehrt sind.

Aus dem früheren Ökonomiegebäude das zum Gasthof „Rebstock“ gehört, wurde die „Museumsscheune.“
Aus dem früheren Ökonomiegebäude das zum Gasthof „Rebstock“ gehört, wurde die „Museumsscheune.“ | Bild: Edelgard Bernauer

Der verstorbene Malermeister Przybylski aus Tiengen hat in den 1990er Jahren sowohl an den Fassaden des Amtshauses und des „Rebstocks“ als auch am Ökonomiegebäude Wandbilder mit historischen Motiven gestaltet.

Das Bild am Amtshaus zeigt drei Wappen; am Gasthaus „Rebstock“ befindet sich eine Marktszene, ein weiteres Motiv erinnert an die Stadterhebung; am Ökonomiegebäude ist St. Martin abgebildet.

Wandmalereien mit Bezügen zur Altstadtgeschichte stammen vom verstorbenen Tiengener Maler Paul Przybylski.
Wandmalereien mit Bezügen zur Altstadtgeschichte stammen vom verstorbenen Tiengener Maler Paul Przybylski. | Bild: Edelgard Bernauer

„Rebstock“-Wirtin Christine Sarnow erzählt, wieviel Engagement, Mühen und Finanzmittel fortlaufend diese geschichtsträchtigen Immobilien erfordern.

„Zum Erhalt solcher Immobilien braucht man Leidenschaft und Freude am Gestalten und natürlich die finanziellen Mittel. Wir haben all die Jahre über sehr viel investiert und tun das immer noch. Zum Beispiel gerade aktuell findet der Einbau von Brandschutztechnik und einer neuen Heizung statt.“

Die Öffnungszeiten der Gaststätte mussten aufgrund von Personalmangel gekürzt werden. Christine Sarnow ist im Gasthof aufgewachsen und hat das Hotelfach von der Pike auf gelernt. Sie hängt an ihrem Elternhaus. Sie hat ihre Kindheit im Städtle verbracht und lernte danach die weite Welt kennen. Nach dem Tod ihres Vaters übernahmen sie und ihr Mann Joachim Sarnow den Betrieb, in dem die Arbeit nie ausgeht.