Auf dem 27 884 Quadratmeter großen Gelände der ehemaligen Jugendherberge in Bonndorf bewegt sich was. Investor Ralf Hirschbeck, der das komplette Areal gemeinsam mit Eva Sauter gekauft hat, beabsichtigt, die Fläche als Wohngebiet mit insgesamt 29 Bauplätzen zu nutzen. Ein Konzept lag nun dem Gemeinderat in jüngster Sitzung zur Beratung vor.

Für das knapp 2,8 Hektor große Gelände, das bislang als Sondergebiet ausgewiesen war und das nun zum Wohngebiet werden soll, übernimmt die Stadt die Bauleitplanung. In der Sitzung ging es nun unter anderem darum, den räumlichen Geltungsbereich für den zu erstellenden Bebauungsplan „Waldfrieden“ festzulegen.

Wie Bürgermeister Michael Scharf gleich eingangs klar stellte, habe die Stadt nichts gegen eine private Konkurrenz in Bezug auf Bauplätze. Bonndorf habe sehr viele Zuzüge aus EU-Staaten, so dass ein weiteres Baugebiet durchaus interessant sei. Im ersten Planentwurf für das komplette Grundstück sind 29 Bauplätze vorgesehen in einer ähnlichen Größe wie die städtischen Bauplätze im Gebiet Mittlishardt.

Nach den Worten Scharfs gibt es allerdings ein Problem: Ein Wohngebiet muss mindestens 30 Meter Abstand zu einer Waldfläche haben und dies sei im vorgelegten Entwurf nicht der Fall. Beim angrenzenden Wald handelt es sich um Stadtwald. Möglich wäre es, ein Stück des Waldes zu roden, um den Mindestabstand einhalten zu können. Über einen finanziellen Ausgleich könne mit dem Investor geredet werden. Eventuell, so Scharf, würde es aber auch reichen, wenn die Bäume bis zum bestehenden Weg entlang des Grundstücks entfernt werden. Würde sich hier keine Lösung abzeichnen, müsste der Investor auf einige geplante Baugrundstücke verzichten.

Dies wiederum würde bedeuten, dass die anderen Bauplätze teurer werden würden. So jedenfalls die Aussage von Ralf Hirschbeck, der in der Sitzung anwesend war. Hirschbeck fügte in diesem Zusammenhang an, dass er das Ziel habe, günstige Baugrundstücke anzubieten, deren Preis vergleichbar sein sollte mit dem der städtischen Flächen.

Bürgermeister Michael Scharf bezeichnete die Möglichkeit, Wald für das Wohngebiet zu opfern, als politisch interessante Variante. Schließlich sei es im Normalfall so, dass Baugebiete zulasten von landwirtschaftlichen Flächen erstellt werden. Müssen für das Baugebiet keine Ausgleichsflächen nachgewiesen werden, wollte Stadträtin Mechthilde Frey-Albert wissen. „Nein“, sagte dazu Nicole Messerschmid vom Bauamt. Hier handle es sich um eine Verdichtung im Innenbereich, sodass keine Eingriffs- Ausgleichsmaßnahmen nötig sind. Wenn der Wald für einen Privatinvestor abgeholzt wird, wird dann auch die ganze Fläche verkauft?, wollte Erhard Morath wissen, der zudem befürchtete, dass es ohne den Puffer Wald zu Beschwerden über eine Lärmbelästigung durch den nahe gelegenen Sportplatz kommen könnte.

„Der Lärm wird kein Thema sein“, war sich der Rathauschef sicher. Was den Wald betrifft, will die Stadt dessen Wert schätzen lassen. Dann könne immer noch entschieden werden, ob abgeholzt und die Fläche verkauft wird, oder nicht. Scharfs Bilanz: „Niemand hat was gegen das Baugebiet an sich.“ Jetzt gehe es darum, eine Lösung wegen des Waldabstands zu finden.

In der Frageviertelstunde machte Peter Sonntag noch auf die zunehmende Verkehrsbelastung in der Waldallee durch das Baugebiet aufmerksam. Außerdem, so Sonntag, seien die Kanäle bei starkem Regen jetzt schon überlastet. Wenn noch mehr Schmutzwasser eingeleitet wird, könnte das sehr kritisch werden, befürchtete Sonntag. Scharf sicherte zu, die Abwasserfrage prüfen zu lassen.