Alle zwei Jahre wird der Große deutsche Fertighauspreis, der „Golden Cube“, in sieben Kategorien verliehen. Die bei den Herstellern beliebteste Kategorie ist zweifelsfrei der Publikumspreis. Hier wählten die Leser verschiedener Fachpublikationen und Internet-Nutzer „Deutschlands schönstes Fertighaus 2018“. Der Anfang März verliehene Preis ging diesmal in den Rickenbacher Ortsteil Altenschwand. Doch, wie lebt es sich in so einem prämierten Haus? Und wer kommt auf die Idee, so ein modernes Gebäude im Hotzenwald zu bauen?

Es seien schon mehrmals Passanten vom nahegelegenen Golfplatz vorbei gekommen, um die Architektur zu bestaunen, schmunzeln die Hausbesitzer Erika und Uwe Funk. Mit seiner großflächigen, nach Süden ausgerichteten Fensterfassade und der einheitlichen Holzverkleidung fällt das klar strukturierte Haus schon von weitem auf. Dass sich ihr Haus mit 8,9 Prozent von über 113 000 abgegebenen Stimmen gegen 70 andere Häuser und die Konkurrenz der deutschen Fertighausriesen durchgesetzt hat, können Erika und Uwe Funk noch immer kaum glauben. „Es ist kein Katalog-Haus, sondern eine Einzelfertigung nach unseren Vorstellungen, erklärt das Paar.

<strong>Offen:</strong> Den Blick ins Freie kann man sogar unter der Dusche genießen. Vor den Fenstern kommt nur noch Natur, hier führen auch keine Wege vorbei, sodass von dieser Seite keine neugierigen Passanten hineinsehen.
Offen: Den Blick ins Freie kann man sogar unter der Dusche genießen. Vor den Fenstern kommt nur noch Natur, hier führen auch keine Wege vorbei, sodass von dieser Seite keine neugierigen Passanten hineinsehen. | Bild: Sandhya Hasswani

Er, ein pensionierter Beamter aus Darmstadt und sie, Eventmanagerin mit Wurzeln in Herrischried, haben sich nach vielen Jahren Stadtleben bewusst für ein Leben auf dem Land entschieden. „Wir hatten präzise Vorstellungen, wie wir wohnen möchten und haben einen sehr ähnlichen Geschmack.“ Schwieriger wurde es bei der Suche nach einem Hersteller, der diese konkreten Vorstellungen, auch mit einem festgelegten Budget realisieren konnte. Fündig wurde das Paar im ländlichen St. Georgen bei der Zimmerei Schwarzwälder. Elektriker, Schreiner und Gartenbauer kommen aus den drei Hotzenwald-Gemeinden.

So konzentrieren sich Architektur und Einrichtung bewusst auf das Wesentliche: die Räume sind gradlinig und lichtdurchflutet, die Wände und deckenhohen Türen weiß und das Industrieparkett zwar preiswert, aber haargenau und ohne Sockelleisten verlegt. Nichts lenkt ab: keine Bilder, keine abstehenden Türzargen, nicht einmal Fensterrahmen stören den überall präsenten Panoramablick. In die Wände eingelassene Schränke machen Möbel überflüssig, auch die Küchenfront verschmilzt im Weiß der Räume. „Nicht durch mehr, sondern durch den Verzicht auf alles, was das Auge übersättigt“, so die Hausherrin, entstehe ein Gefühl von Wertigkeit. „Für mich ist dieser Verzicht ein Gewinn an Lebensqualität“, erklärt Uwe Funk.

<strong>Hell:</strong> Die Räume scheinen mit dem Freien zu verschmelzen; sie sind weit und hell gehalten, sodass die Natur zur Geltung kommt. Auch die Einrichtung mit dem Küchenblock konzentriert sich auf das Wesentliche.
Hell: Die Räume scheinen mit dem Freien zu verschmelzen; sie sind weit und hell gehalten, sodass die Natur zur Geltung kommt. Auch die Einrichtung mit dem Küchenblock konzentriert sich auf das Wesentliche. | Bild: Sandhya Hasswani

Diese, so das Paar, nehme man hier intensiver wahr als in der Stadt. „Die Wege sind hier mit 15 Minuten auch nicht länger als in der Stadt. Hier kennen und schätzen wir unseren Bäcker und Metzger. Das kulturelle Angebot und soziale Engagement sind in dieser Region sehr ausgeprägt“, sagt Uwe Funk. Dass ihr Haus nun den „Fertighaus-Oskar“ gewonnen hat, freut die beiden umso mehr.