Der Hotzenwald ist nicht nur eine attraktive Natur- und Kulturlandschaft, sondern auch reich an Originalen und Sagengestalten. Diese zu beschreiben, ist der hiesigen Schriftstellerin Sandhya Hasswani mit ihrem kürzlich herausgegeben Werk „Sagenhafter Hotzenwald“ vortrefflich gelungen. Doch geht es der Autorin in ihren mehr als 30 Erzählungen nicht nur um Lebensschicksale, sondern sie liefert auch erstaunliche und wissenswerte Fakten zu Land und Leuten aus mehr als 800 Jahren Heimatgeschichte. Das 320 Seiten umfassende Werk mit vielen Zeichnungen ist eine wahre Fundgrube und gehört in jedes Haus, wie manche Historiker meinen.

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Sandhya Hasswani hat überdies die Herkunft des Namens Hotzenwald erläutert, auch die mit ihm verbundenen Begriffe wie Hotzenhaus, Hotzenblitz, und was es mit dem Hotzenbischof auf sich hat. Nicht erwähnt hat sie indes das Hotzenwaldlied.

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„Tief im Hotzenwald steht ein Bauernhaus so still und stumm…“, klingt es im Dreivierteltakt hin und wieder von einer Hotzenwälder Blaskapelle oder vom Herrischrieder Akkordeonorchester. Es wird aber auch als mehrstrophisches Lied mit voller Inbrunst von Hotzenwälder Gesangsgruppen oder im privaten Kreis schunkelnd zum Besten gegeben.

Von Bediensteten des früheren Säckinger Straßenbauamts wurde es gar auf zwölf Strophen erweitert. Insbesondere dichteten sie dem „Mägdelein im schönen, sonnigen Hotzenwald“ die „Hotzenhilf“ hinzu und bezogen sich auf ihre Leistungen als Straßenbauer im früheren als Notstandsgebiet bezeichneten Hotzenwald.

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Wie erstaunt waren doch vor geraumer Zeit einige Hochrheinler bei einer feucht-fröhlichen Feier in Karlsruhe, bei der sich Bundesbrüder einer Studentenverbindung trafen, als Teilnehmer aus dem Odenwald das Hotzenwaldlied anstimmten, statt „Tief im Hotzenwald…“ aber „Tief im Odenwald…“ zu Gehör brachten.

Die Diskussion

Nachdem der Gesang zu Ende war, begann eine lebhafte Diskussion, bei der die Südbadener ihren Text verteidigten, die Nordbadener aber der festen Überzeugung waren, dass ihr Vortrag das doch bekannteste Volkslied aus dem Odenwald sei, und dass die Hotzenwälder sich ihre Melodie mit einem leicht veränderten Text unberechtigterweise angeeignet haben.

Unbekannte Herkunft

Wer sich aber der Volksmusikforschung ein wenig widmet, stellt unschwer fest, dass nicht nur Hotzenwälder und Odenwälder auf ihre Weise dieses spezielle Lied singen, sondern es auch abgewandelt Tief im Frankenwald, im Westerwald, im Pfälzerwald und im Spessartwald heißt. Der oder die Verfasser von Text und Melodie des Volkslieds sind nicht bekannt, insofern fühlen sich alle „Wälder“ berechtigt, dieses Lied für sich in Anspruch zu nehmen.