Der Narrenspiegel ist der Programmabend der Narrenzunft Bad Säckingen. Bei der diesjährigen Ausgabe trat dabei auch wieder das „Heidewibli“ in Erscheinung. Mit scharfer Zunge, aber ebenso mit trockenem Humor, nimmt die zur Tradition der Bad Säckinger Fasnacht gewordene Weibsperson kein Blatt vor dem Mund.

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Durch Natur, karge Landschaft und raues Klima sowie wegen seiner Charaktereigenschaften und durch Schicksalsschläge geformt, wurde so mancher Bewohner des Hotzenwaldes zu einem Original. Eines der bekanntesten davon ist das „Heidewibli vo Rickebach“, deren Lebenslauf der Murger Heimatforscher Leopold Döbele (1902 bis 1979) schon 1932 beleuchtete. Der richtige Name der verschmitzten Hotzenwälderin war Magdalena Schmidt (1799 bis 1880). Sie war mit Josef Häsle aus Rickenbach verheiratet und hatte eine bildhübsche Tochter namens Erika, von der auch Joseph Victor von Scheffel (1826 bis 1886) fasziniert war und sie in seinem historischen Roman „Ekkehard“ als Heideblümlein verherrlichte.

Schweres Schicksal lässt sie nicht verzweifeln

Mann und Tochter starben allerdings früh. Auf sich selbst gestellt, betrieb Magdalena im ehemaligen Gewann Turbenmoos bei Willaringen eine Ziegelei und Kalkbrennerei, die jedoch bald einging. Dann widmete sie sich der Fischerei im Heidenwuhr und so erhielt sie den Namen „Heidewibli“.

Das Erscheinungsbild

In ihrer Tracht, mit Rohrstiefeln bekleidet, einer Tabakspfeife im Mund und dem Fischlogel (Angelgerät) in der Hand, ging sie auf den Forellenfang und zog im Land umher, immer mit einem derben Witz auf der Zunge. „D’Herre un d‘Lumpe rauchet Schtumpe, i rauch Pfiefe“, pflegte sie zu antworten, wenn sie nach dem Sinn ihrer Pfeife gefragt wurde. Überhaupt soll sie die Gewohnheit gehabt haben, in Versen zu sprechen und zu erwidern. Auf gute Schulbildung legte sie keinen besonderen Wert, oft soll sie erklärt haben, sie könne „weder lesen noch schreiben, aber lügen wie gedruckt“. Ihr würziger Humor half ihr über vieles hinweg. Obwohl sie arm war wie eine Kirchenmaus, war sie um Arbeit nicht sehr besorgt, hingegen war sie bei Taufen, Hochzeiten und anderen Festlichkeiten stets dabei.

Anekdote mit dem Großherzog

Als der Großherzog Friedrich I. von Baden 1862 den Hotzenwald besuchte, erschien beim Empfang auch das „Heidewibli“ mit seiner Pfeife, um ihn persönlich zu begrüßen. Als der Bürgermeister sie wegen der Pfeife zurückweisen wollte, ging sie ungeachtet dessen auf den Großherzog zu, reichte ihm die Hand, klopfte ihm auf die Schulter und sprach: „Gell Landesvadder, i darf rauche!“ Einige Zeit darauf erhielt sie als Anerkennung für diese Begrüßung aus Karlsruhe eine besonders schöne Pfeife zugesandt. Bei einem späteren Besuch begrüßte sie den Großherzog mit den Worten „Grüeß Gott Landesvadder, chunsch au emol go luege, wa i mach, wa macht au d‘Luis und d’Chinder?“ Der Großherzog soll sich über diesen Vorgang köstlich amüsiert haben.

Hotzenwälder Mutterwitz

Das „Heidewibli“ ist wohl die beste Vertreterin des echten Hotzenwälder Mutterwitzes. Die Bad Säckinger Narrenzunft hält ihr Andenken aufrecht, so auch das des „Maisenhardt-Joggele“, der einst als Waldgeist Menschen zwischen Egg und Willaringen in die Irre führte. Zudem haben die „Wälder“ stets am Ersten Faißen in der Trompeterstadt ihren Auftritt. Hierbei handelt es sich allerdings nicht um echte Hotzenwälder, vielmehr sind das überwiegend Bad Säckinger Einwohner, die für einige Stunden urige Hotzenwälder in ihren besten Anzügen und Rucksackverpflegung sein wollen.

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