Herten – Die Schülerzeitung der Karl-Rolfus-Schule, der Kreisel, wir 20 Jahre alt. Das haben die Schüler zusammen mit ihren Lehrern und Mitarbeitern des St. Josefhauses am Mittwochvormittag gebührend gefeiert – schließlich ist der Kreisel nicht irgendeine Zeitung, sondern eine mehrfach prämierte. Diesen September darf das junge Redaktionsteam bereits zum zweiten Mal nach Berlin fahren und sich als zweitbeste Schülerzeitung einer Förderschule bundesweit auszeichnen lassen. Insgesamt ist das einer von mehr als elf Preisen.

Damit, dass der Kreisel einmal so erfolgreich sein würde, hatte Heike Hüge nicht gerechnet. Vor knapp 20 Jahren hatte die Fachlehrerin an der sonderpädagogischen Karl-Rolfus-Schule zusammen mit einer Kollegin die Idee, eine Schülerzeitung zu machen. Der Gedanke dahinter: „Wir haben viele nicht sprechende Schüler. Diese können nach der Schule nicht einfach nach Hause gehen und ihren Eltern und Großeltern erzählen, was sie gemacht haben“, erzählt Hüge. Mit der Schülerzeitung sollte das möglich sein, sie sollte wie ein Schaufenster den Blick in die Schule ermöglichen. Und die Schüler waren von Anfang mit Feuereifer dabei. Sie schrieben kleine Artikel über sich selbst, über Ausflüge und den Schulalltag, malten Bilder und machten Fotos.

Heike Hüge, Fachlehrerin
Heike Hüge, Fachlehrerin

„Eigentlich sollte der Kreisel ein einmaliges Projekt sein“, sagt Hüge. Doch das ließen seine Fans – und davon gab es sehr schnell ein ganze Menge – nicht zu. „Ein Fan der ersten Stunde ist unser ehemaliger Schulleiter Ferdinand Müller“, erinnert sich Hüge lachend. Er war begeistert von der Schülerzeitung, auch die Resonanz der Eltern, die den ersten Kreisel beim Sommerfest 1999 kaufen konnten, sei super gewesen. „Das hat uns motiviert, weiterzumachen.“ Und so erschien jedes Jahr ein neuer Kreisel, zusammengestellt von unterschiedlichen Schülerteams der Karl-Rolfusschule mit seiner Außenstelle in Lörrach. Zunächst wurden die Hefte noch in einer Druckerei gedruckt, bis sich St. Josefshaus-Mitarbeiter Peter Widmann und seine Frau Korinna bereiterklärten, das privat und auf eigene Kosten zu übernehmen. Natürlich bekamen sie beim Geburtstagsfest einen besonders großen Applaus, schließlich hat der Kreisel eine Auflage von 500 bis 800 Exemplaren. Ein ehemaliger Schüler, Michael Schreiber, verkauft die Hefte jedes Jahr beim Sommerfest.

„Die Arbeit am Kreisel bringt den Kindern sehr viel, sie wachsen unglaublich daran“, erzählt Hüge. „Ich habe noch nie erlebt, dass einer der Schüler nicht motiviert mitgemacht hätte. Sie lernen schreiben und lesen, und wer das nicht kann, malt stattdessen ein Bild und gehört so auch dazu.“ Zudem lernten die Kinder mit Behinderung, zu planen und Entscheidungen zu treffen. Schließlich überlegen sie sich selbst, was in ihrer Zeitung stehen soll. „Andere Schülerzeitungen haben oft Probleme, die Seiten voll zu bekommen, wir schaffen es manchmal hingegen kaum, alle Seiten unterzubringen“, sagte denn auch Schulleiterin Birgit Hehl in ihrer Rede in der Mehrzweckhalle in Herten. Mehr als 132 Seiten sind rein drucktechnisch nicht möglich, diese schaffen die jungen Redakteure aber locker. Die Jubiläumsausgabe – die übrigens erstmals auch online auf der Seite der Karl-Rolfus-Schule veröffentlicht wird – ist ganze 130 Seiten lang. Rund zwölf Schülerinnen und Schüler zwischen elf und 13 Jahren aus Herten und Lörrach haben daran gearbeitet – und auch die anderen der insgesamt 21 Klassen haben sich beteiligt. Die Firma Resin hat zum Geburtstag der Schülerzeitung das gesamte Papier gespendet.

Dass der Kreisel nicht ausschließlich Spaß bringt, sondern auch pädagogisch wertvoll und mit Kreativität gemacht ist, zeigen die vielen Preise, die die Schüler dafür erhalten haben. So hat der Kreisel etwa mehrfach im landesweiten Schüler-Zeitschriften-Wettbewerb in der Kategorie Förderschulen den ersten Platz belegt, zwei mal wurde sie sogar bundesweit ausgezeichnet. Wie stolz die Kinder auf ihre Leistung sind, war am Mittwoch deutlich zu sehen. Mit viel Freude und Witz stellten sie den rund 200 Gästen ihr neuestes Werk vor. Zum Dank gab es kleine Geschenke und eine riesige, wenn auch nicht echte, Geburtstagstorte.