Der Murger Unternehmer Michael Schäuble will das von Imerys und H. C. Starck Smelting genutzte Werk Rhina zu einem Gewerbe- und Industriepark mit weiteren Unternehmen und Firmen entwickeln. Zu diesem Zweck hat die von Schäuble gegründete MTM Industriepark GmbH das 250000 Quadratmeter große Areal zwischen dem Laufenburger Stadtteil Rhina und Murg zum 1. Juli von der H .C. Starck Infrastructure GmbH & Co. KG erworben.

„Mit der Weiterentwicklung des Geländes zu einem Gewerbe- und Industriepark bringen wir die Region wirtschaftlich weiter voran und tragen zur langfristigen Stärkung des Standortes Laufenburg/Murg bei", teilt Schäuble auf Anfrage unserer Zeitung mit. Der Entwicklungsprozess werde in enger Abstimmung mit den Gemeinden Laufenburg und Murg erfolgen. Die Bürgermeister der beiden Gemeinden seien bereits frühzeitig über den geplanten Erwerb durch MTM informiert worden. Auch Jens Knöll, Geschäftsführer der H.C. Starck GmbH, zeigte sich zufrieden: „Wir freuen uns, mit der MTM Industriepark GmbH einen strategischen Käufer gefunden zu haben, der dieses Grundstück optimal für die Region sowie die bisherigen und die zukünftigen Nutzer entwickeln kann."

Heute produzieren in den ehemaligen H. C. Starck-Werken Rhina und Enag drei Firmen statt einer.
Heute produzieren in den ehemaligen H. C. Starck-Werken Rhina und Enag drei Firmen statt einer. | Bild: Orlowski, Birgit

Die Imerys, die H. C. Starck Smelting und die zur H. C. Starck Surface Technology and Ceramic Powders (STC) gehörende Amperit Rhina, die zusammen rund 250 Personen beschäftigen, bleiben im Werk Rhina. Der bestehende Vertrag mit der Imerys sei übernommen worden, mit den japanischen Eigentümern der Smelting und den schwedischen der STC seien neue abgeschlossen worden, erklärte Schäuble. Zusätzlich sei er bereits mit weiteren Firmen als Mietern im Gespräch, es bestünden derzeit aber lediglich Interessenbekundungen.

Michael Schäuble führt zusammen mit seinem Bruder Frank seit 2006 den expandierenden Holz- und Baustoffhändler Hospa GmbH. Er ist im Gewerbegebiet Murg-West ansässig. Hier Am Bahndamm 7 firmiert auch die von Michael Schäuble am 5. April eigens für die Vermietung und Verpachtung von Immobilien im Werk Rhina gegründete MTM Industriepark GmbH. "Mein Hauptgeschäft ist und bleibt die Firma Hospa GmbH. Für die Projektplanung- und Umsetzung und Betreuung wurden Mitarbeiter oder externe Firmen eingestellt und beauftragt", so Schäuble.

Die bereits seit längerem über den Erwerb informierten Bürgermeister von Laufenburg und Murg, Ulrich Krieger und Adrian Schmidle, betonten in einer gemeinsamen Erklärung: „Für uns war es wichtig, dass die auf dem Areal bereits ansässigen Firmen durch langfristige Mietverträge eine Entwicklungsperspektive für die Zukunft haben. Es freut uns, dass dies gelungen ist. Ebenso sehen wir die Chance, dass das bestehende Areal durch die Ansiedlung neuer Firmen in der Zukunft noch besser ausgenutzt werden kann. Bereits jetzt funktioniert das Nebeneinander mehrerer Firmen auf dem Areal sehr gut." Die Gemeinde Murg und die Stadt Laufenburg würden die künftige Entwicklung städtebaulich gerne begleiten.

Seit über 100 Jahren wird das Werk Rhina industriell genutzt. Unser Luftbild zeigt das Ferrowerk im Jahr 1925.
Seit über 100 Jahren wird das Werk Rhina industriell genutzt. Unser Luftbild zeigt das Ferrowerk im Jahr 1925. | Bild: Walter Mittelholzer/ETH-Bibliothek Zürich

Das Werk Rhina liegt teilweise auf der Gemarkung des Laufenburger Stadtteils Rhina, teilweise auf Gemarkung der Gemeinde Murg und wird seit über 100 Jahren industriell genutzt. 1920 übernahm der Industrielle Hermann C. Starck die Produktionsanlage, die zum Ursprung seines weltweit agierenden Unternehmens der Spezialchemie mit Schwerpunkt im niedersächsischen Goslar wurde. Nach der Übernahme der H. C. Starck durch die BASF kam das Unternehmen schließlich 2006 an die Finanzinvestoren Advent International und Carlyle Group. Nachdem der geplante Börsengang nie zustande kam, zergliederten Advent und Carlye die H. C. Starck in mehrere Einzelunternehmen.

Die H. C. Starck Smelting recycelt im Werk Rhina aus Zinnschlacken das seltene Metall Tantal.
Die H. C. Starck Smelting recycelt im Werk Rhina aus Zinnschlacken das seltene Metall Tantal. | Bild: H. C. Starck

Immobilien und Infrastruktur wurden Ende 2015 an die personenlose H. C. Infrastructure GmbH übertragen, von der jetzt die MTM das Werk Rhina erwarb. Hier recycelt die seit 2013 als eigenständige Firma bestehende H. C. Starck Smelting Zinnschlacken und gewinnt daraus das seltene Metall Tantal. Zusammen mit der übrigen Tantal- und Niob-Sparte von H. C. Starck war die Smelting erst im März dieses Jahres an den japanischen Konzern JC Nippon Mining and Metals gekommen. Bei der Smelting arbeiten etwa 100 Personen. Bereits 1996 verkaufte die H. C. Starck ihre Korund-Sparte an ein österreichisches Unternehmen. Sie gehört heute zum französischen Konzern Imerys und beschäftigt 150 Mitarbeiter.

Die ehemalige Pulverdivision der H. C. Starck im Werk Enag wurde im Dezember 2017 von der schwedischen Firma Höganäs erworben. Höganäs erwarb zusammen mit der STC und deren Produktionsanlagen auch alle Gebäude und Grundstücke im Werk Enag.