Ein in jeder Hinsicht märchenhaftes Jahreskonzert hat der Musikverein Oberwihl am Samstagabend auf die Bühne gezaubert. Unter dem Motto „Es war einmal“ spielte er sich durch eine Reihe von Kompositionen, die allesamt einen Bezug zu Märchen und Sagen haben. Interimsdirigent Joachim Pfläging hatte das Orchester optimal auf den Auftritt vorbereitet. Weshalb dieser zu einem der besten der letzten Jahre wurde – märchenhaft eben, gelegentlich zauberhaft und konstant auf hohem Niveau.

Konzentriert: Der Musikverein Oberwihl, im Bild das Trompetenregister mit Claudia Jehle vorn, spielte sich durch ein Märchen- und Sagenprogramm.
Konzentriert: Der Musikverein Oberwihl, im Bild das Trompetenregister mit Claudia Jehle vorn, spielte sich durch ein Märchen- und Sagenprogramm. | Bild: Peter Schütz

Fünf Jahre lang nutzte der Musikverein die Oberwihler Kirche als Konzertort vor Weihnachten, nun trat er wieder in der Görwihler Hotzenwaldhalle auf. Deshalb fiel das Programm etwas weltlicher aus als sonst. Feierliche Stimmung kam trotzdem auf, was einerseits am eleganten Vortrag des Musikvereins, andererseits an der Dekoration sowie an einem außergewöhnlichen Beitrag lag. Nach dem „The Golden Year“ – das goldene Jahr, das laut Vorsitzender Jasmin Kaiser auf die Gemütslage der Gastgeber zutraf – nahm Ehrendirigent Hugo Becker aus Rickenbach auf der Bühne Platz in einem Sessel.

Er legte sich ein dickes Buch zurecht und las neben einer großen Stehlampe eine kurze Zusammenfassung des Märchens „Rapunzel“ der Brüder Grimm, unterbrochen oder zurückhaltend begleitet vom Orchester. „Hinter dem Haus wohnte eine Hexe“, erzählte Becker, und so rauschte die Melodie entsprechend bedrohlich heran. Als der Prinz auftauchte, wurde der Vortrag heller, luftiger, lieblicher. Kein Wunder, denn, so Becker: „Die wunderbar zarte Stimme von Rapunzel verzauberte ihn sofort.“ Gab es jedoch Schwierigkeiten, passte sich die Musik daran an. Die Kooperation zwischen Becker und Musikverein machte sich gut und aus dem Konzert eine Besonderheit.

Die Sage vom Todten Moos

Ein besonderes Buch nahm später Moderatorin Martina Huber zur Hand: Es enthielt die „Sage vom Todten Moos“, auch als „Dramatic Tales“ von Markus Götz bekannt. Die Handlung spielte im heutigen Todtmoos, zu einer Zeit, als der Ort laut Huber ein „grausamer, giftiger Sumpf“ war, in dem einem Geistlichen die Mutter Gottes erschien. Der Komponist hatte aus unterschiedlichen Stilmitteln, inklusive Pop- und Rockanleihen, ein bewegendes Stück Musik geschaffen, das die Gastgeber – illuminiert mit gelben Schwaden auf grünem Grund – eindrücklich übersetzten.

Auch der zweite Konzertteil war hörenswert und zeigte den Musikverein in Topform. Am Ende hatte Schlagzeugerin Mara Schöneck bei „Nessaja“ aus dem Musical „Tabaluga“ nach der Vorlage von Peter Maffay, Rolf Zuckowski und Gregor Rottschalk einen Solo-Auftritt als Sängerin. Die Zugabe kam so sicher wie das Happy End in „Rapunzel“.