Es war Hans Thoma, der die Landschaft des Süd- und des Hochschwarzwaldes in die Kunst eingeführt und bildwürdig gemacht hat. Bekannt ist, um nur eines von vielen Beispielen zu nennen, sein frühes Bild vom Herzogenhorn im Vorwinter aus dem Jahr 1860, das im Bernauer Hans-Thoma-Kunstmuseum zu sehen ist.

Bekannt ist mittlerweile auch, dass die Schwarzwaldlandschaft seiner Bernauer Heimat Thomas Malweise und Ästhetik so intensiv geprägt hat, dass sie in der Phase der Salonmalerei als revolutionär empfunden wurde. Auf längere Sicht hat Hans Thoma die Schwarzwaldlandschaft in Deutschland und in großen Teilen Europas populär gemacht.

Und er hat auch zahlreichen Schwarzwaldmalern, die nach ihm kamen, den Weg geebnet, so etwa Karl Bartels, Rudolf Dischler, Karl Hauptmann, Julius Heffner und zahlreichen anderen. Das Bild „Bernau im Winter“(Öl auf Leinwand, 70 mal 100 Zentimeter), das dem Thoma-Museum gehört und dort im Hauptmann-Kabinett hängt, ist das Kunstwerk des Monats Dezember.

Karl Hauptmann wurde 1880 als Sohn eines Schreiners in Freiburg geboren. Nach der Realschule durchlief er eine Ausbildung in Nürnberg und München. 1906 ließ er sich in seiner Heimatstadt als freischaffender Maler nieder. Zu seinen wichtigsten Arbeiten zählen seine winterlichen Schwarzwaldlandschaften, die, anders als die von Hans Thoma, meist einer idealisierenden Tendenz folgen.

Von 1915 bis 1918 leistete Hauptmann Kriegsdienst als Gebirgsjäger. Nach den Schrecken des Ersten Weltkriegs zog sich Hauptmann, ähnlich wie der Thoma-Schüler und Wahl-Bernauer Adolf Hildenbrand, in den Hochschwarzwald zurück, genauer gesagt in sein sogenanntes „Molerhüsli“ am Herzogenhorn. Dort starb er am 7. April 1947. Wenn man Karl Hauptmanns biografische Daten im Auge behält, erweist sich seine Landschaft „Bernau im Winter“, die unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg, im Jahr 1919, entstanden ist und uns eine unversehrte Idylle vor Augen führt, als eine Hommage und als ein Dank an seine neue Heimat, die ihm sicherlich auch inneren Frieden geschenkt hat.

Die verschneite Landschaft ist makellos, die Schwarzwaldhäuser scheinen geradezu im Schnee zu versinken. Ruhe liegt über dem Bergland. Allenfalls die dunklen Wolken gemahnen uns daran, dass der große Krieg nicht an Bernau vorübergegangen ist, dass er auch nach Bernau Leid gebracht hat, dass Nationalismus und Militarismus auch unter den Bürgern des kleinen Schwarzwalddorfs Tote gefordert haben. Die Bernauer Josef Dietsche (1882 – 1918), Oskar Kaiser (1897 – 1918), Heinrich Köpfer (1900 – 1918), Arnold Schmidt (1891 – 1916), Heinrich Schmidt (1887 – 1918), Louis Schmidt (1885 – 1918) und Karl Wunderle (1883 – 1917) kamen, anders als Karl Hauptmann, nicht mit dem Leben davon und fielen dem Krieg zum Opfer. Gegen Ende des Jahres 1918 schrieb Kurt Tucholsky in einem Gedicht: „So steh ich nun vor deutschen Trümmern / und sing mir still mein Weihnachtslied“. Der Krieg und die Kriegsopfer bilden gewissermaßen die dunkle Rückseite der in ihrer Unberührtheit leuchtenden Bernauer Landschaft von Karl Hauptmann. Auch daran sollten wir denken, wenn wir Weihnachten feiern und uns bei einem Besuch im Museum Hauptmanns Kunst zuwenden.