Jestetten Das Taxiunternehmen Kälber ist Geschichte

Renate Kälber gibt ihr Taxiunternehmen auf und geht mit 71 Jahren in den Ruhestand. Sie hat ein arbeitsreiches Leben mit wenig Freizeit hinter sich.

Nach 33 Jahren geht in Jestetten mit der Betriebsaufgabe des Taxiunternehmens Renate Kälber eine Ära zu Ende. 1984 hatte Renate Kälber, damals noch gemeinsam mit ihrem Ehemann, das Unternehmen von der Firma Kaier übernommen. Sie war jung und hatte kleine Kinder im Alter von zwei, fünf und zehn Jahren. Rückblickend sagt sie: „Die Arbeit war da, und die Kundschaft musste gefahren werden. Heute frage ich mich, wie ich das alles geschafft habe.“

Glücklicherweise hatte sie in dieser Zeit ihre Schwiegermutter und Schwester im Hause, die sie mit der Kinderbetreuung unterstützten. „Ein freies Wochenende oder ein paar Stunden für sich am Abend, das gab es nie“, erinnert sich die heute 71-Jährige. Die Ehe ging in die Brüche und mit Mitte 50 wagte sie es, alleine weiterzumachen. Dies war eine große Herausforderung, denn sie stand nach der Trennung finanziell auf schwachen Beinen. Doch Renate Kälber ist eine starke Frau, die sich nicht unterkriegen lässt. Nach der Scheidung erhielt der Name ihres Unternehmens dann passenderweise den Zusatz „Frauenpower“. In den vergangenen zehn Jahren übernahm ihre Tochter Carina Simon die Geschäftsführung, aber hinter dem Steuer saß Renate Kälber bis zum Sommer dieses Jahres. Der Fuhrpark bestand zuletzt aus drei Taxis und einem Kleinbus.

In der langen Zeit hat Kälber einiges erlebt. Da waren die Krankenfahrten mit Patienten, die zur Dialyse oder Strahlen- und Chemotherapie gebracht werden mussten. „Wenn man jung ist, kann man da noch großzügiger darüber wegsehen. Im Alter wird man nachdenklicher“, sagt Renate Kälber. Sie berichtet von netten und freundlichen Fahrgästen, aber auch von solchen, die sie in früheren Jahren schikaniert hätten. So etwas lasse man sich als Taxifahrer heute nicht mehr gefallen. Sie fuhr Gäste, die zu Tagungen bei den ortsansässigen Firmen kamen, oder solche, die ab Zürich Kloten in den Urlaub fliegen wollten. Deutschen Unternehmen ist es nur erlaubt, Fahrgäste von Deutschland in die Schweiz und umgekehrt zu befördern. Inlandfahrten in der Schweiz hingegen sind verboten. Aus diesem Grund habe es schon den einen oder anderen Reisenden gegeben, der dann der günstigeren deutschen Tarife wegen in Rheinau über die Brücke gelaufen sei, um auf Jestetter Gebiet ins Taxi Kälber einzusteigen.

Nicht zu vergessen sind auch die vielen Schulkinder, die von Lottstetten nach Balm oder Nack gefahren wurden, oder im Rahmen des Bahnersatzes von Altenburg nach Jestetten. Nun ist die Zeit gekommen, um sich zur Ruhe zu setzen. Im August wurde das Unternehmen aufgelöst, die Fahrzeuge verkauft. Renate Kälber muss sich erst noch an den neuen Lebensabschnitt gewöhnen und sich wieder neu finden. Es ist nicht nur ein Abschied von einem anstrengenden und doch erfüllten Arbeitsleben, sondern auch von Jestetten. Sie wird in die Nähe ihrer Kinder nach Schwerzen ziehen, wo sich zwei Enkel darauf freuen, die Oma in Reichweite zu haben.

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