„Geisterhaftes Steingeweb‘, Bald wie Tränen, die der Fels weint“: Diese Zeilen gehören zu einem Gedicht, in dem Joseph Victor von Scheffel die Hasler Tropfsteinhöhle beschreibt. Das eine oder andere Tränlein dürften jetzt auch Fans der Hasler Höhle, eine der beliebtesten touristischen Sehenswürdigkeiten der Region, vergießen. In den Pfingstferien wird die Hasler Erdmannshöhle Besuchern wegen des Coronavirus verschlossen bleiben. „Wir werden sicherlich jetzt im Juni noch nicht aufmachen. Einfach aus Fürsorgegründen. Im schlimmsten Fall gilt das für die gesamte Saison 2020“, erklärt Hasels Bürgermeister Helmut Kima.

Grund für die Entscheidung ist die Beschaffenheit der Höhle. Gerade gegen Ende des 356 Meter langen Abschnitts, der besichtigt werden kann – insgesamt beträgt die bis jetzt vermessene Gesamtlänge der Höhlengänge über 2350 Meter – gibt es einige recht enge Stellen. „Da lässt sich nicht mehr garantieren, dass Abstände eingehalten werden können.“ Dazu kommt, dass viele Höhlenführer im Rentenalter sind. „Zwei haben gesagt, dass sie Bedenken haben, in dieser Situation Führungen zu machen“, berichtet Kima.

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Umgekehrt will aber auch Kima als Personalverantwortlicher „die Menschen nicht einer Gefahr aussetzen. Da geht die Gesundheit vor.“ Glücklicherweise sei die Tropfsteinhöhle „keine Einrichtung, von der Existenzen abhängen. Deswegen habe ich eigentlich nicht vor, etwas zu riskieren.“ Daher könne es auch sein, dass selbst bei weiteren Öffnungen im Tourismus „die Situation für uns im Juli und August keine andere ist.“ Er sei da allerdings in einem Zwiespalt. Eben weil Juli und August die stärksten touristischen Monate seien, und auch für die Höhle die Hauptmonate mit den meisten Besuchern darstellten.

„Touristen suchen natürliche solche Ausflugsziele, und mit der Erdmannshöhle bieten wir da etwas mit einem Alleinstellungsmerkmal in der Gegend. Da wäre es natürlich schade, wenn so etwas nicht zur Verfügung steht. Wenn man den Tourismus stark halten will im Schwarzwald, müssten auch solche Einrichtungen präsent sein“, sagt Kima. Der Bürgermeister behält sich deshalb eine endgültige Entscheidung für Juli und August noch vor, vermutlich werde diese Mitte Juni fallen.

Im vergangenen Jahr zählte die Hasler Tropfsteinhöhle etwa 17.000 bis 18.000 Besucher. Zuvor waren es rund 20.000, jedoch waren vergangenes Jahr die Öffnungszeiten reduziert worden, werktags war außerhalb der Schulferien nicht geöffnet beziehungsweise fanden Führungen nur auf Anmeldung statt, beispielsweise für Schulklassen. Gesamtwirtschaftlich habe das aber dem Höhlenbetrieb laut Kima „keinen Abbruch getan“.

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