Das Haus Schölderle-Mut, an der Schloßstraße , war einst der „Löwen,“ eines der zahlreichen Gasthäuser der Stühlinger Altstadt. Von außen sieht man dies dem ehemaligen Kaufhaus Schölderle nicht mehr an. Als jedoch Besitzerin Angela Mut uns hinter die Kulissen schauen ließ, kamen interessante Details zutage. Liebenswerterweise gehört Angela Mut, geborene Schölderle (79) zu den Menschen denen es schwer fällt, etwas wegzuschmeißen und auch das 1759 erbaute Gasthaus wird zwar in Ordnung gehalten aber nicht zu Tode renoviert.

Über dem Hauseingang das Baujahr 1959 des Hauses Schölderle/Mut.
Über dem Hauseingang das Baujahr 1959 des Hauses Schölderle/Mut. | Bild: Edelgard Bernauer

Am Wohnzimmer und in der Küche ihres Elternhauses hat Angela Mut kaum etwas verändert. Mitten im Wohnzimmer steht ein massiver und dekorativ behauener Balken. Dieser Balken reicht vom Keller bis zum Obergeschoss. Das Wohnzimmer, einst der Gastraum, hat eine Decke aus lackiertem Täferholz. Schöne alte Schränke lassen das Herz jedes Liebhabers alter Möbel höher schlagen. Jede Tür im Haus hat ein andere Format, die Räume sind relativ niedrig und unterschiedlich hoch.

Rosa und Franz Schölderle, die das Kolonialwarengeschäft zusammen mit Tochter Angela bis in die 90-iger Jahre hinein betrieben. 1996 wurde das Geschäft geschlossen.
Rosa und Franz Schölderle, die das Kolonialwarengeschäft zusammen mit Tochter Angela bis in die 90-iger Jahre hinein betrieben. 1996 wurde das Geschäft geschlossen. | Bild: Edelgard Bernauer

Eine abenteuerlich in das Erdreich hineingeschlagene Treppe führt tief hinab in einen Keller. Laut Angela Mut hat ihr Großvater Bernhard das Anwesen vom ehemaligen Bürgermeister Mayer um 1937 für 12 000 Reichsmark erworben. Die Frau des Bürgermeisters betrieb im Haus einen Kolonialwarenladen den die Schölderles übernahmen. Angela Mut ist also die dritte Generation. Sie hat das Geschäft, heute würde man sagen Tante Emma Laden, bis 1996 zusammen mit den Eltern betrieben.

Angela Mut mit der Kaufurkunde für das Haus aus dem Jahre 1939.
Angela Mut mit der Kaufurkunde für das Haus aus dem Jahre 1939. | Bild: Edelgard Bernauer

Ältere Stühlinger erinnern sich noch gut an das Geschäft, wo es zu Karfreitag noch Stockfisch aus dem Fass gab, Sauerkraut und Margarine wurde aus großen Eimern abgestochen. Gutsele wurden in Gläsern verkauft. Mehl und andere Trockenwaren befanden sich im Schubfächern und frische Milch wurden aus einem speziellen Behälter geschöpft. Mutter Rosa, geborene Hofacker stammte aus Eggingen. Vater Franz Schölderle gehörte zu den angesehenen Stühlinger Honoratioren. Die fünfte Generation ist inzwischen auch schon geboren.

Viele bauliche Details aus alten Zeiten sind im Hause Schölderle/Mut noch erhalten.
Viele bauliche Details aus alten Zeiten sind im Hause Schölderle/Mut noch erhalten. | Bild: Edelgard Bernauer

Was mit dem zwischen Haus Günher Buttle und Bäckerei Bruder eingezwängten Anwesen einst geschieht, steht derzeit in den Sternen. Es gibt eine Menge alter Fotos, Dokumente und Gerätschaften. Angela Muts Kinder haben sich beruflich anderweitig orientiert. Angela Mut, die man getrost zu den Stühlinger Powerfrauen zählen kann, hält jedenfalls tapfer die Stellung. Zwei Wohnungen im Haus hat sie vermietet. Dennoch ist noch genug Platz für alle, wenn Kinder und Enkel zu Besuch kommen. Sie zählt zu den wenig verbliebenen älteren echten Stühlingern, die man gerne um Auskunft bitten darf, wenn man Details über frühere stühlinger Zeiten in Erfahrung bringen will. Seit vielen Jahren betreibt Angela Mut auch den Stühlinger Campingplatz, der in Insiderkreisen als Geheimtipp gilt. Sie hat gerne Menschen um sich und Angela Muts Hilfsbereitschaft ist inzwischen legendär. Sie verrät uns, dass sie dieses Jahr den Platz an der Wutach nochmal betreut, danach aber soll Schluss sein.