Ein Jubiläumsjahr wurde gefeiert beim Herbstfest der Freien Waldorfschule Lörrach. Keine runde Zahl, sondern das 28-jährige Bestehen. Und das hat durchaus seine Richtigkeit, denn nach der Lehre Rudolf Steiners wird der Jahreslauf in Jahrsiebte eingeteilt. Oberbürgermeister Jörg Lutz war erster Gratulant, überbrachte einen „kleinen Scheck“ und ließ sich beim Rundgang durch die Räume beeindrucken vom bunten Festangebot.

Mit 22 Schülern war die Lörracher Waldorfpädagogik 1990 in Kellerräumen der Fridolinschule gestartet – heute besuchen die moderne Schule an der Inzlinger Straße 370 Kinder und Jugendliche. Sie werden in 13 Klassen von einem 50-köpfigen Kollegium (viele in Teilzeit) durch Schulalltag und Leben begleitet.

Zum Jubiläum hat man sich auch ein neues Logo gegönnt, das eine Vielzahl von Veranstaltungen übers Jahr mit der Zahl 28 kennzeichnet. Dieser Übertritt ins fünfte Jahrsiebt ist als Meilenstein markiert in der Menschenkunde Steiners. „Hier werden gelernte und gelebte Werke verfestigt, es kennzeichnet ein Ankommen im eigenen Ich“, wird im Programm erläutert.

Die Waldorfschule hat besondere Merkmale für alle, die sich dafür interessieren und auf diese Schulform einlassen. „Sie hat einen festen Platz in unserer Stadt. Die hier vermittelten Werte und Ideen sind heute wichtiger denn je“, sagte Lutz. Die intensive Auseinandersetzung mit ihnen angesichts der immer digitalisierter, immer technischer geratenden Welt sei lebenswichtig. „Die Tendenz ist steigend“ bei den Anmeldungen, erzählt Geschäftsführerin Valérie Ralle. „Wir brauchen dringend eine Sporthalle, die auch für andere Veranstaltungen genutzt werden kann. In unserem Mehrzweckraum wird es regelmäßig ziemlich eng.“ Zwar hat man in Riehen für den Sportunterricht eine Halle gemietet, aber das ist keine wünschenswerte Dauerlösung, auch die Klassenräume sind teilweise recht klein für die oft über 30 Schülerinnen und Schüler. 100 bis 120 Mittagessen pro Tag werden gewünscht, zum Frühstück holen sich viele Kinder (oft mit längeren Anfahrtswegen) belegte Brötchen, Müsli, gesunde vollwertige Schnittchen. Heidi Sutter, Sven Klapproth sowie Daniela Ulmer sind für die Mensa fest angestellt und legen größten Wert auf Frische und Regionales. So gab es beim Fest auch „Ursprungsware“ (beispielsweise Schweinenacken von Strohschweinen) zu kosten, von Kleinbauern aus der Region, die sich artgerechter Tierhaltung verpflichten. Valérie Ralle lobt den besonderen Einsatz von Jenny Molnar, Anja von Hoegen und Katharina Koßmann bei der Vorbereitung und Koordination des großen Herbstfestes. Das Team des Festgestaltungskreises hat ganze Arbeit geleistet und eine Fülle von tollen Ideen koordiniert und die Hilfsbereitschaft und Begeisterung vieler Eltern in organisatorische Bahnen gelenkt. Schon nach den Herbstferien beginnt die Planung für die Feste der Schule 2019. „Das Positive an unserer Schule ist, dass die Eltern freiwillig helfen und das Kollegium unterstützen. Es ist eine echte Schulgemeinschaft, das ist ganz toll.“ Eltern putzen auch die Klassenzimmer, erledigen viele Arbeiten rund ums Gebäude mit seinen weitläufigen Freizeit- und Aufenthaltsmöglichkeiten in Garten und Spielgelände. Zu Hause backen, kochen, stricken und filzen sie – die Ergebnisse waren in hübschesten und leckersten Exemplaren zu bewundern und zu kaufen. Ein Höhepunkt im Programm waren die beiden Zirkus-Vorführungen. Ein Kleidermarkt und ein reichhaltiger Flohmarkt ergänzten das Angebot.

Wer Aufnahme in der Waldorfschule sucht, muss nicht automatisch sehr betucht sein. 176 Euro pro Monat sind obligatorisch als Schulgeld. Aber aus Geldmangel wird kein Kind ausgeschlossen, versichert Valérie Ralle. Allerdings darf der Beitrag auch gern erhöht werden, die Beträge richten sich nach dem Einkommen der Eltern.