Am 27. April 1945 war der Krieg im Zollausschlussgebiet zu Ende. Gegen 11 Uhr fuhren drei französische Panzer vor das Rathaus, und 15 Soldaten rückten in dieses ein, wo Bürgermeister Willi Horbel, der 1938 von der NSDAP eingesetzt wurde, das Dorf übergab. Die deutschen Soldaten waren bereits vorher abgerückt.

Einen Tag später verfügte die französische Ordnungsmacht die ersten Anordnungen, die ein nächtliches Ausgangsverbot und die Grenzschließung zur Schweiz beinhaltete. Nachdem Nazi-Deutschland am 8. Mai kapituliert hatte, dachten die Menschen in Lottstetten, dass nun das Schlimmste vorbei sei. Sie machten sich daran, die gewohnte Arbeit wieder aufzunehmen. Insbesondere die Arbeit auf den Feldern war für die Lebensmittelversorgung wichtig.

Doch am Abend des 14. Mai verbreitete sich die Hiobs-Botschaft, dass die deutschen Einwohner des Jestetter Zipfels ihre Dörfer am 15. Mai um 8 Uhr verlassen müssen. Diese Vertreibung, beschönigend von den Besatzern „Evakuierung„ genannt, bedeutete das Ende der dörflichen Gemeinschaften im östlichen Landkreis. Die Menschen fanden eine vorübergehende Bleibe unter anderem in Birkendorf, Untermettingen, Bettmaringen oder Dillendorf.

Glücklicherweise konnten die Vertriebenen im Laufe des Sommers 1945 wieder in ihre Heimat zurückkehren. Aus Dankbarkeit legten sie ein Gelübde ab, jährlich nach Einsiedeln zu pilgern – was seit 1950 auch geschieht. Erich Häring und Herbert Vetter, damals als Kinder dabei gewesen, beschlossen im vergangenen Winter, zum Andenken an die glückliche Wiederkehr, ein Kreuz auf dem Lerchenbuck, auf einem Grundstück von Fritz Grießer, aufzustellen.

Dieses Kreuz soll nach der Errichtung an die Gemeinde übergeben werden. Die Gemeinde unterstützt dieses Vorhaben, Bildhauer Jürgen Kübler soll das Kreuz gestalten und mit einer entsprechenden Inschrift versehen. Leider bringt das Coronavirus den Zeitplan durcheinander: der zu bearbeitende Stein konnte nicht organisiert werden. Die Beteiligten hoffen, dass das Kreuz im Oktober, zum 75-jährigen Gedenken der vollständigen Rückkehr der Dorfbewohner, eingeweiht werden kann. (rig)

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