Frau Schilling, welche persönliche Bilanz ziehen Sie nach dieser langen Zeit?

Ich durfte einen Beruf ausüben, der mir sehr viel Freude gemacht hat. Lehrerin zu sein, war früher wie heute eine Herausforderung. Die Gesellschaft hat sich im Laufe der Zeit verändert, ich habe versucht, die veränderten Werte und Anforderungen in den Schulalltag zu integrieren. Als Schulleiterin wurden die Ansprüche nicht kleiner. Die Veränderungen betrafen zunehmend die Zusammenarbeit mit der politischen Gemeinde.

Sie gehen zu einem Zeitpunkt, da an der GMS Klettgau vieles in der Schwebe ist und sogar der Schulstandort gefährdet ist. Wo sehen Sie die Ursache dafür?

In den letzten zehn Jahren haben das Kollegium und ich eine Hauptschule zu einer Ganztagsschule, einer Werkrealschule und einer Gemeinschaftsschule weiterentwickelt. Es wurden im Vorfeld Fortbildungen besucht, Modellschulen angeschaut und das Beste auf unseren Standort übertragen. Es ist mir nicht gelungen, die Bevölkerung von den Chancen einer Realschule mit dem Unterrichtskonzept einer Gemeinschaftsschule zu überzeugen. Es hat mir immer in der Seele wehgetan, dass das Interesse an einem innovativen Unterrichtskonzept so gering ist. Überall dort, wo das Konzept stimmt und der Schulträger hinter der Schule steht, gelingt Schule.

In den vergangenen Jahren wurde insbesondere die Sanierung und Erweiterung der Schule verschleppt. Woran lag das Ihrer Meinung nach?

Entscheidungen im Schulamt waren teilweise persönlich motiviert, Auswirkungen waren sehr persönlicher Natur. Entscheidungen in der Gemeinde, die aus heutiger Sicht bestimmt anders getroffen worden wären, sind so gefallen, dass wir heute in dieser Situation sind.

Gab es auch ein Kommunikationsproblem zwischen Schulträger und Schulleitung?

Kommunikationsproblem denke ich nicht, ich habe immer mit offenen Karten gespielt. Aber wo es ums Geld geht, hört die Freundschaft bekanntlich auf. Hier geht es um viel Geld, nicht jeder ist und war bereit, dies in einen Schultyp zu investieren, den es in Baden-Württemberg nicht gab. Lange Zeit wurde die Schule nicht als Standortvorteil der Gemeinde Klettgau gesehen. Hier hat ein Umdenken stattgefunden.

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Glauben Sie, dass die Erweiterung und Sanierung noch rechtzeitig kommen wird oder – wie viele befürchten – es dafür schon zu spät ist?

Ein neues Gebäude ist dringend notwendig. Bei der Antragstellung war dies der Part der Gemeinde und wiederholt mit absoluter Mehrheit befürwortet. Wie sich das Gebäude weiter entwickeln wird, hängt davon ab, wie sich der Schulträger entscheidet. Es werden Gespräche auf politischer Ebene geführt.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der GMS Klettgau?

Mein Herz hängt an dieser Schulform. Sie wird den heutigen Kindern gerecht, sei es durch die Verantwortung, die wir ihnen übertragen. Hier haben sie die Möglichkeit, auf verschiedenen Niveaus verschiedene Fächer zu lernen. Sie stecken in keiner Schublade. Ein Niveauwechsel ist jederzeit möglich. Hier lernen Kinder mit Haupt-, Realschul- und Gymnasialniveau mit Kollegen aus den jeweiligen Schularten. Wir entscheiden erst nach Klasse acht, wohin die Reise geht, das heißt nach der Pubertät, denn hier geht bei vielen Kindern sehr viel.

Ist die Nachfolge in der Schulleitung schon in Sicht?

Aufgrund meines Sabbatjahres blockiere ich die Stelle für ein Jahr. Frau Trumpf als Konrektorin ist ab dem neuen Schuljahr Schulleiterin, bis ein/e neue/r Rektor/in bestellt ist.

Was haben Sie sich für die Zukunft vorgenommen?

Ich möchte auch weiterhin der Schule verbunden bleiben. Ich werde mich in der Genossenschaft Diler Materialnetzwerk engagieren. Mein Herz hängt auch an der Karriereplanung von Schülern. Hier möchte ich mich als Bildungspartner von Schilling Engineering einbringen.