Als neuralgische Punkte sind die Abfahrt Hauenstein, die sogenannte Rothauskurve in Murg, die A 98-Anschlusstelle Tiengen-West und die Einmündung der A 98 in die B 314 in Oberlauchringen zu nennen.

Diese Verkehrsknotenpunkte haben eines gemeinsam: Es handelt sich um vier Autobahn-Anschlüsse im Kreis Waldshut, die so unsicher gebaut wurden, dass aufwändige Nachbesserungen notwendig wurden oder noch durchgeführt werden müssen.

Wir werfen einen Blick auf die Hausaufgaben, die das Regierungspräsidium nachholen musste.

Abfahrt Hauenstein

  • Das ist die Situation: Seit der Inbetriebnahme im Jahr 2004 stellt die steile und kurvige Abfahrt der A 98 auf die B 34 westlich von Albbruck eine Gefahrenstelle für den Straßenverkehr dar. Immer wieder kam es auf dem zehnprozentigen Gefällstück zu schweren Unfällen. Bereits 2010 richtete die Kreistagsfraktion der Freien Wähler eine Petition an den Landtag, um die Stelle zu entschärfen. Doch erst nach einem Lkw-Unfall im November 2014 mit zwei Schwerverletzten kam Bewegung in die Sache: Einen Tag nach dem Unfall erhielt das Regierungspräsidium den Auftrag, die Abfahrt neu zu planen. Im Februar und Mai 2017 stellte das Regierungspräsidium in Albbruck und Luttingen insgesamt neun Varianten einer Lösung für die Abfahrt Hauenstein vor. Eine Entscheidung, so hieß es damals, sollte noch im gleichen Jahr fallen. Bis heute ist nichts geschehen.
  • Das sagt das Regierungspräsidium: Damals wie heute ist es ungewiss, wann und wie der weitere Abschnitt der Autobahn östlich von Hauenstein realisiert wird. "Bei der Abfahrt Hauenstein wurde bei der Planung und beim Bau eine provisorische Verkehrsanbindung der A 98 an die ehemalige K 6542 – der heutigen B 34 – berücksichtigt – insbesondere auch deshalb, weil je nach Weiterführung der A 98 sich die endgültige Anschlussstelle jeweils unterschiedlich darstellen würde", teilt Dieter Bollinger, Leiter des zuständigen Referats für Straßenbau beim Regierungspräsidium, dazu mit. Inzwischen hat die Freiburger Behörde die Planung der Autobahnabschnitte A 98.6 und A 98.8/9 einschließlich der Abfahrt bei Hauenstein an die Deges (Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH) übergeben. Aus diesem Grund gibt es aus dem Regierungspräsidium keine weitere Informationen, wie eine Entschärfung der Abfahrt Hauenstein aussehen könnte. Dieter Bollinger teilt dazu mit: "Derzeit werden die Unterlagen durch die Deges gesichtet. Es ist geplant, die weiteren Planungsleistungen auszuschreiben und spätestens im Frühjahr 2019 zu vergeben." Zum weiteren zeitlichen Ablauf könne zum derzeitigen Zeitpunkt jedoch keine Aussage gemacht werden.
  • Die Waldshuter Plattform: Der Rollenwechsel bei den Autobahnplanern ist auch einer der Gründe, warum sich die Gemeinden Laufenburg, Albbruck, Dogern und Waldshut-Tiengen gemeinsam mit dem Landkreis Waldshut zur "Waldshuter Plattform" zusammengeschlossen, um beim Autobahnbau gemeinsam aufs Tempo zu drücken. Einer der 16 formulieren Ziele der Plattform ist, dass die Abfahrt Hauenstein losgelöst von allen anderen Vorhaben geplant werden soll. 
    Für Lastwagen ist die steile Abfahrt Hauenstein problematisch.
    Für Lastwagen ist die steile Abfahrt Hauenstein problematisch. | Bild: Markus Vonberg

 

Rothauskurve in Murg

  • Das war die Situation: Rund 15 Mal im Jahr krachte es am A 98-Anschluss bei Murg-Rothaus. Die Kreuzung wurde daher als Unfallschwerpunkt eingestuft. "Autofahrer von Murg kommend haben nicht genau erkennen können, ob ein Fahrzeug aus Bad Säckingen nun nach Murg abbiegen will oder weiter zur Autobahn fährt", erklärte damals Maren Schäpers, Sachgebietsleiterin des Regierungspräsidiums. Dass eine Entschärfung her muss, war allen Beteiligten schnell klar. Die Frage war nur welche. Murgs Bürgermeister Adrian Schmidle hatte sich gegen eine Ampelregelung vor der Rothauskurve ausgesprochen. Er befürchtete, dass sich die Zahl von Auffahrunfällen deutlich erhöhen könnte. Schmidle favorisierte einen Kreisverkehr, den die Behörden unter anderem aber aus finanziellen Gründen ablehnten.
  • Das sagt das Regierungspräsidium: Im Gegensatz zu den A 98-Ortsumfahrungen Lauchringen und Tiengen (siehe unten), sei man bei der Planung und dem Bau des 1999 planfestgestellten und 2012 eröffneten Abschnitts der A 98 zwischen Murg und Hauenstein davon ausgegangen, dass ein unmittelbar anschließender Weiterbau der A 98 in Richtung Osten – die Abschnitte 8 und 9 – sowie in Richtung Westen – der Abschnitt 6 bei Bad Säckingen – nicht erfolgt, wie Dieter Bollinger vom Regierungspräsidium auf Nachfrage erklärt. Daher seien bereits im Planfeststellungsverfahren provisorische Anbindungen der A 98 ins nachgeordnete Straßennetz berücksichtigt worden. Dass sich der Knotenpunkt jedoch zu einem Unfallschwerpunkt entwickeln würde, sei bei der Planung und beim Bau des A 98-Abschnittes Murg-Hauenstein nicht absehbar gewesen, sagt Dieter Bollinger, der gerade die Sichtverhältnisse an jener Kreuzung als optimal bezeichnete. "Es zeigte sich hier wieder einmal, dass Unfallgeschehen nicht vorhersehbar und berechenbar ist und hier insbesondere der Faktor Mensch eine große und unkalkulierbare Größe ist", so Dieter Bollinger.
  • Das wurde nachgebessert: Nachdem sich eine Ampellösung und ein Kreisverkehr nicht durchsetzten, war der Kompromiss, der schließlich Ende 2017 realisiert wurde, ein so genannter Bypass. Durch diesen entfällt an der Abzweigung der Verkehr, der von Bad Säckingen nach Murg von der B 34 auf die L 154 fließt. Verkehrsteilnehmer können dort stattdessen an der Kreuzung geradeaus vorbei fahren. Durch eine zusätzliche Abfahrt soll außerdem für Verkehrsteilnehmer, die aus Murg kommen, klarer sein, wer auf der B 34 Vorfahrt hat. Seit der Einrichtung des Bypasses hat sich die Zahl der Unfälle verringert. 
    Früher hat es bei Rothaus häufig gekracht.
    Früher hat es bei Rothaus häufig gekracht. | Bild: Markus Vonberg

Abfahrt Tiengen-West

  • Das war die Situation: Sehnlichst erwarteten Anwohner der Bundesstraße 34 in Tiengen und Unterlauchringen die Eröffnung des Autobahnabschnitts 10 und des Bürgerwaldtunnels. Als es im Jahr 1997 endlich soweit war, stellte sich die erhoffte Entlastung jedoch nur teilweise ein. Ursache war die schlecht geplante Ausfahrt Tiengen-West der A 98. Wegen der vorfahrtsberechtigten Bundesstraße kam es dort häufig zu Rückstaus. Vor allem die vielen Lastwagen sorgten dafür, dass der Verkehr an dieser Stelle stockte. Weil Autofahrer vom Stau genervt waren, mieden viele von ihnen die Strecke, wodurch die Ortsdurchfahrten Tiengen und Unterlauchringen trotz Umfahrungsstraße stark belastet blieben. Rund 25 000 Fahrzeuge täglich zwischen Tiengen und Waldshut brachte damals eine Verkehrszählung.
  • Das sagt das Regierungspräsidium: Offenbar herrschte in den 1980er- und 1990er-Jahren größerer Optimismus als heutzutage darüber, dass die Autobahn zügig fertiggestellt wird. Denn bei der Planung und dem Bau der Ortsumfahrung Tiengen, die im Jahr 1991 planfestgestellt wurde, sei man bei der Behörde davon ausgegangen, dass die anschließenden Abschnitte der A 98 "zeitnah realisiert werden können", wie Dieter Bollinger mitteilt. Die nur als Provisorium ausgelegte Abfahrt in Tiengen-West erwies sich auf Dauer als nicht geeignet. "Da die Weiterführungen zeitlich erst deutlich später realisiert werden, war es erforderlich, den Anschluss an die B 34 der heutigen Verkehrssituation anzupassen", sagt Bollinger. Grundsätzlich merkt der Straßenbauexperte aber an, dass die Anschlussstellen so planfestgestellt werden, dass sie in das System des gesamten Streckenzuges der A 98 zwischen Rheinfelden und Lauchringen passen. "Das heißt, sie werden so planfestgestellt, als ob die A 98 über die Anschlussstelle hinaus im nächsten Abschnitt existieren würde."
  • Das wurde nachgebessert: Erst acht Jahre nach der Inbetriebnahme der Abfahrt Tiengen-West folgten die Nachbesserung und die verstärkte Entlastung der Ortsdurchfahrt Tiengen: Im Sommer 2005 wurde der Knotenpunkt mit einer 110 Meter langen Zusatzspur auf der Autobahnrampe und einer 340 Meter langen Einfädelspur von der A 98 zur B 34 in Fahrtrichtung Waldshut versehen. Rund 300 000 Euro haben die zusätzlichen Baumaßnahmen gekostet. 
    Die Abfahrt der Autobahn 98 in Tiengen-West hat inzwischen eine Einfädelspur auf die B 34.
    Die Abfahrt der Autobahn 98 in Tiengen-West hat inzwischen eine Einfädelspur auf die B 34. | Bild: Michael Neubert

Einmündung in die B 314

  • Das ist die Situation: Auf Entschärfung wartet die T-Einmündung der A 98 in die B 314 in Oberlauchringen. Dort passieren immer wieder teils schwere Verkehrsunfälle. Anfang März dieses Jahres musste die Feuerwehr nach einer erneuten Kollision mehrere Schwerverletzte aus ihren Autowracks befreien. „Wir brauchen zeitnah eine Lösung, um das Unfallrisiko zu senken“, fordert die SPD-Bundestagsabgeordnete Rita Schwarzelühr-Sutter und spricht von einem Unfallschwerpunkt. In den vergangenen drei Jahren kam es hier laut Polizei zu fünf Unfällen. "Das ist kein Unfallschwerpunkt in polizeilichem Sinne", sagt jedoch Dieter Bollinger vom Baureferat Süd des Regierungspräsidiums. Aber selbst wenn es nicht zu Unfällen kommt, bleibt der Kreuzungsbereich heikel. Während der Entstehung des Fotos über diesem Text kam es innerhalb von wenigen Minuten zu zwei gefährlichen Situationen inklusive Hupkonzerten. Der weiße Kleintransporter musste aufgrund des auf die B 314 abbiegenden Lastwagens stark und beinahe auf Schrittgeschwindigkeit abbremsen.
  • Das sagt das Regierungspräsidium: Dieter Bollinger räumt im Gespräch ein, dass der Rückstau an der Einmündung der A 98 in die B 314 und die damit verbundenen gefährlichen Situationen "ein großes Dilemma" seien und dass Handlungsbedarf bestehe. Auf die Nachfrage, warum der Knotenpunkt nicht bereits bei der Planung Ende der 1980er Jahre anders konzipiert wurde, nennt Dieter Bollinger den gleichen Grund, wie bei der Abfahrt Tiengen-West. Man habe damals nicht ahnen können, dass die A 98 auf Jahrzehnte nicht weitergebaut werde.
  • Das soll nachgebessert werden: Bei der Anschlussstelle Lauchringen an die B 314 werden derzeit laut Aussage von Dieter Bollinger verschiedene Varianten, darunter eine Ampelanlage, eine direkte Führung und ein Kreisverkehr, untersucht und gegeneinander abgewogen sowie mit den Trägern öffentlicher Belange wie Polizei, Landratsamt und Verkehrsbehörde abgestimmt. Auf ein genaues Datum für einen Umbau der Kreuzung möchte sich der Referatsleiter jedoch noch nicht festlegen: "Bis Ende 2021 wollen wir eine Lösung haben." Auf jeden Fall noch, bevor der Verkehr über die neue Ortsumfahrung Oberlauchringen rollt. Solange müssen Verkehrsteilnehmer an dieser Stelle ganz besondere Vorsicht walten lassen. 
    Zu gefährlichen Situationen kommt es immer wieder an der Einmündung in die B 314 bei Lauchringen.
    Zu gefährlichen Situationen kommt es immer wieder an der Einmündung in die B 314 bei Lauchringen. | Bild: Peter Rosa